Was sind Kreuzzüge - Geschichte der Kreuzzüge im Mittelalter - Definition - die Kreuzzüge - PEGIDA - PI - Islamfeinde - Kreuzzugsidelogie aktuell - Propaganda - Pogrom
"Jede Stadt, die jenseits des Meeres den Heiden entrissen wird, soll für immer behalten werden"
Dekret, Konzil von Clermont 1095
Peter Milger - www.milger.de

Studium Physik, Soziologie und Geschichte. Journalist, Buch- und Fernsehautor. Unter anderen:

DER FALL KOLUMBUS - Der Genozid an den Tainos. Pomaska-Verlag
GEGEN LAND UND LEUTE - Der 30-jährige Krieg, C. Bertelsmann, 2 Auflagen.
DIE KREUZZÜGE - Krieg im Namen Gottes, C..Bertelsmann, 7 Auflagen. (Beide vergriffen)
DVDs der gleichnamigen TV-Serien leihweise: webmaster@milger.de
GESCHICHTE DER KREUZZÜGE
an Hand der Quellen erzählt

Der erste Kreuzzug
Der zweite Kreuzzug
Die Ausrottung der Katharer
Kreuzzug gegen Byzanz
Kaiser Friedrich Barbarossa

HIER
Islamdebatte und Dschihad PI, PEGIDA, AfD & DER ISLAM
Judenpogrom und Konzilien
NEU
besichtigt
IDEOLOGIE UND VERLAUF DER KREUZZÜGE
Propaganda, Tatsachen, Geschichtsschreibung


Das Massaker von Jerusalem Blutrausch oder ethnische Säuberung?
Kreuzzüge Propaganda
Kreuzzugspropaganda
Kreuzzuege Massaker
Das Königreich Jerusalem bis 1143
Saladin
(1) Feldzug in Palästina

(2) Die Einnahme von Jerusalem
Richard Löwenherz Lebenslauf
Kinderkreuzzug 1212
Gräuelpropganda : Muslime beschmutzen Kirche mit Kot.
und opfern christliche Pilger ihren Götzen.
Die Folge der Hetze:: Das Massaker in Jerusalem
Leicht zugängliche Quellen
(Augenzeugen - Zeitgenossen)
(0) Von Papst Urban II. (1095) zu George W. Bush
Übereinstimmungen * Propaganda und Verlauf der Feldzüge
(1) Wir wären gern die Guten
Propaganda von 1095 infiziert Geschichtsschreibung
(2) Ein dubioses Hilfeersuchen wird zur historischen Wahrheit
Beleg unkritisch übernommen * Kaiser Alexios gegen Kreuzzug
(3) Unsere Brüder - Worte und Taten
Vasallen des Papstes führen Krieg gegen das christliche Ostrom
(4) Die politische Agenda des Konzils von Clermont
Urban beklagt Kirchenspaltung, Kriege, Korruption und Kriminalität
(5) Hilferufe und Feindbild
Der sogannte Alexiosbrief * Antitürkische Gräuelpropanda * Hasspredigt
1000 Jahre Kreuzzüge. Reaktionen in der muslimischen Welt 1099 und 2001.
Kreuzfahrer in Jerusalem 1099:
Mörder, Diebe, Frauenschänder

Der arabische Historiker Ibn al-Athir über das Massaker in der Stadt der zwei heiligen Moscheen:

Die Bewohner wurden dem Schwert überliefert ... das Morden währte eine Woche. In der al-Aska Moschee töteten die Freng (Franken, Bezeichnung für alle sogenannten Kreuzfahrer) mehr als 70.000 Muslime (Anzahl wie üblich übertrieben), darunter viele Imame, Religionsgelehrte, Fromme und Asketen ... aus den Felsendom raubten die Franken mehr als 70 Silberbecher, von denen on jeder über 300,000 Drachmen wog, einen großen Silberbecher, der 40 syrische Pfund wog ... wie viel Blut ist schon vergossen worden, wie viele liebliche Mädchen verbergen ihr Antlitz vor Scham (will sagen, Frauen wurden vergewaltigt) ...

Entsetzen in Bagdad, Rache angesagt

Einige Tage nach dem Massaker sprachen einige Flüchtlinge beim Kalifen vor. Ibn al-Arthir:

In der Kanzlei des Kalifen gaben sie einen Bericht, der alle zum Weinen brachte und die Herzen bewegte. Am Freitag erflehten sie in der großen Moschee das göttliche Erbarmen. Sie waren in Tränen, und die Zuhörer waren in Tränen, als sie das Unglück der Muslime schilderten. Die Männer getötet, die Frauen und Kinder gefangen, aller Habe beraubt. Und dann, praktisch als Menetekel::Wir haben Blut in die strömenden Tränen gemischt, für Mitleid fehlt uns der Raum ... Söhne des Islam, vor euch liegen Kämpfe, sie werden die Köpfe vor eure Füße rollen lassen

Bin Laden: Es ist ein Kreuzzug -

Osama bin Laden nannte im Oktober 2001 die „US-geführte Intervention" (Wikipedia) in Afghanistan einen Kreuzzug. Er konnte wie alle gewieften Islamisten auf das Allgemeinwissen der Muslime zurückgreifen, um den „Westen" zu brandmarken. Sie lernen in der Schule die bekreuzten edlen Ritter des christlichen Kulturkreises als brutale Invasoren kennen. Und das Kreuz als Zeichen der Scheinheiligkeit. Bin Laden konnte sich auch auf seinen Hauptwidersacher berufen. US-Präsident George W. Bush lieferte dem Meinungsführer der Dschihadisten nämlich eine Steilvorlage, in dem auch er die Militärexpedition nach Afghanistan einen „Kreuzzug" nannte, um ihr einen frommen Anstrich zu geben. Osama bin Laden sagte am 21. Oktober in einem Interview mit Tayseer Allouni (Al Jazeera):

Was hat Japan mit uns zu tun? Was hat Japan in diesen schwierigen, mächtigen und heftigen Krieg hineingezogen? In dieses Verbrechen an unseren Söhnen in Palästina? Japan hat nicht vorhergesehen, dass es sich mit uns im Krieg befinden würde. Es sollte seine Haltung überdenken. Was hat Australien so weit im Süden mit uns zu tun und der Lage der wehrlosen Völker von Afghanistan und Palästina? Was geht Deutschlands dieser Krieg an? Außer Kreuzzug und Unglauben. Dieser Kreuzzug eine Wiederholung der Kreuzzüge, so wie frühere Kriege. Richard Löwenherz, Barbarossa aus Deutschland und Ludwig von Frankreich. So auch heute, nachdem Bush das Kreuz erhob und die Kreuzfahrerländer sich sofort drängelten. Was haben die arabischen Länder mit diesem Kreuzzug zu tun? Warum sind sie unverhohlen und bei hellem Tageslicht in diesen Krieg gezogen? Weil es ihnen unter der Herrschaft des Kreuzes gefällt.
(6) Die Predigt von den beschmutzten Kirchen
Wie die Propaganda mobilisert und die Spendenbereitschaft fördert
(7) Gott will es - begeisterte Historiker
Weitere Papstreden verfasst * Geschichtsschreibung verklärt Komzil
(8) Exkurs: Schlachtrufe
Diverse Schlachtrufe "Gott will es" nur Dankesruf
(9) Juden -Pogrome
"Feinde Gottes" auf Juden übertragen * Bekreutze plündern und morden
(10) Robuste Wallfahrt
"Christliche Brüder" braubt statt befreit * Massaker an ihnen in Ungarn

Die Anti-Islam-Kampagne - quasi ein Aufruf zum Kreuzzug
Aber das Kreuz hat einen Haken

Die Paten der gewendeten Partei ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND (AFD) sind dem Namen nach kosmopolitisch unterwegs. Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes-PEGIDA. Der programmatische Schlachtruf der AFD ist enger und radikaler gefasst: Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Warum radikal? Zum Programm der AFD gehört es also, in Deutschland vorhandenen Islam zu entfernen. Nun ist aber der Islam der Name der Muslime für ihre Religion. Eine Religion ist der Glaube an Glaubenssätze. Auch im Judentum und im Christentum. Ein Glaube ist also nicht real, man kann ihn nicht greifen, also auch nicht vertreiben. Wer predigt der Islam gehört nicht zu Deutschland sagt also eigentlich: Muslime gehören nicht zu Deutschland. Es geht also nicht gegen ein Abstraktum, sondern gegen Muslime und damit gegen das Muslimetum. Der klassische Namen für ein abendländisches Vorgehen gegen Muslime ist Kreuzzug. Papst Urban II. erklärte bei seinem Aufruf zum Feldzug in den Nahen Osten, es ginge um die Vertreibung der Türken aus dem vormals oströmischen Anatolien. (Im Verlauf der Militärexpedition zeigte sich, dass die Begründung vorgeschoben war - reine Propaganda). Nun waren die seldschukischen Türken tatsächlich in das oströmische Anatolien zwecks Eroberung eingefallen. Die Mehrheit der Muslime in Deutschland sind aber Türken, die hierher gebeten wurden und zur Mehrung des Wohlstands beitrugen und beitragen. Nun verbreiten die Propagandisten der AFD fremdenfeindliche Stereotypen gegen Muslime. Die ärgste Unterstellung: Sie strebten die Weltherrschaft an. Sie gehört zum traditionellen Repertoire des Antisemitismus. Nein, niemand bei der AFD macht den Eindruck, er wolle Muslime umbringen. Aber die Propagandisten lassen zu, dass ihre Parole, der Islam muss weg beim Wir-Volk als Muslime raus ankommt. Damit nährt die AFD die Sehnsucht vieler, die zu kurz gekommen sind oder sich so fühlen, nach einem Deutschland ohne Muslime, wo es genug Platz, Geld und Frauen für alle gibt, die Germanenblut in ihren Adern wähnen. In Reden von AFD-lern klingen entsprechend auch rassistische Motive an. Auf dem Parteitag in Stuttgart wurde der Wille zur Macht machtvoll bekundet. Und das Ausmaß der von entgegenkommenden Innenministern praktizierten Abschiebungen wurde als ungenügend erachtet. Nein, von Deportationen ist nicht die Rede. Noch nicht. Aber: Die Anti-Islam-Propaganda dient der AFD als Hebel zur politischen Macht. So was ähnliches hat in Deutschland schon einmal funktioniert.
IDEOLOGIE UND VERLAUF DER KREUZZÜGE
10 Kapitel fortlaufend
Bush sprach mehrfach von einem  Kreuzzug Urban predigt Kreuzzug
Präsident Bush vor dem Eimmarsch in den Irak am 16.3.2003: "Morgen ist der Augenblick der Wahrheit für die Welt".
Rede
Papst Urban,1095: "Steht den Brüdern im Osten bei ... Christus befielt es."
Rede
Von Papst Urban II. (1095) zu George W. Bush

Erstaunliche Parallelen

Hier sind die GUTEN, dort sind die BÖSEN. Im Rahmen der Rechtfertigung beider Irakfeldzüge haben die jeweiligen Präsidenten der USA von einem Kreuzzug gesprochen. Irgendwie haben beide Recht. Vergleicht man das Original mit der Reprise, ergeben sich erstaunliche Parallelen. Die Betreiber von damals haben der Propaganda einen ähnlich hohen Stellenwert eingeräumt wie die heutigen. Der FEIND werden Gräueltaten und böse Absichten nachgesagt, man selbst handelt selbstlos um den GUTEN den Weg zu bahnen.

Aufruf von Papst Urban:

Die gottlosen Türken haben in Kleinasien Kirchen zerstört, die Ostchristen getötet und unterdrückt, sie bedrohen auch den Westen. Es geht uns um die Befreiung der Ostchristen.

Kriegsgrund laut US-Regierung:

Der Irak besitzt Massenvernichtungswaffen, das Regime unterdrückt die Bevölkerung, tötet Gegner und bedroht den Westen. Präsident Geroge W. Bush scheut sich nicht, den Teufeld selbst an die Wand zu malen: "Wir befinden uns in einem Konflikt zwischen Gut und Böse. Amerika wird das Böse beim Namen nennen." (
Rede in West Point am 1. Juni 2002.) Das versprochende GUTE: die Befreiung der Iraker, Einführung von Demokratie und Menschenrechten.

Verlauf

Beim Vormarsch in Kleinasien haben die Bekreuzten keine zerstörten Kirchen gefunden und keine Belege für eine feindselige Behandlung der Ostchristen. Die Feudalherren aus den Westen übten als Besatzungsmacht die Herrschaft aus, viele Ostchristen kamen zu Schaden, die Befreiten setzten sich teilweise zur Wehr. Die einen fanden keine zerstörten Kirchen, die anderen keine Massenvernichtungswaffen. Menschenrechte wurden im Irak weiter verletzt, auch von den Soldaten der "westlichen" GUTEN. Der Irak im April 2016. Der "Islamische Staat" besetzt und terrorisiert große Teile des Landes. Demokratie? Zwischen Schiiten und Sunniten herrscht praktisch Bürgerkrieg, Frankfurter Rundschau am 29. April 2016: Iraker wüten gegen Regierung, Infrastruktur verfallen, Tumulte im Parlament, Unmut über korrupte Politiker. 228 Milliommem Dollar veruntreut. Von einem Staat kann kaum noch die Rede sein. Das gandenlose GUTE. Aber es wird weiter im Namen der Demokratie und Menschenrechte missioniert, nun in Syrien. Der abolut Böse hier: Der "Schlächter" Anwar as-Sadat.


In beiden Fällen entlarvt der Verlauf die Begründungen zumindest partiell als Propaganda. Vor allem das von den PR-Beratern der US-Regierungen ausgemalte Feindbild (Reich des Bösen) ist für Kreuzzüge typisch. Das aber ist nur erkennbar, wenn man das originäre Konstrukt kennt.

Texte unterschlagen

Auch die Größten der Zunft, Hans Eberhard Mayer und Steven Runciman haben weder die Propaganda für die Kreuzzüge thematisiert noch die überlieferten Texte zitiert. Sie belegen, was durch das Versäumnis wie eine Enthüllung wirkt, nämlich dass die erste Militärexpedition in den Nahen Osten von einer massiven Werbung begleitet wurde. In älteren einschlägigen Werken wurde das Feindbild der Kreuzzugspropaganda dagegen sorgsam gepflegt. Und es wirkt nach.

Hasspredigt

Was Muslime so in christlichen Kirchen treiben. Miniatur siehe oben. Entstanden und verbreitet um 1325 in Frankreich. Den dazugehörigen Text haben Generationen von Europäern gelesen, in Handschriften und dann auch gedruckt. Verfasst wurde er von einem Mönch aus Reims um 1110. Er lautet:

Sie wandeln Altäre um, die sie mit ihren Abscheulichkeiten befleckt haben, beschneiden die Christen, und verspritzten das Blut der Beschneidung über die Altäre oder gießen es in die Taufbecken.

Fast alle Chronisten machen von diesem Text Gebrauch. So auch der populäre Wilhelm von Tyros:

Das gottlose Volk der Türken hatte die ehrwürdigen Orte entweiht, die Gottesdiener hinausgeworfen und die Kirchen zu vulgären Gebrauch bestimmt. Die einen zu Ställen für Pferde und Lasttiere, die anderen für Zwecke, die für diese Orte unschicklich waren.

Es schwelt noch unter der aufgeklärten Oberfläche. Brigitte Bardot warnt in ihrem Buch Ein Schrei in der Stille vor der Islamisierung Frankreichs.

Die Flüchtlinge schänden und stürmen unsere Kirchen, um sie in menschliche Schweineställe zu verwandeln und scheißen hinter die Altäre.

Die Dame wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt. Ein guter Verteidiger hätte zur Entlastung auf die lange gepflegte Tradition und die Quellen ihrer Verlautbarung hingewiesen.

Die Türken vor Wien

Wer neuerlich zu einem Kreuzzug aufruft, rechnet damit, dass die Bilanz der Originalunternehmung verdrängt wurde. Die Kolonien im Nahen Osten konnten sich nur rund hundert Jahre lang und nur dank stetiger militärischer Unterstützung aus Europa behaupten, und Hunderttausende waren zu Tode kommen, als sich die letzen Bekreuzten einschiffen mussten. Die milites Christi unterdrückten die orientalischen Christen, führten Krieg gegen das oströmische Reich und schwächten es derart, dass die Feinde Christi am Ende leichtes Spiel hatten. 1453 trat die Situation ein, die Papst Urban zur Begründung des ersten Feldzugs beschworen hatte: Die Truppen des osmanischen Sultans Mehmed II. eroberten Konstantinopel. Und 1683 standen die Türken vor Wien.

Clash of Civilisations

Die Kreuzzüge sind nicht als komplettes Desaster im westlichen Bewusstsein angekommen. Wenn ein amerikanischer Präsident zu einem Kreuzzug aufruft, kann er davon ausgehen, dass die meisten US-Bürger zumindest kein Problem damit haben. Andere erschrecken. Was muslimische Schüler in ihren Büchern über das Massaker von Jerusalem und die Feudalregimes im Nahen Osten lesen, ist nicht übertrieben. Die Prediger eines heiligen Krieges gegen den Westen brauchen nicht viele Worte zu machen, wenn sie daran erinnern.

Eroberung geplant, Plan unterschlagen

Noch im Jahr 2004 wird viel gerätselt, ob es der US-Regierung nur um Öl geht. Amtliche Dokumente, die auf schnöde Habgier hinweisen könnten, unterliegen natürlich der Geheimhaltung. Nachdem erkennbar wurde, dass der irakische Diktator die Heimtücke besaß, seine Massenvernichtungswaffen vernichten zu lassen, behauptet Präsident Bush, es sei von Anfang an um gute Sachen gegangen, etwa Demokratie und Menschenrechte. Viele tote Zivilisten, Trümmer, Chaos, Widerstand - aber Motto, wir wollten nur das Gute. Das wird auch gern den Original-Kreuzzügen nachgesagt, zum Beispiel im Rahmen einer überaus erfolgreichen Ausstellung in Mainz. Kardinal Lehmann ließ dazu wissen, die Ursprünge der Kreuzzüge seien religiös gewesen, räumt aber ein, politische und ökonomische Kräfte hätten sie instrumentalisiert. Erst fromm, dann schlimm, ist die heute vorherrschende Sichtweise. Auch sie wird durch eine Unterschlagung möglich, die gründlichste von allen. Die Betreiber haben ihr Hauptmotiv nämlich durchaus zu Protokoll gegeben. Es handelt sich um ein kirchliches und damit rechtsverbindliches Dekret. Fulcher von Chartres, der kenntnisreichste Zeitzeuge hat es überliefert:

Auf dem Konzil zu Clermont... wurde mit einmütigem Beifall dekretiert, dass jede Stadt jenseits des Meeres, die den Heiden entrissen werden kann, für immer ohne Widerspruch behalten werden soll.

Der einzige Text, in dem ein Kriegsziel amtlich festgehalten wird, ist nicht einmal durch eine auf Fulcher hinweisende Fußnote in der Geschichtsschreibung angekommen.

Die Gräuelpropaganda kompakt

Wie für den ersten Feldzug geworben wurde, vermitteln vor allem diverse Versionen einer Rede, die Papst Urban gehalten haben soll. Ab 1106 leiten die meisten Chronisten und Historiker ihre Erzählung mit einem solchen Aufruf ein. (Der Kreuzzugs-Lesestoff war natürlich sehr gefragt.) Die neuerliche Geschichtsschreibung erwähnt die Aufrufe nur, unterschlägt aber Wortlaut und Tenor, nämlichen diesen:

Die Türken vergewaltigen junge Christinnen, die Mütter müssen dazu schmutzige Lieder singen, sie beschneiden junge Männer und gießen das Blut in Taufbecken, sie reißen die Därme bei lebendigem Leibe heraus und metzeln alle Christen nieder. Sie zerstören die Kirchen, besudeln sie mit Kot und verwandeln sie in Bordelle.

Vor dem ersten Irak-Feldzug (Oktober 1990) trat die 15 Jahre alte Tochter des kuwaitischen Botschafters als Krankenschwester im Kongress auf und erzählte, irakische Soldaten hätten in Kuwait in einem Krankenhaus Frühchen aus ihren Brutkästen gerissen und auf dem Boden liegen lassen - on the cold floor to die. Alle Medien gaben das unkritisch weiter, bis jemand auf die Idee kam, in diesem Krankenhaus nachzufragen. Das Gespür für Propaganda ist offensichtlich unterentwickelt, der Nutzen entsprechend groß. Um Abgeordnete und Bevölkerung für einen Feldzug zu gewinnen, spannte die Regierung für ein Honorar von mehr als 10 Millionen Dollar die PR-Agentur Hill & Knowlton ein.

Das aktuelle Böse

Der neuerdings im Westen entdeckte Unwesen, der Feindliche Kombattant oder Terrorist kann nach der Abstemplung zum Schlimmsten der Schlimmsten (Prof. David Cole) mit Billigung der Mehrheit im US-Gewahrsam wie ein Gesetzloser behandelt werden.

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(1) Wir wären gern die Guten

Kreuzzug
klingt selbstlos

Die Bezeichnung Kreuzzug für eine Militärexpedition soll dem Publikum vormachen, es seien überwiegend ideelle Motive im Spiel. Die Propagandisten des Projektes haben sie eingeführt, als sich um 1200 die materiellen zu deutlich abzeichneten. Die abendländischen Fachgelehrten haben dann die Rede vom Kreuzzug so ungebrochen weiter geführt, als käme ihnen die mitklingende Beschönigung durchaus gelegen. Da die Kreuzzüge nur so genannt jedermann bekannt sind, kommt man nicht immer umhin, sie auch so zu nennen. In den frühen Texten ist auch noch nicht von Kreuzrittern oder Kreuzfahrern die Rede, sondern meistens von milites Christi oder peregrini (Pilgern).

Tenor heute: Ausgang ungünstig, aber gute Absichten

Den Kreuzzügen ein Loblied zu singen, war mit dem Verlauf und Ausgang nicht vereinbar. Ebenso wenig wie dieser Eintrag ins abendländische Lexikon:

Der Kreuzzug führte zur Befreiung der orientalischen Christen vom Joch ihrer türkischen und arabischen Unterdrücker.

Das war im Jahr 1095 eines der propagierten Kriegsziele. Die abendländischen Historiker greifen nur dieses selbstlos klingende heraus und geben es ohne kritische Überprüfung an ihre Leser weiter. Das Scheitern räumen sie natürlich ein, aber erinnert wird offenbar überwiegend, dass gute Absichten vorlagen. Jedenfalls konnten die beiden Bushs ihre Feldzüge als Kreuzzüge ausgeben, ohne die Mehrheit ihrer Adressaten in den USA zu erschrecken. Das Kreuz als Gütesiegel, nach wie vor. Die Präsidenten und seine Berater gingen offensichtlich davon aus, dass die Mehrheit vom Charakter und der Bilanz der Originalunternehmung keine Ahnung hat.

Propaganda infiziert die Geschichtsschreibung

In einem ständig Krieg führenden Europa waren nüchterne Bilanzen von Kriegen natürlich nicht gefragt. Die Obrigkeiten erwarteten von ihren Historikern, dass sie ihre Kriege rechtfertigen, und nicht kritisierten. Aber auch der modernen Geschichtsschreibung ist es offensichtlich nicht gelungen, ein tief in der abendländischen Befindlichkeit verwurzeltes Bild zu korrigieren. Das Bild vom edlen Ritter oder einfachem Pilger, der frommen Herzens für die Christenheit ins Feld zieht, ihre Feinde niederwirft und vom besudelten Grab des Herrn verjagt. Es ist exakt das Bild, dass die Propagandisten des ersten Kreuzzuges verbreitet haben. These also: Nicht der Verlauf des Feldzuges, sondern die Propaganda für ihn dominiert das Geschichtsbild. Und zwar mehr oder weniger unterschwellig auch bei modernen Historikern, in Schulbüchern und in Nachschlagewerken.

Kreuzzugspropaganda und Kolonialismus

Die Propaganda für die Kreuzzüge hat eine Doktrin tief im abendländischen Bewusstsein verankert: Heiden sind rechtlos, alles Land, das von ihnen bewohnt wird, gehört den rechtgläubigen Christen. Im Nahen Osten war es schief gegangen, aber die im Süden und Westen entdeckten Wilden waren praktisch wehrlos. Sofern sie die Begegnung mit den Kolonisten überlebten, waren auch sie ihr Land los, ihre Habe und das Eigentum an ihren Körpern. Die Rechtfertigung wurde allerdings durch Versprechungen modernisiert: Rettung der Seelen. Nächste Ergänzung des verlautbarten Angebots, schon in der sogenannten Moderne: Die Segnungen der Zivilisation. Und so geht es weiter, immer zeitgemäß. Wenn es mit Demokratie und Menschenrechten diesmal ehrlich gemeint wäre ...

Über Quellen und Augenzeugen

Für den Verlauf der Feldzüge sind Berichte der Augenzeugen die einzigen Quellen für spätere Historiker. Besonders zuverlässig sind sie nicht. Die mitreisenden Chronisten fügten Propagandatexte ein, schrieben bei Kollegen ab, ließen Wunder geschehen, gaben Visionen als reales Geschehen wieder und lassen Jesus und alle möglichen Heiligen zu Wort kommen. Auch über konkrete Sachverhalte bedienen sie die Nachwelt mit voneinander abweichende Versionen. Spätere Historiker entscheiden dann für den Leser, was sie für wahr halten und wiedergeben, und was sie weglassen. Das ginge ja noch, wenn sie ihr Publikum über die Problematik der Quellen und ihre Wahrheitskriterien aufklären würden. Die Frage, woher weis der Autor das, wird in der Schule ja auch nicht geübt.

Was stimmt? Es gibt Kriterien

Sachverhalt: Eine Mauer wird gestürmt. Wenn nur ein Bericht darüber vorliegt, sollte es eigentlich immer heißen: Laut ... wurde die Mauer gestürmt, 15 Mann kamen dabei um. Lässt ein Augenzeuge 10 Mann umkommen, ein zweiter 30, sollte man nicht kompilieren, es seien 20 Tote angefallen. Als ziemlich sicher gelten kann in diesem quellentechnisch günstigen Fall, dass die Mauer gestürmt wurde. Bei der Erstürmung der Mauer starben laut ... und laut ... Wenn also mehrere voneinander unabhängige Berichte vorliegen, können die Übereinstimmungen als Sachverhalt betrachtet werden. Subtiler ist ein weiteres Kriterium. Die Chronisten berichten auch Ungünstiges über die kolonisierende Christenschar, über Taten, die auch nach damaligen Vorstellungen als verwerflich galten. Warum aber haben sie es nicht einfach verschwiegen? Ein Motiv ist ihre Erklärungsnot im Fall von militärischen Niederlagen. Wenn Gott die Hand nicht schützend über seine Heerscharen hielt, konnte es nur an deren Sündhaftigkeit liegen. Die Sünden mussten auch benannt werden, als Klage über Grausamkeit, Unkeuschheit, Habgier und Wohlleben ihrer Mitreisenden. Die Chronisten wussten auch, dass ihre Leser darob nicht überrascht sein würden.

Das Feinbild erlaubt allerhand

Natürlich billigen Christen nicht, wenn Christen wehrlose Menschen abschlachten. Warum beschreiben die Augenzeugen dann aber, wie Christen Wehrlose abschlachten? Weil wehrlos ja, jedoch keine Menschen, sondern Feinde Gottes, barbarische Heiden etc. Daher konnten sie schreiben, was sie gesehen hatten. Auch wenn es absurd klingt, die Propaganda erlaubt nicht nur die Taten, sondern auch ehrliche Frontbilder. Im Jahr 2003 durften Kameraleute gedemütigte Männer in Käfigen drehen, Gefangene mit Tüten auf dem Kopf, oder wie Frauen herumgezerrt und befingert werden. Terroristen halt.

Nachprüfung an Hand der Quellen möglich

Diese Buch besteht überwiegend aus selten oder nie zitierten Quellentexten. Zitiert wird aus Propagandazirkularen, Dekreten, Briefen, Berichten von Augenzeugen der Feldzüge und ersten Kompilationen durch zeitgenössische Chronisten. Und was die Geschichtsschreibung daraus machte: Zitate aus dem 20. Jahrhundert. (Fachbücher, Lexika, Bilder etc).

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(2) Aus Propaganda wird historische Wahrheit

Bildungsgut

Neuzeitlich werden der Verlauf und der Ausgang der Kreuzzüge eher als Desaster beschrieben. Was Motive und Legitimation betrifft, werden aber weiter die Verlautbarungen der Initiatoren der Unternehmung fortgeschrieben. Motiv: Beistand für die christlichen Brüder im Osten. Legitimation: Ein Hilfeersuchen des oströmischen Kaisers Alexios. Auf einen Nenner gebracht: Wenigstens was die Absichten betraf, braucht sich der christliche Westen nicht zu schämen.

BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE, Mannheim 1990:

Kreuzzug. Auf der Synode von Clermont rief Papst URBAN 11. am 27.11. 1095 die Christenheit zum >heiligen Krieg< gegen den Islam auf, als Antwort auf Hilferufe des byzantin. Kaisers gegen die türk. Seldschuken. .

MEYERS GROSSES KONSERVATIONSLEXIKON, Leipzig 1905:

Als Palästina 1076 unter die Herrschaft der Seldschuken geriet, geriet, begannen harte Bedrückungen, so dass seitdem die traurigsten Nachrichten über die Entweihung der heiligen Orte und Misshandlungen der Pilger nach dem Abendland kamen, während zugleich auch Kaiser Alexius I. um Hilfe gegen die gegen die Seldschuken bat.

Der Star unter den englischen Historikern
Steven Runciman:

Unter den Besuchern, die dem Konzil beiwohnten, waren Abgesandte des Kaisers Alexios ... Die byzantinischen Botschafter wurden gebeten, sich an die Versammlung zu wenden. Ihre Reden sind nicht erhalten ... Die Bischöfe waren beeindruckt und der Papst war es auch.

Kein Zitat, keine Erörterung der Glaubwürdigkeit. Auf dergleichen verzichtet auch der hoch angesehene und ebenso einflussreiche Hans Eberhard Mayer, das Thema betreffend der kenntnisreichste deutsche Historiker.

Als Urban II. Im März 1095 ein Konzil in Piacenza abhielt, fügte es sich, dass auch Gesandte des byzantinischen Kaisers zugegen waren, die darauf hinwiesen, wie willkommen Alexios westliche Söldner sein würden ... Man hat die Stelle bei Bernold von Konstanz heftig angefeindet, aber nie ernstlich widerlegt.

Im Streit der Parteien

Die Stelle ist die einzige Beleg für das zitierte Hilfeersuchen. Wie problematisch die Quelle ist, erkennt man nur, wenn man sie zitiert. Der Chronist Bernold von Konstanz ergreift nämlich ganz offen Partei für das politische Lager von Papst Urban. Bernold:

Um diese Zeit hatte der Papst durch die Hilfe Gottes und des hl. Petrus so sehr überall die Oberhand erlangt, dass er inmitten der Lombardei in der Stadt Piacenza umgeben von den Schismatikern gegen sie eine Synode ansagen konnte, zu der er die Bischöfe von Italien, Burgund, Frankreich, Alemannien, Bayern und anderen Provinzen berief ...

Die Schismatiker, das waren Kaiser Heinrich der IV. und die mit ihm verbündeten Bischöfe. Angespielt wird auf den Investiturstreit, der nicht nur die Kirche spaltete. Das Recht, die Bischöfe einzusetzen war für die Macht- und Geldverteilung im Reich von entscheidender Bedeutung. Ab 1075 machten sich König Heinrich IV. und Papst
Gregor VII. vor allem dieses Recht mit Entschiedenheit streitig. Beide Parteien agierten mit allen verfügbaren Mitteln: Propagandistischen, diplomatischen, rechtlichen und militärischen. Aus der jeweiligen Sicht unbefugt, enthoben sich die Kontrahenten sogar gegenseitig ihrer Ämter. Der Konflikt verlor auch dem Tod von Papst Gregor nicht an Schärfe. Ein Umstand, den Fulcher von Chartres, Chronist und Augenzeuge des 1. Kreuzzuges, schon mit dem ersten Satz seiner Chronik anspricht:

Im Jahr 1095, als der sogenannte Kaiser Heinrich in Alemannia und König Philipp in Frankreich regierten, gab es viele Übel in ganz Europa durch mangelnden Glauben. Über die Kirche herrschte Papst Urban II.

Nur über einen Teil der Kirche. Im Jahr 1080 hatte eine mit Heinrich verbündete Bischofgruppe einen gewissen Wibert zum Papst erhoben. Dieser wiederum krönte dann als Klemens III
. im Jahr 1084 Heinrich zum Kaiser. Daher schreibt Fulcher: Sogenannter Kaiser. Urban II. war der Papst der Gregor-Partei. Und Fulcher, ein Parteigänger Urbans, war mit dessen Politik vertraut und billigte sie offensichtlich. Er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Der Teufel, stets bemüht den Menschen zu schaden und wie ein Löwe auf Beute aus, bot gegen Urban zur Verwirrung des Volkes einen Gegner namens Guibert auf. Dieser vom Hochmut aufgestachelten Mann hatte mit Unterstützung des bayrischen Kaisers schon begonnen, sich das apostolische Amt anzueignen, als Gregor es noch rechtmäßig auf dem heiligen Stuhl saß und schloss diesen von der Schwelle zur Basilika des heiligen Petrus aus.

Bernold schreibt, das Konzil in Piacenza sei gegen die Schismatiker einberufen worden. Seine Aufgabe war es, die Kunde darüber zu verbreiten. Er wurde ihr auch gerecht.

Es kamen ungefähr 4.000 Kleriker und 30.000 Laien zusammen ... Tatsache ist auch, dass eine so große Menschenmenge zusammenströmte, dass sie keine dortige Kirche aufnehmen konnte. Daher musste der Herr Papst außerhalb der Stadt auf freiem Feld zelebrieren ...

Die Formulierung Bernolds löst ein Problem

Kaiser Heinrich verweigerte Urban die Anerkennung als Papst. Das Manko konnte nur der zweite römische Kaiser beheben. Alexios hätte sich durch seine Gesandten nicht persönlich an Urban gewendet, sondern an Papst Urban. Bernold formuliert in dieser Hinsicht sehr präzise.

Ebenso kam eine Gesandtschaft des Kaisers von Konstantinopel zu dieser Synode, die den Herrn Papst und alle Gläubigen Christi demütig anflehte, ihm gegen die Heiden eine noch so kleine Hilfe zur Verteidigung der heiligen Kirche zu bringen. Die Heiden hätten sie in jenen Gebieten schon beinahe zerstört, die sie bis zu den Mauern Konstantinopels besetzt hielten. Zu dieser Hilfeleistung flehte der Papst viele Leute so an, dass sie ihm sogar mit einem Eide versprachen, mit Gottes Hilfe dorthin zu ziehen ...

Hans Eberhard Mayer schreibt zwar, dass die Stelle angefeindet wurde, aber nicht warum. Sie ist dubios, weil sie falsche Formulierungen enthält. Kaiser Alexios war 1095 keineswegs auf eine noch so kleine Hilfe (aliquod auxilium) angewiesen und echte Gesandte hätten niemals irgendwen im Namen des Kaisers demütig angefleht (suppliciter imploravit). Ein solcher Auftritt hätte auch Kaiser Heinrich brüskiert, eben weil die symbolische Aussage eines solchen Ersuchens lautete: Ich, Kaiser Alexios erkenne dich als Papst an. Genau darum ging es aber Bernold, und der war der Sache Urbans sicher mehr verpflichtet als der Wahrheit. Aber auch wenn er tatsächlich den Auftritt einer Gesandtschaft beobachtet hätte, bliebe unklar, ob sie von Kaiser Alexios legitimiert war. Es wäre ein leichtes gewesen, oströmische Kleriker einzuladen und ein Hilfeersuchen aussprechen zu lassen. Solche Inszenierungen im Streit der Parteien waren nicht ungewöhnlich. Bei dieser Sachlage bedarf es mindestens einer zweiten Quelle, um solche Gewissheiten zu verkünden:

LEXIKON DER DEUTSCHEN GESCHICHTE, Körner, 1977:

Kreuzzüge. Äußerer Anlass für das Entstehen der K. war das Vordringen der seldsch. Türken in Kleinasien nach ihrem Sieg bei Mantzikert (Armenien) 1071 und dem dadurch verursachten Hilferuf aus Byzanz.

Nicht erwähnt wird ein Hilfeersuchen einer kaiserlichen Gesandtschaft:

* In den Briefen, die Urban in dieser Angelegenheit ausfertigen ließ.
* In den diversen Aufrufen (Papstreden), die alsbald verfasst werden.
* Von den Chronisten des Kreuzzugs.
* In den oströmischen Quellen.

Daher haben einige Historiker Zweifel angemeldet. Für solche Fälle steht der Zunft der Terminus umstritten zu Gebote. Aber nein. Aus offensichtlicher Propaganda wird eine historische Wahrheit.

WIKIPEDIA

Lässt die Gesandten des Kaiser nicht in Piacenza aufkreuzen, sondern in Clermont.

Vom 18. bis 28. November 1095 fand unter Vorsitz von Papst Urban II. eine Synode in der Kathedrale der französischen Stadt Clermont statt. Neben 182 Kardinälen, Bischöfen und Äbten aus Italien, Spanien und Frankreich war unter anderem eine byzantinische Gesandtschaft angereist.

LEXIKON FÜR THEOLOGIE UND GESCHICHTE, Herder, 1997:

Der erste K. Urban II. nahm ein Hilfeersuchen des byz. Ks. Alexios I. Komnenos z. Anlass, am 27.11. 11095 in Clermont. Unterstützung für die Christen des Ostens u. z. Befreiung Jerusalems aufzurufen.

DEUTSCHE GESCHICHTE, Bertelsmann 1987, Band 2, S. 316:

Als Papst Urban II ... im November 1095 mit zündenden Worten zur Befreiung Palästinas unter seiner Führung aufrief ... Seinen Entschluss hatte entscheidend ein Hilfeersuchen gefördert, das der griechische Kaiser Alexios Komnenos vor der Synode an ihn gerichtet hatte.

Leute von Fach fänden heraus, so sie sich bemühten, wie Kaiser Alexios reagierte, als ihm das Nahen der bekreuzten Westchristen gemeldet wurde:

Er fürchtete ihre Ankunft, weil er ihre unkontrollierten Leidenschaften kannte, ihren unsteten Charakter, ihren Wankelmut. Zu erwähnen sind auch die anderen Eigenschaften der Kelten und ihre unvermeidlichen Folgen: Ihre Geldgier zum Beispiel ...

So die Historikern Anna Comnena, die Tochter von Alexios, die folgerichtig weder ein mündliches noch ein schriftliches Hilfeersuchen erwähnt. Schlechte Erfahrungen hatte Alexios vor allem mit Herzog Robert Guiscard, dem weltlichen Schutzherrn und militärischem Arm von Papst Gregor VII. gemacht.

Feldzüge gegen Ostrom, ein Überblick

Herzog Robert Guiscard kam aus der Normandie, hatte mit seiner waffenerprobten Sippschaft in Süditalien oströmische Territorien an sich gebracht. 1059 belehnte Papst Nikolaus II. Robert Guiscard mit den Herzogtümern Apulien und Kalabrien. 1071 eroberten die Normannen Bari, den letzten oströmischen Stützpunkt in Italien. Im gleichen Jahr wurde das Heer Ostroms bei Manzikert in Anatolien von den türkischen Invasoren völlig aufgerieben. Die Sieger brachten eine Stadt nach der anderen an sich und waren schon fast bis Konstantinopel vorgerückt, als Alexios 1080 gelang, zum Gegenangriff überzugehen. Brüderliche Hilfe aus dem Westen blieb aus. Stattdessen überquerte im März 1081 eine Armee unter Führung von Herzog Robert Guiscard die Adria und landete in Epiros. Das Ziel, Konstantinopel, konnten sie nicht erreichen, weil die Truppen des Kaisers die Oberhand behielten. Eine zweite Invasion der Normannen im Herbst 1084 scheiterte unter ähnlichen Umständen. Bei beiden Feldzügen zur Abwehr der Normannen musste Alexios Truppen von der Front in Anatolien abziehen.

Hilfe vom ärgsten Feind?

Alexios musste annehmen, dass Papst Gregor das Vorgehen Roberts zumindest billigte und beide ein weiteres Vorrücken der Feinde Gottes in Kauf nahmen. Er wusste also, was er von der Gregor-Partei zu halten und zu erwarten hatte. Papst Urban war wie Gregor auf ein Bündnis mit Robert Guiscard angewiesen. Alexios wusste das. Urban um Truppen bitten konnte aus seiner Sicht nur bedeuten, Robert und seine Männer zu einem Besuch einzuladen Historiker, die Bernolds Auskunft für zutreffend halten, pflegen diese Erwägung nicht anzustellen. Hans Eberhard Mayer traut Bernold von Konstanz, aber nicht den Gesandten, die der Chronist auftreten lässt.

Offenbar übertrieben sie die gefährliche Lage des Reiches, so dass sich in den Kreisen der Kurie die Meinung bildete, dem byzantinischen Reich könne nur mit drastischen Mittel geholfen werden.

Mayer meint offensichtlich den Satz:

Die Heiden hätten sie (die Kirche) in jenen Gebieten schon beinahe zerstört.

Der Historiker hält das für eine Übertreibung, will er die Lage der Ostchristen den Quellen entsprechend anders einschätzt.

Es ist nicht nachzuweisen, dass die Türken die östlichen Christen unterdrückten, wie westliche Quellen und angeblich Urban II. behaupteten. In den eroberten Gebieten wurden Christen nicht anders behandelt, als es unter dem Islam immer gewesen war. Sie galten als unterworfene, aber den Schutz des islamischen Gesetzes genießende steuerpflichtige religiöse Minderheit mit begrenzter Kultfreiheit.

Das war in etwa die Lage, die auch die Augenzeugen des Feldzugs schildern. In den Städten bildeten die Christen noch immer die Mehrheit. Ob es die neunen Steuereintreiber es ärger trieben als vorher die kaiserlichen, ist leider noch nicht erforscht worden.

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(3) Unsere Brüder - Worte und Taten

Hilfe angesagt

Nach der Schlacht bei Manzikert 1071 teilte Papst Gregor VII. König Heinrich IV. mit, was er nun in die Wege zu leiten gedenke:

Bischof Gregor, Diener der Diener Gottes dem rühmlichen König Heinrich, Grüße und apostolischen Segen ... Die Christen jenseits des Meeres, die zum größten Teil durch unerhörte Gemetzel vernichtet wurden und täglich wie Viehherden abgeschlachtet werden, haben mir geschrieben und mich demütig gebeten, dass ich diesen unseren Brüdern in jeder Weise helfe, damit ... die christliche Religion nicht in unsren Zeiten völlig untergehe ...

Er habe zu einem Feldzug aufgerufen und 50.000 Mann seien bereit, unter seiner Führung nach Jerusalem zu ziehen ...

Ich bin besonders geneigt zu dieser Unternehmung, weil die Kirche von Konstantinopel, die von uns in der Frage des Heiligen Geistes abweicht, auf eine Verständigung mit dem apostolischen Stuhl hofft. Die Armenier ... und alle Ostkirchen warten auf eine Entscheidung des Glaubens des Apostels Peter über ihre verschiedenen Ansichten.

Vulgo, der Papst in Rom ist der Oberherr aller Christen und duldet keine abweichenden Lehrmeinungen. Gregor nennt die Ostchristen zwar Brüder, allerdings Brüder, die abweichen, die verschiedenen Ansichten haben. Er beschuldigt sie also der Häresie, und diese Beschuldigung enthält schon die Androhung, zwecks ihrer Ausrottung könne auch Gewalt angewendet werden. Offensichtlich plante Gregor, die Unterwerfung Ostroms mit einer Hilfsaktion zu verbinden, oder als solche zu tarnen. Im Prinzip war es der richtige Zeitpunkt, den Brüdern beizustehen, aber es passierte rein gar nichts. Auch in den nächsten Jahren nicht. 25 Jahre lang hat kein Papst auch nur angekündigt, er werde ein Hilfscorps nach Ostrom in Marsch setzen.

Die Lage der Brüder um 1080 und danach

Kaisertochter Anna Comnena:

Die gottlosen Türken waren in Sichtweite im Propontis-Gebiet und Suleiman beherrschte die Umgebung von Nikaia, wo sein Sultan-Palast war. Die ganze Gegend von Bithynia und Thynia war den Furagetrupps Suleimans ausgesetzt. Räuberbanden zu Pferd und zu Fuß plünderten bis Damalis und an den Bosporus. Sie machten große Beute und es fehlte noch, dass die den Meerarm überquerten. Die Römer sahen, wie sie ohne Furcht und unbelästigt in den Dörfern an der Küste und in heiligen Gebäuden wohnten.

Anna weiter: Obwohl die Landung der süditalienischen Normannen unter Robert Guiscard im Westen des Reichs bevorsteht, entschließt sich Alexios zur Offensive.

Alexios drängte den Feind bis weit hinter den Bosporus und verjagte sie aus den Distrikten von Bithynia und Thynia und den Grenzen von Nicomedia. Der Sultan sah sich gezwungen, um einen Waffenstillstand zu bitten. Alexios stimmte gern Verhandlungen zu, denn er war über die weitgehenden Ambitionen Roberts aus verlässlichen Quellen informiert.

Angriff statt Beistand

Im März 1081 landete dann das Aufgebot des Herzogs Robert Guiscard an der albanischen Küste. Das Ziel: Konstantinopel. Roberts Sohn Bohemund
, 16 Jahre später Anführer der Süditaliener beim Kreuzzug, war mit von der Partie. Damit befand sich Ostrom sich im Zweifrontenkrieg. Alexios mobilisierte die letzen Reserven, um die Invasoren zu vertreiben. Im April 1081 schleuderte Gregor den Bannspruch gegen Alexios. Kaiser Alexios muss die Ostfront entblößen. Seine Tochter Anna Comnena:

Alexios wusste, dass das Reich in den letzen Zügen lag. Der Osten wurde schrecklich von den Türken verwüstet, der Westen befand sich in schlimmer Lage. Robert ... rüstete sich auf entsetzliche Weise für die Schlacht gegen das Reich ... Die Römer hatten kaum noch Truppen ... Im Staatsschatz gab es kaum noch Geld, um ausländische Verbündete zu gewinnen ... Alexios wandte sich an alle Gouverneure des Ostens, die sich in ihren Festungen und Städten den Türken tapfer Widerstand leisteten ... Er sandte ihnen Botschaften ... in der er ihnen die drohende Gefahr erläuterte und wies sie an, für die Sicherheit ihrer Provinzen zu sorgen und zu diesem Zweck genug Truppen zu hinterlassen, und mit dem Rest nach Konstantinopel zu eilen und möglichst viele körperlich geeignete Rekruten mitzubringen.

König Heinrich rettet Ostrom

Neben Heinrich IV. konnte Alexios Venedig als Bundesgenossen gewinnen In der ersten Schlacht im Oktober 1081 behielten Guiscards Mannen die Oberhand. Aber der Vormarsch ins Landesinnere in Richtung Konstantinopel geriet Anfang 1082 ins Stocken. Ursache war ein Brief von Papst Gregor, der des Beistand bedurfte. Der Chronist Frutolf, Prior des Klosters Michelsberg:

Im Jahr des Herrn 1081. König Heinrich zieht mit seinem Heer nach Italien und gelangt Pfingsten nach Rom. Da der Papst ihm mit den Römern Widerstand leistet, schlägt er sein Lager vor der Burg St. Peter auf ...

Heinrich wollte den Papst natürlich in seinem ureigenen Interesse ausschalten, aber der Nebeneffekt zum Nutzen von Kaiser Alexios war beträchtlich: Herzog Robert setzte tatsächlich mit einem Teil der Truppe nach Italien über. Sohn Bohemund übernahm das Kommando, aber vor Larissa an der Ostküste war Schluss mit der Landnahme, weil die Normannen gegen eine bunt gemischte Truppe unter Alexios unter die Räder gerieten. Nun zog sich auch Bohemund mit den Seinen nach Apulien zurück. Ostrom gerettet? Zunächst schien es so, zumindest gab es erst Mal die versprochene Belohnung für König Heinrich, der in Rom noch immer Papst Gregor bedrängte. Frutolf:

1083 Im Sommer ... trafen griechische Gesandte ein, die zahlreiche Geschenke aus Gold und Silber, an Gefäßen und Seidenstoffen mitbrachten.

Nächster Anlauf

Im Herbst 1084 überquerten 120 Schiffe unter dem Kommando des Herzogs und seiner vier Söhne die Adria. Eine Flotte aus Venedig lieferte ihnen vor Korfu drei Seeschlachten, gewann zwei, verlor aber die dritte. Nach der Landung brach im Lager der Normannen eine Seuche aus und verschonte auch die Anführer nicht. Bohemund begab sich schwer erkrankt auf die Heimreise und sein Vater raffte es im Juli 1085 auf Corfu dahin. Bohemund genas, musste aber seine Ostpläne einige Jahre zurückstellen, da es mehrerer Kriege bedurfte, um seinem Bruder Teile des väterlichen Erbes abzujagen. So konnte Alexios die Front in Anatolien stabilisieren. Laut Anna war er ziemlich erschrocken, als die Meldungen über den Anmarsch der Lateiner eintrafen. Wie sollte er auch auf die Idee kommen, ihre Einstellung zu Ostrom hätte sich geändert. Sie hatte sich nicht geändert. Beim Marsch durch oströmisches Territorium auf dem Balkan kam es dann auch prompt es zu schweren Übergriffen auf die griechischen Brüder. Nach der Vertreibung der türkischen Invasoren aus Ost-Anatolien, werden einige lateinische Anführer dort die Herrschaft übernehmen, anstatt Land und Städte an Ostrom zurückzugeben. So auch Bohemund, der sich 1098 zum Oberherrn des Fürstentums Antiochia erheben wird.

Brüder in Christo ausrotten

Ein Bemühen Gregors, den Brüdern im Osten zu helfen, lässt sich also beim besten Willen nicht ausmachen. Auch in den überlieferten Briefen und Aufrufen Papst Urbans ist von einer Hilfeleistung die Rede. Ob er es ernst meinte, wissen wir nicht. Aber was die politische Klasse, der er angehörte, von den Brüdern hielt, ist überliefert. Fulcher von Chartres zitiert in seiner Chronik ein Schreiben, das die Anführer des Feldzuges nach der Inbesitznahme mehrer Städte in Kleinasien im September 1998 an Papst Urban richteten.

An der verehrungswürdigen Herrn Papst Urban, von Bohemund, Graf Raimund von St. Gilles, Herzog Gottfried von Lothringen ... Wir wünschen und wollen dir Kunde zu geben, dass durch die große Gnade Gottes und seinen offenkundigen Beistand Antiochia eingenommen wurde ... Wir haben die Türken und Heiden überwunden, aber die häretischen Griechen und Armenier, Syrer und Jakobiten konnten wir nicht überwinden. Daher tragen wir dir auf und nochmals auf, dass du geliebter Vater, als Vater und Oberhaupt auf den Platz deines Vorgängers kommst ...

... gemeint ist der Patriarchenstuhl von Antiochia, nach Auslegung der Kirche vom Apostel Petrus gegründet ...

... und die Häretiker aller Art mittels deiner Autorität und unserer Stärke ausrottest und zerstörst. (eradices et destruras).

Auch bei den Chronisten des Feldzuges ist nie von geliebten Brüdern in Christo die Rede, sondern von Ketzern, Verrätern, Feiglingen. Wie Urban auf das Schreiben reagierte, ist nicht überliefert. Sein Nachfolger hat dann ein paar Jahre später tatsächlich den Feldzug Bohemunds gegen Ostrom kirchlich abgesegnet.

1095: Alexios Lage konsolidiert.

Worte und Taten belegen also, dass die Ostpolitik der Gregor-Partei nicht vom Mitgefühl für die griechischen Brüder bestimmt war. Deren Lage war vor 1081 verzweifelt, dann aber nicht mehr. Anna Comnena:

Alexios drängte den Feind bis weit hinter den Bosporus und verjagte sie aus den Distrikten von Bithynia und Thynia und den Grenzen von Nicomedia. Der Sultan sah sich gezwungen, um einen Waffenstillstand zu bitten ...

Ein Friedensvertrag legte den Fluss Drakon als Grenze fest. Die Sultane hatten im Folgenden Händel untereinander, Alexios mit Feinden ringsum. So war es an dieser Front relativ ruhig, auch 1095, in dem Jahr also, als er um Beistand ersucht haben soll.

1095: Urbans Lage prekär

Als Papst Urban im Jahr 1095 die westlichen Feudalherren zu den Waffen rief, war nicht Alexios in Bedrängnis, sondern er. In Rom regierte nämlich noch immer sein Rivale Klemens als Papst mit der Autorität, die ihm der Stuhl Petri verlieh. Ein Manko, das Fulcher so formuliert:

Solange Urban von seiner Kirche ausgeschlossen war, reiste er durch die Provinzen und versöhnte das in wichtigen Dingen abtrünnige Volk wieder mit Gott.

Fulcher behauptet König Heinrich hätte Papst Gregor aus Rom vertrieben. Das ist allenfalls die halbe Wahrheit. Tatsächlich war es so. Von Heinrichs Aufgebot bedrängt, machte Gregor 1084 den Fehler, Herzog Guiscard um militärischen Beistand zu bitten. Die Normannen legten sich nicht mit der Gefolgschaft Heinrichs an, sondern tobten plündernd durch die Stadt. Folgerichtig ergriffen die Bürger nun die Partei Heinrichs, worauf sich Gregor nach Salerno absetzte, wo er kurz darauf verschied. Die Bischöfe der Gregor-Partei mussten sich im Jahr 1088 auf dem süditalienischen Territorium Robert Guiscards versammeln, um Urban zum Papst zu erheben. Dessen vordringlichstes Problem war es natürlich, in Rom Fuß zu fassen und die Klemens-Partei auszuschalten. Aber wie? Da die Streitkräfte Roberts sich in Rom bis auf weiteres nicht sehen lassen konnten, kamen nur unbelastete Militärs in Frage. Etwa französische Feudalherren im Rahmen einer gemeinsamen Unternehmung. Ratsam war also ein Konzil in Frankreich. Fulcher zählt eine ganze Reihe von plausiblen Gründen auf, den Feldzug zu initiieren. Einen teilt er indirekt mit:

Urban aber kam in jenem Jahr, da die Franken auf ihrem ersten Jerusalemzug durch Rom kamen, erst in den vollen Genuss der apostolischen Macht.

Das heißt, Klemens III. musste die Engelsburg räumen, seine letzte Bastion in Rom

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(4) Die politische Agenda des Konzils von Clermont

Gott will es

Anerkanntes Bildungsgut: Dramatischer Aufruf. BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE, Mannheim 1990:

Kreuzzug. Auf der Synode von Clermont rief Papst URBAN 11. am 27.11. 1095 die Christenheit zum >heiligen Krieg< gegen den Islam auf, als Antwort auf Hilferufe des byzantin. Kaisers gegen die türk. Seldschuken. Die Kreuzpredigt des Papstes, der sich vom K. auch eine Wiedervereinigung der christl. Kirchen unter röm. Primat erhoffte, fand begeisterten Widerhall (>Gott will es<). Die Kampfbereiten hefteten ein rotes Kreuz auf die Schulter, leisteten den Kreuzfahrereid und erhielten Nachlass der kanon. Bußstrafen.

Da wissen die Brockhaus-Redakteure wesentlich mehr als die Augenzeugen und andere zeitgleich schreibenden Chronisten.

Echo schwach, Kenntnisse vage

Der Chronist Ekkehard von Aura beginnt seinen Bericht ein paar Jahre später so:

Bewegt riefen der Papst und die ganze römische Kirche ein allgemeines Konzil an der spanischen Grenze oder, wie einige sagen, in Paris ein und er gelangte mit Mühsal dorthin.

Der anonyme Autor der Gesta Francorum hat am Feldzug teilgenommen. Er nimmt an, der Papst sei mit seinem italienischen Gefolge nach Frankreich gezogen. Wohin genau weiß er nicht.

Die Gemüter waren in ganz Gallien heftig bewegt, so dass jeder mit Herz und Verstand den Wunsch hatte, Gott zu folgen und getreu das Kreuz zu tragen, und unverzüglich den Weg zum Heiligen Grab einzuschlagen. Sogar der Papst begab sich mit seinen Erzbischöfen, Bischöfen, Äbten und Priestern über die Alpen und predigte mit Scharfsinn ...

Demnach hätte sich Urban quasi nur an die Spitze einer existierenden Bewegung gesetzt. Denkbar, aber nicht ausreichend belegbar. Besonders gut informiert ist der Anonymus nicht. Er lässt den Papst drei Sätze sagen, aus denen aber nicht hervorgeht, worum es bei dem Feldzug geht.

Wer immer seine Seele zu retten wünscht, möge demütig den Weg des Herrn einschlagen. Wem es am Geld mangelt, dem wird durch göttliche Gnade gegeben. Brüder, ihr müsst für den Namen Christi viel erleiden, Elend, Armut, Nacktheit, Verfolgungen, Not, Krankheit, Hunger, Durst und andere Unbill. Denn der Herr sprach zu seinen Jüngern: Ihr müsst viel erleiden in meinem Namen ...

Der Anonymus dürfte als Kleriker Latein gelernt haben, nahm aber als Berufskrieger teil. Zum Mittel der wörtlichen Rede greift er gern, wie alle Augenzeugen. Sie lassen alle möglichen Heiligen und sogar Jesus auftreten und geben die ermunternden Worte wieder, die sie an die Pilger richten. Die beschriebene Unbill hat er selbst erlebt.
.
Kein Aufruf erwähnt

Raimund von Aguilers, Chronist des ersten Feldzuges, beendet seine Niederschrift spätestens 1102. Er erwähnt weder ein Konzil noch einen Aufruf. Der Chronist Lambert von Arras:

Auf dem Konzil von Clermont, das Papst Urban II. abhielt, waren mit ihren römischen Kardinälen XIII Erzbischöfe, CCXXV, Äbte XC & zahlreiche Würdenträger & Religiöse aus verschiedenen Regionen & Kleriker aus der Provinz & Laien.

Keine Rede, kein Aufruf. Bei Lambert kommt der Feldzug nur in diesem Dekret zu Sprache:

Wer nur aus Frömmigkeit, und nicht zur Erlangung von Ehre oder Geld zur Befreiung der Kirche Gottes nach Jerusalem gegangen ist, dem soll die Reise auf jede Buße angerechnet werden.

Laut Bernold von Konstanz hat Urban ja schon auf dem Konzil von Piacenza im März 1095 zu einem Feldzug aufgerufen.

Zu dieser Hilfeleistung flehte der Papst viele Leute so an, dass sie ihm sogar mit einem Eide versprachen, mit Gottes Hilfe dorthin zu ziehen.

Die allgemeine Geschichtsschreibung bevorzugt indessen den Aufruf von Clermont. Also Hilfeersuchen in Piacenza ja, Aufruf in Piacenza nein. Obwohl Bernhold den Papst vor einer großen Menschenmenge auftreten lässt:.

Es kamen ungefähr 4.000 Kleriker und 30.000 Laien zusammen ... Tatsache ist auch, dass eine so große Menschenmenge zusammenströmte, dass sie keine dortige Kirche aufnehmen konnte. Daher musste der Herr Papst außerhalb der Stadt auf freiem Feld zelebrieren ...

Dem Konzil in Clermont widmet Bernold nur ein paar Sätze, in denen weder ein Aufruf noch eine Rede erwähnt werden.

In Gallien in Clermont ... hielt der Papst eine Generalsynode ab, an der dreizehn Erzbischöfe mit ihrem Anhang und zweihundertfünfzig Bischöfe teilnahmen. Auf dieser Synode bestätigte der Papst die Dekrete Synode von Piacenza ...

Fulcher von Chartres:

Dieses Konzil war gemäß der Ordnung durch Boten in alle Richtungen angekündigt worden und bestand aus 310 Bischöfen und Äbten. Am verabredeten Tag versammelte Urban sie um sich.

Fulcher von Chartres Bericht exklusiv

In den ersten Meldungen vom Konzil in Clermont wird weder Gott will es gerufen, noch ist vom Aufnähen irgendwelcher Kreuze die Rede oder von einer begeisterten Menge im Freien. Solche Szenen kommen auch im Bericht des Chronisten Fulcher nicht vor. Es ist der einzige von den uns vorliegenden, in dem der Verlauf des Konzils und behandelte Themen ausführlich geschildert werden. Fulcher hat am Feldzug teilgenommen und beginnt um 1106 in Palästina mit der Abfassung seiner Chronik. Er tut so, als habe er am Konzil in Clermont teilgenommen, behauptet es aber nicht. Sein Bericht über das Konzil ist der einzige, der die politische Agenda von Papst Urban vorstellt.

Innere Krise

Er sah, wie alle den christlichen Glauben schwer beschädigten, wie Kleriker und Weltliche den Frieden missachteten, denn die Landesherren lagen ständig im Streit und führten Krieg gegeneinander. Er sah, wie sich die Leute gegenseitig bestahlen, wie zur Erpressung hoher Lösegelder Gefangene barbarisch in elende Löcher geworfen wurden, wo sie unter Hunger, Durst und Kälte litten und heimlich umgebracht wurden. Er sah, wie heilige Stätten verschandelt wurden, Klöster und Landhäuser in Flammen aufgingen, und nichts Sterbliches Schonung fand, allem Menschlichen und Göttlichen zum Hohn.

Um Abhilfe zu schaffen, hatte schon das Konzil von Piacenza eine ganze Reihe von kirchenrechtlichen Verordnungen erlassen. Das Konzil von Clermont bestätigte diese Dekrete und beschloss weitere. Zumindest eine Auswahl der Bestimmungen teilt Lambert von Arras in seiner Chronik mit.

Wer einen Bischof gefangen nimmt und einkerkert, verfällt ewiger Infamie und darf keine Waffen mehr tragen.

Die Mönche, Kleriker und Frauen und deren Begleiter genießen an jedem Tag die Wohltat des Gottesfriedens. In Betreff anderer Personen ist der Gottesfrieden nur gebrochen, wenn sie an den vier Tagen von Donnerstag bis Sonntag angegriffen werden.

Die meisten Dekrete betreffen den Geschäftsbereich des Unternehmens. Was verboten wurde, war offensichtlich der Fall.

Niemand darf sich eine Kirchenstelle kaufen.

Ist der Altar
(eine Pfründe) einer bestimmten Person in einem Kanonikat oder Kloster verliehen worden, so fällt er nach dem Tode dieser Person an den Bischof zurück.

Niemand darf für das Begräbnis, für das heilige Öl und Chrisma etwas verlangen.

Kein Kleriker darf fortan in zwei Städten zwei Präbenden (Pfründen) erhalten. Niemand darf an einer Kirche zwei Ämter haben.

Kein Kleriker darf das Eigentum des Bischofs oder eines anderen Klerikers bei dessen Lebzeiten oder nach seinem Tode sich aneignen.

Fulcher zitiert die Dekrete nicht wörtlich, sondern fasst sie zu einer Ansprache des Papstes zusammen. Die direkte Rede war ein verbreiteter Kunstgriff. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen, der Chronist habe mitgeschrieben oder den Text memoriert..

Korruption und Vetternwirtschaft

Die kirchenfürstlichen Hofhaltungen erlitten durch den schwunghaften Privathandel mit Pfründen großen Schaden. Simonie, der Kauf von Kirchenämtern wurde so häufig beklagt wie heute Korruption, und mit ähnlichem Erfolg. Fulcher lässt Urban die diesbezüglichen Dekrete des Konzils so zusammenfassen:

Lasst besonders den Kirchenbesitz fest in seinen Rechten stehen, dass auch keinesfalls die Ketzerei der Simonie bei Euch Wurzel fasst; tragt Sorge, dass Verkäufer wie Käufer von Kirchenämtern von den Ruten des Herrn durch die enge Pforte elend ins Verderben der Verwirrung getrieben werden. .

Fulcher zitiert das Dekret zum Gottesfrieden beinahe wörtlich, legt es aber ebenfalls dem Papst in den Mund.

Wer einen Bischof gefangen nimmt, soll als Gesetzloser behandelt werden. Wer Mönche, Kleriker, Nonnen oder deren Diener gefangen nimmt oder ausraubt, oder auch Pilger und Kaufleute, soll in Bann geschlagen werden. Räuber und Brandstifter, sowie deren Spießgesellen, sollen aus der Kirchengemeinschaft ausgestoßen und in Bann geschlagen werden.

Welt im Chaos, Strassen unsicher

Fulcher lässt den Papst sagen, was heuer jeder Reporter zu hören bekommt, wenn er auf der Straße Passanten über den Zustand der Welt befragt.

Wie ihr gesehen habt, geliebte Brüder, bringen die besagten Übel seit geraumer Zeit die Welt durcheinander und wie man berichtet, besonders in Teilen Eurer Kirchenprovinzen. Es liegt wohl an der Schwäche Eurer Rechtsausübung, dass sich kaum jemand sorglos auf die Strasse wagt. Am Tag herrscht Angst, Wegelagerern in die Hände zu fallen und nachts fürchtet man, mit Gewalt oder List ausgeraubt zu werden, draußen oder zuhause.

In Clermont wurde demnach verhandelt, was auf den Nägeln brannte: Innere Kriege und mangelnde Sicherheit, die Missstände innerhalb der Hierarchie sowie das Schisma der Kirche. Die entsprechenden Dekrete wurden erlassen. Gab es ein weiteres Heilmittel? Folgen wir Fulcher, hatte der Papst eins entdeckt: Die Verknüpfung der inneren Krise mit einer auswärtigen, die den christlichen Westen gar nicht unmittelbar bedrohte.

Der Feind steht im Osten

Fulcher schrieb eine Chronik über den Feldzug, logisch dass er Urban vor allem in dieser Sache nach Clermont reisen lässt:

Als er hörte, dass die Türken das Innere von Ostrom besetzt hatten und die Christen ihrem zerstörerischen Angriff ausgesetzt waren, wurde Urban von tiefen Mitleid bewegt, reiste über das Gebirge nach Gallien und berief in der Auvergne ein Konzil ein, das sich in Clermont versammeln sollte.

1095 plötzlich von Mitleid bewegt? Die Türken hielten hatten das Innere Ostroms seit 24 Jahren besetzt. Schon wegen regen Handelsbeziehungen trafen natürlich ständig Nachrichten über die Entwicklung bei den Regierenden im Westen ein. Seit Alexios 1081 die Lage stabilisiert hatte, gab es keinen Anlass zu Gefühlsregungen, mehr und es sind auch keine aktenkundig. Wahrheitsgemäß hätte Fulcher daher allenfalls schreiben können: Als im einfiel, dass die Türken ... Aber das macht tiefes Mitleid nicht glaubhaft. Nur: Als er hörte ... suggeriert Idealismus als Motiv. Nicht verschwiegen wird, dass es auch andere gab.

Das Schisma bedroht unmittelbar

Folgen wir Fulcher, hat sich Papst Urban zunächst innenpolitischen Problemen zugewendet. Die geschilderten Zustände belegen, dass die Reformbemühungen Papst Gregors gescheitert waren. Die von ihm die erlassenen Dekrete hatten auf Feudalherren und kirchliche Obrigkeiten offensichtlich keinen Eindruck gemacht. Das Konzil von Clermont griff zum selben Mittel, denn andere standen ihm nicht zu Gebote. Die Wirkung auf die damaligen Machthabenden muss ungefähr so groß gewesen sein wie Resolutionen der UN-Vollversammelung auf die heutigen. Was Papst Urban dringend brauchte, war die von Gregor angestrebte Machtfülle. Fulcher teilt ja auch mit, wer ihm dabei vor allem im Weg stand. Nämlich Kaiser Heinrich und sein Papst. Wie schon zitiert:

Der Teufel, stets bemüht den Menschen zu schaden und wie ein Löwe auf Beute aus, bot gegen Urban zur Verwirrung des Volkes einen Gegner namens Guibert auf. Dieser vom Hochmut aufgestachelten Mann hatte mit Unterstützung des bayrischen Kaisers schon begonnen, sich das apostolische Amt anzueignen, als Gregor es noch rechtmäßig auf dem heiligen Stuhl saß und schloss diesen von der Schwelle zur Basilika des heiligen Petrus aus.

Den beiden war mit Dekreten und dem üblichen Ränkespiel offensichtlich nicht beizukommen. Es bedurfte daher einer großen universellen Idee, die Papst Urban jene Rolle zuwies, die ihm seine Gegner streitig machten: Nämlich oberster Herr und Beschützer der ganzen Christenheit zu sein.

Das Reich Gottes in Gefahr

Nachdem alles zur Zufriedenheit geregelt worden war ... setzte er sogleich hinzu, dass eine noch größere und schlimmere Drangsal der Christenheit aus einem anderen Erdteil Schaden zufüge und sagte:

Ihr müsst Euren notleidendenden Mitbrüdern, die im Orient leben und schon oft um Unterstützung baten, schleunigst zur Hilfe eilen. Wie den meisten von Euch schon gesagt wurde, haben sich die Türken ausgebreitet bis zum Mittelmeer, das St. Georg-Arm genannt wird. Dieses Volk aus Persien hat die Länder der Christen bis zu den Grenzen des oströmischen Reiches mehr und mehr besetzt und sie in siebenfältigem Kampf besiegt, wobei viele getötet oder gefangen wurden, Kirchen zerstört worden sind und das Reich Gottes verwüstet wurde. Wenn Ihr sie weiter gewähren lässt, werden sie noch viel weiter die Oberhand über die Getreuen Gottes gewinnen.

Verjagt sie aus unseren Ländern

Nun lässt Fulcher den Papst zu Heerfahrt auffordern:

Deshalb bitte ich Euch demütig, nein, nicht ich, sondern der Herr: Drängt alle Leute jedes Standes, Reiter wie Fußsoldaten, Reiche wie Arme, dieses verbrecherische Volk aus unseren Ländern zu verjagen und den Christen rechtzeitig beizustehen.. Tut dies als Herolde Christi durch häufige Bekanntmachung. Das sage ich den Anwesenden, an die Abwesenden trage ich es auf, Christus aber befiehlt es.

Mit unseren Ländern ist sind die von Sultanen regierten Territorien Ostroms gemeint. Natürlich sahen die lateinischen Kirchenoberen den römischen Stuhl über die Ostkirchen gesetzt, und über beide Kaiser sowieso. Der vorgetragene Heilsplan, ist tatsächlich universell, denn er löst gleich mehrere Probleme.

Der äußere Feind und die innere Missstände

Wenn bei Aufrufen zu Feldzügen der Verdacht auftaucht, die Regierenden wollten nur von Missständen im Inneren ablenken, hagelt es in der Regel empörte Dementis. Da war Urban, zumindest laut Fulcher, ganz ungeniert. Seine Parole: Frieden schaffen durch Export der Waffenträger.

Gegen die Ungläubigen, sagt der Herr, sollen jetzt diejenigen zu einem Kampf ausziehen, ... die zuvor ihre Privatfehden missbräuchlich sogar gegen Gläubige auszudehnen pflegten. Wer eben noch ein Räuber war, soll jetzt Streiter Christi werden; wer früher gegen Brüder und Verwandte kämpfte, soll nun mit vollem Recht gegen Barbaren kämpfen. Wer eben noch für wenige Schillinge Söldner war, muss jetzt ewigen Lohn erwerben, wer sich zum Schaden für Körper und Seele abmühte, soll um doppelter Ehre willen sich mühen.

Fulcher lässt die Zuhörer relativ ruhig und unbewegt reagieren.

Nach diesen Worten waren die Zuhörer angenehm berührt und viele dachten, nichts sei erstrebenswerter und versprachen, sofort mitzugehen oder Abwesende ernstlich dazu zu bewegen. Nach der einmütigen Beschlussfassung über alle erwähnten Angelegenheiten und der Erteilung der Absolution reisten alle ab.

Ein paar Jahre später wurden weitere Papstreden verfasst, ohne erkennbar auf Fulchers Text zurückzugreifen. Von den späteren Versionen kamen viele Kopien in Umlauf, während Fulchers Chronik so gut wie keine Beachtung fand. Was war der Fehler? War sie zu anspruchsvoll? Zu wenig frömmelnd? Zu wenig aufwühlend? Ein. Manko jedenfalls: Die Kulisse war zu klein, die Szenerie zu karg, es wird nicht lauthals gejubelt und Gott will es wird nicht zum Schlachtruf bestimmt. Dazu kommt es erst in den späteren Versionen der Papstreden.

Himmlischer Lohn

Von der Kirche verhängte Bußstrafen wie der Ausschluss von den Sakramenten konnten gegen geldliche Zuwendungen oder andere Verdienste erlassen werden. Das Dekret von Clermont entspricht der theologisch abgesicherten damaligen Bußpraxis:

Wer nur aus Frömmigkeit, und nicht zur Erlangung von Ehre oder Geld zur Befreiung der Kirche Gottes nach Jerusalem gegangen ist, dem soll die Reise auf jede Buße angerechnet werden.

In der Werbung für den Feldzug wurde dann mehr versprochen, als das Kircherecht damals vorsah: Die Vergebung der Sünden. Dem so umworbenen und theologisch minder versierten Gläubigen tat sich damit die Aussicht auf, an den Pforten des Himmels gnädig empfangen zu werden. Fulcher lässt den Papst sagen, was in der in der allgemeinen Predigt inzwischen offenbar üblich war:

Allen jedoch, die dorthin gehen, wird die sofortige Vergebung der Sünden zuteil, wenn sie, sei es auf dem Marsch, bei der Überfahrt oder im Kampf gegen die Heiden, ihr Leben vorzeitig verlieren. Was ich den Abmarschwilligen gewähre, schenke ich so als von Gott Eingesetzter.

Fulcher ist wie gesagt der einzige Chronist, der den Verlauf des Konzils und die politischen Begründungen Papst Urbans schildert. Wie er zu seinen Informationen kam, teilt er nicht mit. Die aufgeführten Beweggründe sind plausibel und die geschilderten Zustände werden durch andere Quellen bestätigt. Fraglos kannte Fulcher die Dekrete des Konzils. Ein sehr wichtiges zitiert er fast wörtlich.

Ein Dekret zum Umgang mit eroberten Territorien

Auf dem Konzil zu Clermont ... wurde mit einmütigem Beifall dekretiert, dass jede Stadt jenseits des Meeres, die den Heiden entrissen werden kann, für immer ohne Widerspruch behalten werden soll.

Die Aneignung oströmischer Territorien war nicht unproblematisch, daher kam das Konzil nicht umhin, eine rechtliche Regelung zu treffen. Es war im Selbstverständnis der Kirche die einzige Instanz, die dazu befugt war. Die Feudalherren sollten wissen, wer die eroberten Länder als Lehen vergab. Nämlich die Kirche und nicht etwa der Kaiser in Konstantinopel. Fulcher war mit den milites Christi unterwegs, als das Dekret zur Anwendung kam. Es ist also folgerichtig, dass er es aktenkundig macht. Lambert von Arras zitiert es nicht, warum auch immer. Die Historiker nach ihm bis hin zu Steven Runciman und Hans Eberhard Mayer weisen nicht darauf hin, obwohl ein weiterer Beleg existiert. In einem Schreiben vom Februar 1113 erinnert Papst Paschalis II. daran, dass auf dem Konzil von Clermont beschlossen worden sei:

Jegliche Provinzen und Städte ... sind nach der Vernichtung des barbarischen Ritus der Kirche zurückzugeben.

Der Haken ist natürlich, dass das Dekret der Unternehmung etwas von ihrem idealistischen Charme nimmt. Auch Fulcher unterschlägt das Dekret da, wo es hingehört: In seinem Bericht über das Konzil. Er zitiert es erst im Rahmen seines Berichtes über die Etablierung lateinischer Staaten auf oströmischem Territorium. Da der Leser nun wusste, das es den brüderlichen Beistand betreffend bei der Absichterklärung geblieben war, konnte Fulcher ruhig mit dem Dekret herausrücken. Jetzt galt es vorrangig, die Eroberungen zu legalisieren.

Kriegstypische Propaganda

Fulcher von Chartres :

Ihr müsst Euren notleidendenden Mitbrüdern, die im Orient leben und schon oft um Unterstützung baten, schleunigst zur Hilfe eilen.

Wer bat, warum den Bitten solange nicht entsprochen wurde und warum plötzlich Eile geboten war, teilt der Chronist nicht mit. Beim Vormarsch der türkischen Truppen haben sich die Garnisonen in vielen Städte ergeben. Setzten sie sich zu Wehr, kam es bei der Erstürmung zu den kriegsüblichen Taten, sprich Plünderung und Gemetzel. Nach einigen Stunden geboten die Anführer in der Regel Einhalt, wenn es um eine Landnahme ging. Abgaben und Steuern konnte man ja nur bei arbeitenden, also lebenden Bewohnern eintreiben. Auch christliche Militärs hielten sich meistens an diese ungeschriebenen Bräuche. Der Bericht, den Fulcher Papst Urban in den Mund legt, suggeriert zwar ein völlig rücksichtsloses Vorgehen der Invasoren, der Verlauf der Kriegshandlungen in den ersten Jahren wird aber zutreffend geschildert.

Wie den meisten von Euch schon gesagt wurde, haben sich die Türken ausgebreitet bis zum Mittelmeer, das St. Georg-Arm genannt wird. Dieses Volk aus Persien hat die Länder der Christen bis zu den Grenzen des oströmischen Reiches mehr und mehr besetzt und sie in siebenfältigem Kampf besiegt, wobei viele getötet oder gefangen wurden, Kirchen zerstört worden sind und das Reich Gottes verwüstet wurde.

Die Chronisten des christlichen Feldzugs haben beim Vormarsch nur intakte Städte mit mehrheitlich christlicher Bevölkerung und viele intakte Kirche vorgefunden. Also keine Verwüstung. Von besonderen Gräueltaten ist in Fulchers Darstellung keine Rede. Er behauptet nicht, er selbst habe Briefe aus Ostrom gelesen.

Ziemlich viel Propaganda

Fulcher schildert Verlauf der Kriegshandlungen zwar sehr verkürzt, aber zutreffend. Er erweckt aber fälschlich den Eindruck, der Vormarsch der Invasoren sei noch im Gang und begründet so, die Hilfe müsse schleunigst erfolgen. Ob Papst Urban für die sprachlichen Feinheiten urheberrechtlich verantwortlich ist, wissen wir natürlich nicht. Bleibt nur, die Aussage selbst zu bewerten. Ihr Zweck ist es, für das Unternehmen zu werben und es gleichzeitig zu rechtfertigen. Da sie falsch ist, handelt es sich um zur eine zur Vorbereitung und Begleitung von Kriegen für typische Desinformation oder Propaganda. Das gilt auch für die Behauptung, es ei zu einer Verwüstung gekommen

(5) Hilferufe und Feindbild

Der sogenannte Alexios-Brief

Gut möglich, dass Kaufleute in Konstantinopel ihre Partner im Westen (Pisa, Venedig, Genua, Amalfi) über das Kriegsgeschehen Anfang der 80ger Jahre auf dem Laufenden hielten. Fulcher von Chartres lässt den Papst aber behaupten, viele Mitbrüder hätten um Beistand ersucht. Und das hat er auch, mit ähnlichen Worten. Leider kennen wir nur einen Text, der mit ziemlicher Sicherheit von Urban veranlasst wurde und in dem der Feldzug begründet wird. Brief vom Dezember 1095.

An alle in Flandern weilenden Gläubigen ... Wir glauben, dass eure Brüderschaft schon längst durch den Bericht vieler Leute erfahren hat, dass eine barbarische Raserei die Kirche Gottes im Orient durch eine elende Anfeindung verwüstet hat ...

Es liegt kein Original eines von Mitbrüdern oder Leuten verfassten Briefes mit einem Hilfeersuchen vor. Trotzdem wird noch immer im Ton einer gesicherten Wahrheit behautet, dass es sogar mehrere gab.

BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE, Mannheim 1990:

Kreuzzug. Auf der Synode von Clermont rief Papst URBAN 11. am 27.11. 1095 die Christenheit zum >heiligen Krieg< gegen den Islam auf, als Antwort auf Hilferufe des byzantin. Kaisers gegen die türk. Seldschuken. .

Nachweisbar ist, dass zeitnah zum Aufruf Kopien von zwei Versionen eines Schreibens kursierten. Als Adressat wird der Graf von Flandern genannt, als Absender Kaiser Alexios. Guibert von Nogent bearbeitete um 1109 die Gesta Francorum des Anonymus. Nach eigener Angabe gehörte zu seinen Vorlagen die Kopie eines Briefes von Kaiser Alexios. Guibert:

Den Brief selbst diesem Werk einzufügen bereitete Verdruss, es beliebte mir aber, einiges vom dort gesagten mit eigenen Worten vorzutragen

Unzucht in Kirchen

Guibert von Nogent fasst die ihm vorliegende Version des Briefes so zusammen:

Es ergeht Klage in Bezug auf die Kirchen, die ja das Heidentum, nachdem es das Christentum hinausgeworfen hatte, in Besitz hielt und in denen es Ställe für Pferde, Maulesel und andere Tiere errichtete. Sogar ihre Heiligtümer, die sie Machomariae nennen, richteten sie dort ein und trieben auch Geschäfte von grenzenloser Unsittlichkeit, so dass aus Basiliken Bordelle und Theater wurden.

Türkisches Raffinement

Mütter wurden im Angesicht ihrer Töchter ergriffen und durch vielfach wiederholten Verkehr mit verschiedenen Männern gequält, während die dabeistehenden Töchter unterdessen gezwungen wurden, unanständige Lieder zu singen und zu tanzen. Das gleiche Leid, das auszusprechen Schmerz und Scham bereitet, fiel alsbald auf die Töchter zurück; diese Scheußlichkeit wurde mit schmutzigen Gesängen der unseligen Mütter geschmückt.

Das also soll sich der Kaiser Ostroms ausgedacht haben: Griechische Mütter können obszöne Lieder im Chor singen, und haben das auch ihren Töchtern beigebracht. Und zwar auf Türkisch, damit die Vergewaltiger etwas davon haben. Es wird ihnen aber trotz dieser Raffinesse mit den Frauen langweilig.

Und nachdem man das weibliche Geschlecht missbraucht hat, was man dennoch entschuldigen wird mit der entsprechenden Natur, geht man unter Überschreitung tierischen Verhaltens und Auflösung aller Gesetze der Menschlichkeit auf das männliche Geschlecht über. Er sagt, sie hätten durch sodomitischen Missbrauch sogar einen Bischof getötet.

Griechisches Gold und griechische Frauen

Laut Guibert fleht Alexios dann seine Adressaten an, sie mögen herbeieilen, um den Verlust der Reliquien in Konstantinopel zu verhindern.

Außerdem fügt er hinzu: Wenn nicht die Eindämmung eines so großen Übels oder die Liebe zu den genannten Heiligen sie dazu veranlasse, solle sie wenigstens die Gier nach Gold und Silber anlocken, wovon man dort zahllose Mengen besitzt. Schließlich bringt er auch etwas vor, das zu der Enthaltsamkeit guter Männer nicht passt: Außer all diesem werden sie von der Begierde nach sehr schönen Frauen angezogen.

Dass Alexios soweit gehen würde, die Frauen Ostroms als Belohnung anzubieten, halten neuzeitliche Autoren nicht für möglich und bezeichnen den Brief daher als Fälschung. Das heißt die wenigen, die ihn überhaupt erwähnen. Die meisten halten es offenbar nicht für opportun, ihre Leser auf die Problematik ihrer Quellen hinzuweisen. Im übrigen ist der Brief natürlich echt, nur der Absender kann nicht stimmen.

Eine wörtliche Fassung und Version des Briefes

Guibert hat also die ihm vorliegende Version nur zusammengefasst. Eine zweite ist vollständig überliefert, in drei Einzelkopien und in Dutzenden von Manuskripten der Gesta Francorum als Beilage. In dieser Version fehlen der Anreiz in Gestalt der griechischen Frauen und der Hinweis auf die Verwandlung der Kirchen in Moscheen, Ställe und Bordelle. Die Rede ist nur allgemein von ihrer Besudelung. Bezüglich einer noch zu schreibenden Geschichte der Propaganda handelt es sich bei diesem Text um ein einzigartiges Dokument, weil es Einblicke in das geistige Rüstzeug der Werbung für die Kreuzzüge gewährt. Das Dokument nährt erhebliche Zweifel an der Vorstellung, wenigsten der Idee nach hätten die Betreiber etwa Gutes tun wollen. Darum oder warum auch immer wird es den Lesern der Gesamtdarstellungen der Kreuzzüge vorenthalten. Ein Absatz ausgenommen, kann der Brief der Haltung, dem Sprachduktus und den Floskeln nach nicht in der kaiserlichen Kanzlei verfasst worden sein. Dies Satz für Satz zu belegen, ist ziemlich umständlich. Und nicht nötig, denn Zwecks Vergleich steht uns ein echtes Hilfeersuchen aus der Kanzlei des Kaisers zu Verfügung. Es ist an Kaiser Heinrich IV gerichtet, der aufgefordert wird, nicht gegen die Türken, sondern den mit Papst Gregor verbündeten Herzog Robert Guiscard vorzugehen. Anna Comnena hat das Schreiben überliefert.

Edler und wahrhaft christlicher Bruder. Ich hoffe, dass dein mächtiges Reich blüht und weiterhin gedeiht ... deine Entscheidung, sich am Krieg gegen diesen bösartigen Mann (Robert Guiscard) zu beteiligen und den mörderischen sündigen Feind Gottes und der Christen zu bestrafen ... bezeugt die Güte deines Herzens.

Räumt ein römischer Kaiser eine schwere Krise ein? Nein, Alexios denkt nicht daran, die Lage zu dramatisieren. Im Gegenteil:

Obwohl im allgemeinen meine Angelegenheiten zum Besten stehen, werden sie doch geringfügig durch die Unternehmungen Roberts gestört.

König Heinrich soll nicht unendgeldlich gegen Gregor vorgehen:

Die Geschenke, die wir vereinbart haben ..., werden jetzt überbracht, nämlich 144.000 Goldstücke und hundert seidene Purpurmäntel.

Die Kaiser Ostroms trugen ihren Kopf knapp unterhalb des Himmels. Wenn jemand in ihre Dienste trat, musste er den Vasalleneid leisten, egal ob König oder wer auch immer:

Wenn du den Eid ablegst, werden weitere 216.000 Goldstücke ausbezahlt ... der vertrauenswerte Abelard wird sie aushändigen, wenn du in die Lombardei kommst.

Diesen Ton schlug Alexius gegenüber einem König an. Das Geschäft mit Heinrich kam wie schon gesagt auch Zustande.

Der Alexios-Brief , Wortlaut

Dem Herrn und ruhmreichen Grafen von Flandern, Robert, und allen Fürsten des gesamten Reiches, den Verehrern des christlichen Glaubens, Klerikern wie Laien, entbietet der Kaiser von Konstantinopel. Heil und Frieden in unserem selben Herrn Jesus Christus, seinem Vater und dem Heiligen Geist. 0h hochberühmter Graf und größter Tröster des christlichen Glaubens!

Schon falsch. Ein einfacher Graf. Viel zu liebdienerisch.

Ich will Eurer Klugheit kundtun, wie das allerheiligste Reich der griechischen Christen von Petschenegen und Türken arg bedrängt, täglich ausgeplündert und mit Waffengewalt heimgesucht wird ohne Unterlass; auch kommt es dort zu vielfältigem Morden und nicht zu schildernden Niedermetzelungen und Verhöhnungen der Christen. Weil es aber viele Übel sind, die sie treiben, und wie gesagt unbeschreibliche dazu, wollen wir aus den vielen nur weniges nennen, was aber dennoch schrecklich anzuhören ist und sogar die Luft selbst in Verwirrung bringt.

Die Gräueltaten

Denn sie beschneiden die Knaben und jungen Männer der Christen über den christlichen Taufbecken, gießen das Blut der Beschneidung aus Missachtung gegenüber Christus in dieselben Taufbecken, zwingen sie, ihr Wasser darüber abzuschlagen, führen sie darauf mit Gewalt in den Kreuzgang der Kirche und zwingen sie, Namen und Glauben der Heiligen Dreifaltigkeit zu schmähen. Wenn sie das aber nicht wollen, setzen sie sie verschiedenen Strafen aus und töten sie zuletzt. Edle Frauen und deren Töchter rauben sie aus und verhöhnen sie dann, indem sie wie die Tiere sich gegenseitig ablösend mit ihnen Unzucht treiben. Andere aber stellen, während sie schamlos Jungfrauen schänden, deren Mütter vor ihr Angesicht und zwingen sie, ruchlose, unanständige Lieder zu singen, bis sie ihre eigenen Untaten vollenden.

Exkurs, der Autor offenbart seine Quelle

So, lesen wir, sei es in alter Zeit nämlich auch am Volke des Herrn geschehen, zu dem die gottlosen Babylonier nach verschiedenen Verhöhnungen voll Spott sprachen: Singt uns einen Hymnus aus den Liedern Zions. So werden jetzt auch die Mütter gezwungen, während der Schändung ihrer Töchter gottlose Lieder zu singen, ihre Stimmen geben aber keinen Gesang, sondern eher eine Klage wieder, wie über den Tod der Unschuldigen geschrieben steht: Eine Stimme wurde in Rama gehört, Weinen und viel Klagegeheul. Rachel, die ihre Söhne beweint und nicht getröstet werden wollte, da sie nicht mehr am Leben sind. Wenn aber die Mütter der Unschuldigen, die durch Rachel versinnbildlicht werden, nicht in Bezug auf den Tod ihrer Söhne getröstet werden konnten, so konnten sie dennoch in Bezug auf die Rettung der Seelen getröstet werden. Diese hier aber, was schlimmer ist, können auf keine Art getröstet werden, weil sie sowohl mit dem Körper als auch mit der Seele zugrunde gehen.

Fortsetzung Gräueltaten

Was weiter? Kommen wir zum noch Niedrigeren: Männer allen Alters und Standes, d.h. Knaben, Heranwachsende, junge Männer. Greise, Edle, Sklaven und, was schlimmer und schamloser ist, Kleriker und Mönche und - ach welch ein Schmerz - was man vorher weder gesagt noch gehört hat, Bischöfe verhöhnen sie durch die Sünde der Sodomie und einen Bischof zerrissen sie sogar durch diese Sünde. Sie besudeln aber die heiligen Stätten auf unzählige Arten, zerstören sie und drohen ihnen Schlimmeres an. Und wer bricht dabei nicht in Klagen aus? Wer leidet nicht mit? Wer entsetzt sich nicht? Wer betet nicht?

Stilbruch

Nach so viel Lyrik folgt jetzt ein Einschub in Prosa. Geschildert werden die Verhältnisse vor dem Jahr 1081.

Fast das ganze Gebiet von Jerusalem bis zum griechischen und das ganze griechische Reich mit seinen nördlicheren Regionen, als da sind Klein- und Großkappadozien, Phrygien, Bithynien, Klein-Phrygien, d.h.Troia, Pontus, Galatia, Lydien, Pamphylien, Isaurien, Lykien und die Hauptinseln Chios und Mytilene und viele andere Gebiete und Inseln, die wir hier nicht aufzählen können, sind von ihnen schon bis nach Thrazien vereinnahmt worden und es ist uns beinahe nichts mehr außer Konstantinopel geblieben das sie uns aber auch schleunigst wegzunehmen drohen, wenn nicht die Hilfe Gottes und der lateinischen Christen schnell zu unserer Unterstützung kommen. Denn auch das Marmarameer , das auch Abydus heißt und vom Schwarzen Meer an Konstantinopel vorbei ins Mittelmeer fließt, sind sie mit zweihundert Schiffen eingedrungen, die von ihnen gefangengenommene Griechen konstruiert hatten, und führen sie mit Ruderknechten, ob die wollen oder nicht, heran und drohen zu Lande wie auch über eben dieses Marmarameer wie gesagt Konstantinopel schnell einzunehmen.

Für diese Passage hat der Autor offensichtlich ein Schreiben aus Konstantinopel benutzt. Wenn es im Namen des Kaiser verfasst wurde und an den Grafen von Flandern gerichtet war, kann es sich nur um die Anwerbung von Berufskriegern gehandelt haben. Von Anwerbung ist auch im nächsten Satz die Rede.

Also bitten wir um der Liebe Gottes und der Frömmigkeit aller griechischen Christen willen, dass Du alle gläubigen Streiter Christi -höhergestellte ebenso wie niedere oder mittlere-, die Du in Deinem Lande anwerben kannst, zur Hilfe für mich und die griechischen Christen hierhin führst ...

Aber dann wechselt der Ton abrupt:

... und dass sie sich bemühen, so wie sie Galizien und die übrigen westlichen Königreihe im vergangenen Jahr vom Joch der Heiden ein wenig befreit haben, so auch jetzt für ihr Seelenheil das griechische Königreich zu befreien, indem ich, obgleich ich Kaiser bin, mir kein Heilmittel und keinen geeigneten Plan zu finden weiß, sondern immer vor dem Anblick der Türken und Petschenegen fliehe und nur solange in einer einzelnen Stadt bleibe, bis ich ihr Kommen nahe fühle, und lieber Euren Lateinern untertan sein will als dem Spott der Heiden.

Für himmlischen Lohn

Die Idee, für das Seelenheil zur Waffe zu greifen, war dem Denken in Ostrom völlig fremd. Gerade weil für die Griechen das Waffenhandwerk als zutiefst unchristlich galt, war Ostrom auf Söldner aus dem Ausland angewiesen. Wie ausgeführt, hätte sich ein Kaiser Ostroms auch niemals als hilflos darstellt oder gar angeboten, jemandem untertan zu sein. Es handelt sich um die Denkweise und Imaginationen eines lateinischen Klerikers. Noch deutlicher wird das in den folgenden Passagen:

Ihr sollt also, bevor Konstantinopel von ihnen eingenommen wird, mit ganzer Kraft und besonders tüchtig streiten, damit ihr voll Freude im Himmel ruhmreichen und unaussprechlichen Lohn empfangt. Denn es ist besser, dass Ihr Konstantinopel besitzt als die Heiden, weil in der Stadt überaus kostbare Reliquien des Herrn verwahrt werden, als da sind ... (folgt ausführliche Aufzählung) Diese vorgenannten Dinge aber sollen alle eher die Christen als die Heiden haben, und es wird allen Christen eine große Stütze sein, wenn sie dies alles haben, ein großer Schade aber und eine Verurteilung, wenn sie es verlieren.

Was in Ostrom zu holen ist

In dieser Version bietet der Kaiser zwar nicht speziell die Frauen Ostroms an, dafür aber ganz Ostrom samt seinen Reichtümern. Wäre Alexios so weit gegangen, hätte er den Tag nicht überlebt, an dem es in Konstantinopel bekannt geworden wäre. Der Autor konnte ohne Risiko eine Begehrlichkeit anfachen, die im Westen virulent war.

Wenn sie aber dafür nicht kämpfen wollen und Gold mehr lieben, so werden sie in Konstantinopel mehr finden als auf der ganzen Welt. Denn allein die Kirchenschätze von Konstantinopel quellen über von Silber, Gold, Perlen, kostbaren Steinen, seidenen Tuchen, d.h. Altartüchern, die für alle Kirchen der Welt aus reichen könnten. Diese ganzen Schätze jedoch übertrifft der unermessliche Schatz der Mutterkirche, nämlich der Hagia Sophia, d.h. der Weisheit Gottes, und er kann ohne Zweifel den Schätzen des Tempels Salomons gleichgestellt werden. Was soll ich noch vom grenzenlosen Schatz der Adeligen reden, wenn schon den Schatz der einfachen Händler niemand schätzen kann?

Konfuser Schluss

Von dem, was man in den Schätzen früherer Kaiser findet, sage ich mit Bestimmtheit, dass es keine Zunge gibt, die ihn wiedergeben könnte, da nicht allein der Schatz der Kaiser von Konstantinopel dort aufbewahrt wird, sondern der Schatz aller alten römischen Kaiser dorthin übertragen und in den Palästen versteckt worden ist. Was soll ich noch mehr sagen? Was offen vor Menschen Augen liegt ist nichts im Vergleich zu jenem Verborgenen. Eilt also mit Eurem ganzen Volk und kämpft mit allen Euren Kräften, damit nicht ein solcher Schatz in die Hände der Türken und Petschenegen fällt, weil nämlich, obwohl sie unbegrenzt sind, täglich noch 60.000 erwartet werden und ich fürchte, dass sie durch jenen Schatz unsere gierigen Soldaten allmählich verführen könnten, wie Julius Caesar es einst getan hat, der das Reich der Franken durch Begehrlichkeit vereinnahmte, und wie der Antichrist, bereit, die ganze Welt einzunehmen, am Ende der Welt handeln wird. Handelt also, solange ihr noch Zeit habt, damit ihr nicht das Königreich der Christen und was schlimmer ist, das Grab des Herrn verliert und von daher nicht Gericht, sondern Belohnung im Himmel habt. Amen. Ende des Briefes.

Und die Historiker-Zunft? Es gab Streit. Die einen weisen nach, kein Wort könne in der Kanzlei des Kaisers geschrieben worden sein. Andere entgegnen, es handele sich um die Bearbeitung eines echten Briefes. Der einflussreichste Fachmann für die Kreuzzugsbriefe, Dr. Heinrich Hagenmeyer nimmt an, der Kaiser habe 1088 ein Hilfeersuchen verfasst, und der Urheber habe es benutzt. Selbst wenn das stimmt, also jemand einen Brief bearbeitet hat, hat er ihn doch gefälscht. Ergo taugt das Resultat nicht zu Wahrheitsfindung zu Frage eines Hilfeersuchens. Alles spricht dafür, dass der Brief rundum echt ist, und nur der Absender nicht stimmt. Die Zunft verweigert diesem Dokument die gebührende Anerkennung, in dem sie über die Echtheit räsoniert, statt seine Bedeutung für die Grundierung abendländischer Feindbilder hervorzuheben.

Alexios brauchte Söldner

Nehmen wir an, die sachlich gehaltenen Passage des Alexios-Briefs wurde so oder ähnlich in der kaiserlichen Kanzlei formuliert. Was kann dann mit den erbeteten lateinischen Christen gemeint sein: Söldner oder ein ganzes Heer unter lateinischem Kommando? Im Heer Ostroms dienten jede Menge lateinischer Christen als Söldner. Zwecks Rekrutierung war es nötig, sich an deren Landesherren zu wenden. Dafür gibt es einen Beleg, der eben jenen Robert, Graf von Flandern ins Spiel bringt, der als Adressat des Briefes angegeben ist. Im Jahr 1087 hat es Alexios mit den Skythen zu tun. Auf dem Rückzug nach einer verlorenen Schlacht schlägt er in der Stadt Beroea sein Quartier auf. Anna:

In Beroea traf der Graf von Flandern auf dem Rückweg von Jerusalem Alexios und leistete ihm den üblichen lateinischen Eid. Er versprach, nach seiner Rückkehr in der Heimat dem Kaiser 500 Berittene zu senden.

Klingt, als hätte Alexios dem Grafen getraut. Weil Robert ihm schon einmal Söldner besorgt hatte, auf eine schriftliche Anforderung hin? Es gibt nur einen Hinweis, der dafür spricht. Papst Urban, Brief vom Dezember 1095.

An alle in Flandern weilenden Gläubigen ... Wir glauben, dass eure Brüderschaft schon längst durch den Bericht vieler Leute erfahren hat, dass eine barbarische Raserei die Kirche Gottes im Orient durch eine elende Anfeindung verwüstet hat ...

Was heißt viele Leute? Doch wohl kaum fernreisende Kaufleute, sondern eher Söldner, die unter Alexios gedient hatten. Es ist also nicht auszuschließen, dass Alexios beim Grafen um das Jahr 1080 schriftlich Söldner anforderte und einen Lagebericht beifügte. Wenn aber in einem amtlichen Schreiben aus Konstantinopel um etwas gebeten wurde, dann sicher nicht um Beistand, sondern um die Anwerbung von Berufskriegern, die eidlich verpflichtet in der kaiserlichen Truppe dienen sollten. Eine ganzen Armee unter lateinischem Kommando anzufordern, musste Alexios schon allein wegen seiner Erfahrungen mit der Truppe Robert Guiscards fern liegen. Er erschauerte laut Anna schon beim Gedanken an eine solche - und sollte Recht behalten.

Es war bezeichnend für Alexios: Er dachte scharf über seine Projekte nach und machte sich mit großer Energie daran, sie zu vollenden ... Aber er konnte sich nicht ausruhen. Es kam ihm zu Ohren, dass sich zahllose fränkische Armeen im Anmarsch befänden. Er fürchtete ihre Ankunft, weil er ihre unkontrollierten Leidenschaften kannte, ihren unsteten Charakter, ihren Wankelmut. Zu erwähnen sind auch die anderen Eigenschaften der Kelten und ihre unvermeidlichen Folgen: Ihre Geldgier zum Beispiel, die sie dazu brachte, die von ihnen getroffenen Vereinbarungen bei jeder Gelegenheit bedenkenlos zu brechen. Das hatte man immer wieder erzählt und es war völlig berechtigt. Er war aber nicht verzweifelt, sondern scheute keine Mühe um notfalls auf einen Krieg vorbereitet zu sein.

Die Chronisten, sprich Kriegsberichterstatter, haben die unterwegs angetroffenen Griechen des Verrats und anderer Vergehen bezichtig. Damit kamen sie nicht in die Verlegenheit, das Ausbleiben selbstloser Taten zu erklären. Wenn es keine christlichen Brüder gibt, kann man ihnen auch nicht helfen. Ob es im lateinischen Westen eine gewisse Bereitschaft gab, selbstlos aus brüderlicher Nächstenliebe zu Hilfe zu eilen, weiß kein Mensch. Wer behauptet, Alexios habe an eine derartige Bereitschaft appelliert, unterstellt, er habe an sie geglaubt. Gerade er, der 25 Jahre lang keine Spur einer solchen Bereitschaft wahrnehmen konnte, und sogar von Westen aus angriffen wurde.

Kaltes Kalkül

Seit Frutolf erzählen abendländische Historiker, es sei der Kirche und manchen Pilgern darum gegangen, den bedrängten Ostchristen zu helfen. Nach dem Motto: Sehet, es gibt doch, das Gute im Christenmenschen. Die Frage ist nur, glaubten auch Urban und seine Kollegen in Clermont daran? Nicht unbedingt.

Wer nur aus Frömmigkeit, und nicht zur Erlangung von Ehre oder Geld zur Befreiung der Kirche Gottes nach Jerusalem aufgebrochen ist, dem soll die Reise auf jede Buße angerechnet werden.

Im Klartext: Straferlass nur für Pilger, die zur Bereicherung der Kirche tätig werden, statt zur ihrer eigenen. Die Herren machten Druck, weil sie natürlich die Gewohnheiten der Ausgesandten kannten und fürchteten, die Kirche käme zu kurz. Nach dieser Einschätzung stand es aber auch nicht gut mit der Hilfsbereitschaft gegenüber den Mitchristen im Osten. Schlimmer noch. Wenn zu befürchten war, dass den Pilgern der Sinn nach Erlangung von Ehre oder Geld stand, schwebten die wehrlosen Christen im Osten in höchster Gefahr. So viel zur Hilfsbereitschaft der zu Clermont versammelten Würdenträger.

Verklärung

Manchen neuzeitlichen Historikern kommt es offenbar darauf an, dass ein offizielles Hilfeersuchen vorlag, um ihrem Publikum eine Rechtfertigung für die Kreuzzüge zu liefern. Die Zeitgenossen nennen im Übrigen die Unternehmung noch Expedition und unterwegs waren in den lateinischen Chroniken nicht Kreuzfahrer sondern abwechselnd etwa Francos, miltes Christi, Christianos oder auch schlicht peregrini, also Pilger. Steven Runciman umgeht eine Stellungnahme zum Alexios-Brief , in dem er ihn nicht erwähnt. Hans Eberhard Mayer skizziert die Debatte unter Historikern, enthält sich aber eines eignen Urteils. Ganz gefälscht die einen, in der Substanz echt, die anderen. Die den Brief unbedingt retten wollen, halten offensichtlich einen Angriffskrieg mit einem offiziellen Hilfeersuchen für anständiger als einen, den man zum Zweck von Eroberungen unternimmt. Und die Zeitgenossen? Sie sprechen überwiegend von Botschaften oder Nachrichten, ohne Absender oder Empfänger zu nennen. Warum auch, sie hatten an der Legalität der Unternehmung nicht die geringsten Zweifel. Ihre beschönigende Rede von brüderlicher Hilfe diente der Beschwichtigung von Kritik.

Die Kritiker und die neue Welt

Raimund von Aguilers, dabei beim ersten Feldzug:

Wir schreiben dieses Buch, damit alle jenseits der Alpen von den machtvollen Werken erfahren, die der Herr in seiner immerwährenden Güte durch uns verrichten ließ. Wir übernehmen diese Aufgabe, weil dem Krieg Fernstehende und feige Deserteure über uns mehr Lügen verbreitet haben als die Wahrheit. Das Buch soll zukünftige Leser befähigen, die Freundschaft und den Rat solcher Abtrünniger zu meiden.

Schriftstücke von damals sind in der Regel nur erhalten, wenn sie oft kopiert wurden. Die damit betrauten Mönche haben wohl eher davon Abstand genommen, Notizen oder Briefe abzuschreiben, in denen Kritik an der Unternehmung geübt wurde. Es sind jedenfalls keine gefunden worden. Dass es kritische Kleriker gab, wissen wir nur, weil Chronisten sie abgekanzelt haben. Der Chronist Frutolf vor 1099:

Die Menschen unseres Volkes eiferten nach Gott, aber nicht nach seiner der Weisheit, denn auf der Heerfahrt, die Christus zur Befreiung der Christen bestimmt hatte, verfolgten sie statt dessen andere Christen ... Aus diesem Grund haben einige einfältigere Brüder, welche die Sache nicht durchschauten, daran Anstoß genommen und das ganze Unternehmen voreilig als vergeblich und anmaßend verurteilt.

Vor 1106. Ekkehard von Aura betont, dass die Expedition von Gott angeordnet wurde und auch, warum er daran erinnern muss:

... vor allem wegen der Anschuldigungen von Seiten einiger unverschämter Toren, die sich immer mit dem alten Irrtum zufrieden geben und mit anmaßendem Geschwätz das Neue verurteilen, das in einer alternden und beinahe zugrunde gehenden Welt dringend vonnöten ist.

Der Umgangston mit Kritikern klingt vertraut. Der alte Irrtum? Die frühen Christen lehnten jeden Waffengebrauch kategorisch ab. Ekkehards Einschätzung ist so entlarvend, dass sie in den Gesamtdarstellungen prompt nicht zitiert wird. Das Neue ist genau das, was er betreibt, nämlich einem normal grässlichen Feldzug mit hohen Idealen zu verknüpfen. Hier wird gerade die bis heute moderne Kriegspropaganda erfunden

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(6) Die Predigt von den beschmutzten Kirchen

Peter von Amiens in der Grabeskirche

Weniger subtil als die Rede von den Hilfeersuchen ist die, die von der Verwandlung der Kirchen in Ställe und Bordelle handelt.

BILDERSAAL DEUTSCHER GESCHICHTE, Deutsche Union Verlagsgesellschaft, Berlin, 1901:

Nachdem ... 1071 die Türken Palästina erobert hatten, drang häufig die Kunde von Misshandlung und Gräuel nach Europa. Solche Klage führte auch der Einsiedler Peter von Amiens vor Papst Urban II., dem er sogleich eine Bittschrift des Patriarchen von Jerusalem überreichte.

Die Erzählung vom Einsiedler Peter zeugt von hoher Meisterschaft in der Kunst der Gemütserregung. Überliefert hat sie der Chronist Albert von Aachen, der von sich selbst sagt, widrige Umstände hätten seine Teilnahme am Feldzug verhindert, er habe aber mündliche und schriftliche Berichte von Augenzeugen für seine Chronik benutzt. Da auch einige Kollegen Alberts die Peter-Erzählung benutzen, ist anzunehmen, das sie in Schriftform kursierte. Albert von Aachen:

Dieser Priester war einige Jahre vor dem Beginn dieses Zuges nach Jerusalem gewallfahrt, um dort zu beten. Da musste er in der Kirche des Heiligen Grabes, ach, Dinge sehen, so sündhaft und böse, dass sein Herz voll Trauer aufseufzte und er Gott zur Rache für die geschauten Gräuel aufrief ... Tief bewegt durch das schändliche Treiben ging Peter zu dem Patriarchen der heiligen Kirche zu Jerusalem und fragte ihn, warum es den Heiden und Ungläubigen erlaubt sei, die heiligen Stätten zu beschmutzen, aus ihnen die Gaben der Gläubigen wegzuschleppen, als Ställe die Kirche zu benutzen, die Christen zu schlagen und die frommen Pilger durch Auferlegung ungerechter Abgaben auszuplündern und mit vielerlei Bedrückungen zu quälen.

Der Patriarch antwortet:

Meine Kraft und macht ist nicht viel mehr als eine winzige Ameise gegen den Übermut dieser Heiden. Ich muss mir mein Leben durch endlose Abgaben erkaufen, damit mir Tod und Marter erspart bleiben. Ich fürchte, unsere Lage wird sich täglich verschlimmern, wenn die Christen nicht endlich Hilfe bringen.

Peter sagt zu, das Ersuchen beim Papst und den Grossen der Christenheit vorzutragen. Wohlmöglich weil ein oströmischer Patriarch nach westlicher Auslegung der falschen Kirche angehörte, lässt der Autor den Auftrag von einem richtigen Christen bestätigen.

Finsternis bedeckte den Himmel, als Peter wieder zum heiligen Grab ging, um dort zu beten. Durch Andacht und Wachen ermüdet, wurde er vom Schlaf übermannt. Da erschien ihm die Herrlichkeit des Herrn Jesus im Traum ...

Und der Herr gibt ihm konkrete Anweisungen:

Peter, du liebstes meiner Erdenkinder, steh auf und gehe zum Patriarchen und verlange die Bestätigung meines Erscheinens vor dir mit dem Siegel des heiligen Kreuzes. Dann eile so rasch du kannst in deine Heimat und erzähle dort, was mein Volk und die heiligen Stätten an Schmach und Elend zu erleiden haben und entflamme die Herzen der Gläubigen, Jerusalem und die heiligen Stätten zu säubern und den Dienst in den Heiligtümern wiederherzustellen ...

Und was weiter?

In Angst und Sorge fuhr Peter zu Schiff über das Meer, kam nach der Stadt Bari, stieg dort wieder an Land und eilte sofort nach Rom. Dort suchte er den apostolischen Herrn auf und überbrachte im die Botschaft, die Gott und der Patriarch im aufgetragen hatte und Klagen über die Gräuel der Heiden und das Elend der Pilger und der heiligen Stätten.

Der historische Peter von Amiens

Fest steht, das ein Peter von Amiens als Prediger und Anführer auftrat. Albert von Aachen:

Ein Priester und früherer Einsiedler, der Peter hieß und aus Amiens stammte, das in Frankreich liegt, hat zuerst mit aller Leidenschaft zu diesem Zug aufgerufen und zu Berri im genannten Königreich als Prediger mit allen Redekünsten das Volk dafür gewonnen.

Fulcher von Chartres:

Ein gewisser Peter der Einsiedler, hatte um sich eine Menge Fußvolk versammelt, aber nur wenige Ritter, und er war der erste, der durch Ungarn zog.

Frutolf von Michelsberg:

Die ersten, ungefähr fünfzehntausend, folgten einem gewissen Mönch Peter, den später viele als Heuchler bezeichneten.

Hat der Mönch aus Amiens seine Gefolgschaft in Frankreich zusammengepredigt, bevor Urban dort ankam? So war es, wenn der Autor de Gesta Francorum uns richtig informiert:

Die Gemüter waren in ganz Gallien heftig bewegt, so dass jeder mit Herz und Verstand den Wunsch hatte, Gott zu folgen und getreu das Kreuz zu tragen, und unverzüglich den Weg zum Heiligen Grab einzuschlagen. Sogar der Papst begab sich mit seinen Erzbischöfen, Bischöfen, Äbten und Priestern über die Alpen.

Auch Albert von Aachen hält Peter von Amiens für den eigentlichen Verursacher des Feldzuges.

Seinem nimmermüden Rufe folgten Bischöfe, Äbte Kleriker und Mönche, die vornehmen Weltlichen, die Fürsten verschiedener Reiche und endlich die ganze Menge des Volkes, Keusche und Unkeusche ja selbst das weibliche Geschlecht.

Peter der Anstifter? Nicht beweisbar, nicht widerlegbar. Die allgemeine Geschichtsschreibung folgt Bernold von Konstanz:

Cuius expeditionis domnus papa maximus auctor fuit.

Bernold hebt so ausdrücklich den Papst als Urheber der Unternehmung hervor, als gelte es anderslautenden Auffassungen zu widerlegen.

Die zentrale Botschaft der Werbung

Mangels Schriftzeugnissen wissen nicht, mit welchen Worten die Prediger die Gemüter ihrer Zuhörer aufwühlten. Auf den Tenor lassen der Alexios-Brief , die Peter-Erzählung und einige ab 1110 verfasste Papstreden schließen. Alexios-Brief laut Guibert von Nogent:

Es ergeht Klage in Bezug auf die Kirchen, die ja das Heidentum, nachdem es das Christentum hinausgeworfen hatte, in Besitz hielt und in denen es Ställe für Pferde, Maulesel und andere Tiere errichtete.

Peter-Erzählung:

Tief bewegt durch das schändliche Treiben ging Peter zu dem Patriarchen der heiligen Kirche zu Jerusalem und fragte ihn, warum es den Heiden und Ungläubigen erlaubt sei, die heiligen Stätten zu beschmutzen, aus ihnen die Gaben der Gläubigen wegzuschleppen, als Ställe die Kirche zu benutzen.

Robert der Mönch, Papstrede:

Aus den Gebieten Jerusalems und aus der Stadt Konstantinopel erreichen uns wie schon so oft schlimme Nachrichten ... Annregen soll Euch vor allem das Heilige Grab des Herrn, unseres Retters, das von unreinen Völkern besetzt gehalten wird, und die Heiligen Stätten, die entehrt und besudelt werden mit deren Unreinheiten.

Der Chronist Frutolf vor 1099:

Im Jahr des Herrn 1096 ... Aus allen Teilen der Erde, vor allem aber der westlichen Königreiche, zogen zahllose bewaffnete Scharen von Königen, Adligen und einfachem Volk beiderlei Geschlechts in Richtung Jerusalem. Ihre Leidenschaften waren aufgewühlt durch zahlreiche Botschaften über die Bedrängnis des Heiligen Grabes und die Verwüstung aller derjenigen Kirchen, die das wilde Volk der Türken vor einigen Jahren seiner Herrschaft unterworfen und durch unerhörte Beschwernisse allmählich zerstört hatte.

Behauptet werden schlimme Nachrichten, zahlreiche Botschaften, was die Autoren aber wiedergeben, beschränkt sich auf eine Vermischung der Peter-Erzählung und der Aussagen des Alexios-Briefes. Ekkehard von Aura:

Die Türken ... eroberten zunächst Nikäa, einst fester Turm des katholischen Glaubens, und töteten alle Christen, derer sie habhaft wurden. Dorthin legten sie ihre Truppen unter ihrem Tyrannen Suleiman und verwüsteten ringsherum gründlich alle Gebiete bis an das Meer, das St. Georgs-Arm genannt wird und verschonten keinen Christen, keine Kirche, kein Kloster, ja nicht einmal die Bilder der Heiligen.

Klingt wie eine Zusammenfassung des Alexios-Briefes, in dem ja der Mangel an Truppen beklagt und der ganze Westen um Beistand ersucht wird. Ekkehard:

Wegen der barbarischen Räuber, die bereits den größten Teil seines Reiches überschwemmt hätten, schickte auch Kaiser Alexios nicht wenige Briefe an Papst Urban, worin er beklagte, nicht genug Kräfte zur Verteidigung der orientalischen Kirchen zu haben. Wenn es sich machen ließe, so beschwor er ihn ... er möge den gesamten Westen zu seiner Hilfe aufrufen ...

An Papst Urban adressierte Briefe? Mit dieser Behauptung steht Ekkehard alleine da. Entweder ist sie aus der Luft gegriffen oder er kannte eine Version des Alexios-Briefes, in der zwecks Betonung der Bedeutung der Papst als Adressat eingesetzt wurde. Alle Autoren betonen, es habe eine Vielzahl von Botschaften existiert. Dass lässt den Schluss zu, dass viele Kopien mit sehr ähnlichen Botschaften in Umlauf waren. Einiges spricht dafür, dass es sich nur um Versionen einer einzigen gehandelt hat. Für die Gebildeten mag die Behauptung, es ginge um brüderliche Hilfe eine Rolle gespielt haben. Die Westchristen hatten mehrheitlich aber gute Gründe, auf ein derartiges Anliegen kühl zu reagieren. Warum Leuten helfen, von deren Existenz sie vorher nie etwas gehört hatten? Warum anderen beistehen, wenn ihnen selbst niemand beistand?

Lohnende Kampagne

Was die Leute kannten, waren Erzählungen vom Grab Jesu. Die Botschaft von der Besudelung heiliger Stätten musste jeden Gläubigen in Wallung bringen, sie war am ehesten für eine volksnahe Werbung geeignet. Aus den in Schriftform vorliegenden Botschaften und Aufrufen lässt sich schließen, was die Priester ihrem Publikum erzählt haben. Im südfranzösischen Kloster Moissac verfasste ein unbekannter Mönch 1096 ein Zirkular und gibt als Urheber Papst Sergius IV. (1009-1012) an.

Das Heilige Grab ist von ruchloser Heidenhand ganz und gar zerstört worden ... Die Christenheit möge zur Kenntnis nehmen ... dass ich selbst mit anderen Christen vom Meeresstrand aufbrechen will, um mit Gottes Hilfe das Volk der Araber vollständig zu vernichten und das Heilige Grab des Erlösers wieder unversehrt aufzurichten.

Es hat ja auch funktioniert. Frutolf:

Ihre Leidenschaften waren aufgewühlt durch zahlreiche Botschaften über die Bedrängnis des Heiligen Grabes ... Gesta Francorum: Die Gemüter waren in ganz Gallien heftig bewegt ...

Ekkehard weist auf den geschäftlichen Aspekt der Massenmobilisierung hin. Prediger und Kirchenverwalter gingen nicht leer aus.

Das Volk lief in unglaubliche Scharen in die Kirchen und nach einem neuen Brauch verteilte man vom Priester geweihte Schwerter, Stäbe und Kästchen.

Nach altem Brauch war beim Kirchenbesuch ein Geldopfer fällig und geweiht wurde in der Regel gegen Gebühr.

Grabeskirche sauber und einträglich

Der Chronist Ekkehard von Aura behauptet, er habe die Verunstaltung von Kirchen mit eigenen Augen gesehen

Die Türken ... eroberten zunächst Nikäa, einst fester Turm des katholischen Glaubens ... und verschonten keinen Christen, keine Kirche, kein Kloster, ja nicht einmal die Bilder der Heiligen. Wir sahen nämlich ... in den zur Hälfte zerstörten Kirchen jenes Gebietes die Bilder selbst unseres Erlösers und seiner glorreichen Mutter oder anderer Auserwählter ... die Beschädigung an Nasen und Augen, Händen und Füssen ...

Ekkehard lügt, er hat nach eigenen Angaben - allerdings an anderer Stelle seiner Chronik - keinen Fuß auf jenes Gebiet gesetzt. Im Rahmen der Feldzüge des Jahres 1101 reiste Ekkehard von Aura nämlich über die Landroute nach Konstantinopel und von dort weiter per Schiff nach Jaffa in Palästina. Hier mussten die Pilger ausharren bis ein Entsatzheer die ägyptischen Truppen vor der Stadt vertreiben konnte. Ekkehard löste in Jerusalem sein Gelübde ein, bewunderte in der Grabeskirche die Lampen, die vom Himmel her angezündet wurden und kehrte nach Jaffa zurück.

Nachdem wir uns am 2., September in Joppe (Jaffa) eingeschifft hatten, gelangten wir in der Karwoche nach Rom.

Ekkehard kann also keine Kirchen in Anatolien gesehen haben. In Jerusalem hat er welche gesehen, erwähnt aber keine Beschädigungen. Nachdem die Sieger im Jahr 1099 in der völlig intakten Grabeskirche ihrem Herrn Jesus gedankt hatten, bleibt ihm nichts anderes übrig als zu konstatieren:

Das Grab des Herren blieb wegen der Steuererhebung verschont.

MEYERS GROSSES KONVERSATIONSLEXIKON, Leipzig 1905:

Als Palästina 1076 unter die Herrschaft der Seldschuken geriet, geriet, begannen harte Bedrückungen, so dass seitdem die traurigsten Nachrichten über die Entweihung der heiligen Orte und Misshandlungen der Pilger nach dem Abendland kamen, während zugleich auch Kaiser Alexius I. um Hilfe gegen die gegen die Seldschuken bat.

Kein mitreisender Chronist des ersten Feldzugs schreibt, er habe unterwegs nach Jerusalem oder dortselbst eine zerstörte oder besudelte Kirche gesehen.

Aufruf zum Kreuzzug
Illustration 19. Jahrhundert. Ab 1110 wird das Konzil von Clermont immer grösser.
(7) Gott will es - begeisterte Historiker

Türken - die Schmach Gottes

In fast jeder illustrierten Geschichte aus dem 19. Jahrhundert wird mit solchen Genrebildern das Gemüt der Leser heimgesucht. Hier im Bildersaal deutscher Geschichte, einem in gutbürgerlichen Kreisen beliebten patriotischen Bilderbuch.

.... Als bald darauf auch Kaiser Alexius um Beistand gegen die Türken bat, beschloss Urban einen Heerzug nach dem heiligen Land zu organisieren um dies den Türken zu entreißen. Zu diesem Zeck berief er 1095 eine Kirchenversammlung nach Piacenza und später nach Clermont. Hier, wo ganze Scharen von Bischöfen, Fürsten und Herren erschienen waren, suchte der Papst mit flammenden Worten die Herzen zum Kampfe zu entflammen. „Wehe uns, dass wir stille sitzen und ruhig zusehen der Schmach Gottes. Darum auf, meine Geliebten, waffnet euch! Ablass der Sünden und ewiges Leben sei der Lohn im heiligen Streit!" Unbeschreiblich war die Wirkung. „Gott will es!" rief die Menge und viele ließen sich zum Zeichen der Teilnahme ein Kreuz an die Schulter heften.

Wie das? Hatte Urban die Kreuze vorher anfertigen lassen? Fulcher von Chartres, sofern er in Clermont war, muss die Versammlung zu früh verlassen haben. Die Stoffkreuze sah Fulcher erst unterwegs:

Viele Leute mit diesem oder jenem Ruf hörten von der Vergebung der Sünden und gelobten mir gereinigter Seele den ihnen gewiesenen Weg einzuschlagen. Oh wie wohlgefällig sahen wir alle die Kreuze aus Seide oder goldenen Bändern oder anderen schönen Stoffen, die Laien und Kleriker auf ihren Umhängen trugen.

Moderne Fachwelt mitgerissen

Die Gott-will-es-Szene ist auch in die hochseriöse Geschichtsschreibung geraten. Unter Mithilfe auch des berühmtesten unter den Historiographen der Feldzüge: Steven Runciman.

Die geistliche und weltliche Menge, welche sich einfand, war zu riesig, um in der Kathedrale, wo das Konzil bisher getagt hatte, Platz finden zu können. Also wurde der päpstliche Thronsessel auf einem Podium auf freiem Feld vor dem 0sttor der Stadt aufgestellt; und hier erhob sich Urban inmitten der versammelten Massen, um zu ihnen zu sprechen ... Urban sprach mit glühendem Eifer und aller Kunst des großen Volksredners. Der Widerhall erfolgte unverzüglich und war überwältigend. Der Ruf „Deus le volt!" - „Gott will es!" - unterbrach immer wieder seine Rede. Der Papst hatte noch kaum geendet als der Bischof von Le Puy sich von seinem Sitz erhob, vor dem Thronsessel niederkniete und um Erlaubnis bat, sich dem heiligen Zug anschließen zu dürfen. Hunderte drängten sich alsbald heran, um seinem Beispiel zu folgen ... Jedes Mitglied der Expedition sollte als Sinnbild seiner Weihe das Zeichen des Kreuzes tragen; ein Kreuz aus rotem Zeug war auf die Schulter des Überrocks aufzunähen.

(Steven Runciman, Der erste Kreuzzug, Übers. Karl Heinz Siber, München, 1981.)

Nach Lambert von Arras, Fulcher von Chartres und Bernold von Konstanz waren etwa 300 Teilnehmer angereist. Keiner von ihnen erwähnt eine Rede im Freien und eine mitgerissene Menschenmenge. Muss man das als Historiker ernst nehmen? Offenbar nicht, wenn man selbst mitgerissen ist. Und zwar vom Schwung, der für sie mit dem Kreuzzug nun in die europäische Geschichte kommt. Und mitgerissen von ihrer Vorlage, die rund 15 Jahre nach dem Konzil getextet wurde:

Als der Papst Urban in dieser urbanen Predigt dieses und mehr dieser Art gesagt hatte, da vereinte die Begeisterung alle Anwesenden als sie ausriefen: "Gott will, Gott will".

Sein wir Mal kleinlich, weil Runciman sonst so akribisch ist. Er bringt noch mehr Schwung in die Szene, in dem er die Rede gleich mehrfach unterbrechen lässt. In seiner Vorlage wird erst am Schluss geschrieen, und zwar nur: Deus vult, Deus vult. Jetzt zur dieser Vorlage.

Das Konzil ganz groß

Ein gewisser Robert genannt Monachius, weil Mönch in einem Kloster zu Reims, erhält um Jahr 1110 von seinem Abt den Auftrag, die Gesta Francorum des Anonymus zu bearbeiten. Robert erläutert im Vorwort, was seinem Vorgesetzten an der Gesta missfiel: Sie enthalte den Anfang der Geschichte in Clermont nicht und sei literarisch wertlos. Offensichtlich hat Robert seinem Abt erzählt, er sei in Clermont dabei gewesen, denn das behauptet er auch gegenüber seinen Lesern. Er tut so, als hätte er mitgeschrieben oder die Rede wörtlich memoriert, und er ist nicht der einzige Guibert von Nogent und Baldrich von Dol verfassten ihre Reden ebenfalls um 110. Thematische Berührungspunkte mit Fulcher sind nur der Aufruf zum Heerzug , die Bedrohung durch die Türken und die himmlische Entlohnung. In allen nach Fulcher verfassten Papstreden fehlen kirchenpolitische Stellungsnahmen. Neue thematische Schwerpunkte: Die Gräuel der Türken, die Entweihung der Grabeskirche und die Verheißung irdischen Gewinns. Beim Wortlaut gibt es keine Übereinstimmung. Das gilt auch für die von William von Malmesbury (um 1125) und Wilhelm von Tyros (um 1180) verfassten Reden. Das muss doch zu denken geben. Es sind also fünf längere Texte in wörtlicher Rede überliefert, aber alle weichen im Wortlaut voneinander ab. Wie auch anders, 15 oder mehr Jahre nach dem Ereignis konnte nur noch kompiliert und fabuliert werden. Die Zunft der Feldzugs-Historiker drückt sich um diese Feststellung. Die Behauptung Roberts, er habe am Konzil teilgenommen, lässt sie einfach so stehen

Schlecht informiert

Wenn Robert in Clermont dabei war, sollte man annehmen, er habe sich wenigstens Notizen gemacht. Das sieht aber gar nicht so aus. Er weiß nicht einmal, wer daran teilgenommen hat. Also fabuliert er:

In Gallien wurde im Jahre der Fleischwerdung des Herren 1095 ein großes Konzil in Alvernia abgehalten, und zwar in der Stadt, die Clara Monta genannt wird, dem Papst Urban II. mit den römischen Bischöfen und Kardinälen vorstand. Es kamen bei diesem Konzil auch viele Berühmtheiten aus Gallien und Germanien zusammen, seien es Bischöfe oder Fürsten.

Welche? Fürsten aus Germanien? Laut Fulcher stellten sich 310 Bischöfe und Äbte ein. Lambert von Arras, der die Dekrete überlieferte, zählte:

13 Erzbischöfe, 225 Bischöfe und 90 Äbte ... und viele andere Laien und Kleriker aus der Region und Provinz.

Urban hatte in Le Puy im August die französischen Kirchenfürsten nach Clermont bestellt. Von Teilnehmern aus Germanien ist in keiner Quelle die Rede, und es gab dort auch keine Resonanz. Frutolf und Ekkehard wussten ja nicht einmal, wo das Konzil stattgefunden hat.

Gräuelpropaganda mit hoher Auflage

Nachdem Robert den Kreis der Teilnehmer vervielfältigt hat, verlegt er durchaus konsequent die Schlussveranstaltung ins Freie:

Nachdem die kirchlichen Angelegenheiten erledigt waren, begab sich der Papst auf eine sehr breite Straße heraus, weil keine Kirche die Menge der Leute fassen konnte. Er sprach mit wohlklingenden Worten zu den Anwesenden.

Diese Papstrede wurde für damalige Verhältnisse massenhaft verbreitet. 87 Handschriften sind noch erhalten. Urban laut Robert:

Volk der Franken nördlich der Berge ... An Euch richtet sich unsere Rede, und Euch gilt unsere Mahnung. Ihr sollt wissen, welch traurige Gründe uns zu Euch geführt haben und welche Gefahren Euch und allen Gläubigen drohen.

Zu den Gründen gehören bei Robert nicht: Ämterkauf, die Spaltung der Kirche und die Unsicherheit auf den Straßen kein Thema.

Aus den Gebieten Jerusalems und aus der Stadt Konstantinopel erreichen uns wie schon so oft schlimme Nachrichten. Ein Volk aus dem Reich der Perser, ein fremdes Volk, ein Volk, das Gott gar nicht kennt, ein Geschlecht, dessen Herz nicht fest war, und dessen Geist sich nicht treu an Gott hielt, ist in die Länder jener Christen eingedrungen, hat sie mit Schwert, Raub und Brand verwüstet. Dieses Volk hat die Gefangenen teils in sein eigenes Land entführt, teils auch in elendem Morden niedergemetzelt und die Kirchen Gottes entweder von Grund auf zerstört oder zur Feier ihres eignen Kultes in Besitz genommen.

Außer Fulcher von Chartres teilt keiner der Redeschreiber Details über den Ablauf des Konzils mit. Daraus kann man schließen, dass er tatsächlich am Konzil teilgenommen hat. Sicher ist das keineswegs. Fulcher benutzte für seine Version die Dekrete des Konzils und kannte den Tenor oder den Wortlaut in Umlauf befindlicher Botschaften. Um 1110 lagen weitere einschlägige Texten vor, von denen Robert der Mönch Gebrauch machen konnte. Auch die Chronik Fulchers. Bei ihm leitet der Papst seine Rede so ein:

Wie den meisten von Euch schon gesagt wurde, haben sich die Türken ausgebreitet bis zum Mittelmeer, das St. Georg-Arm genannt wird. Dieses Volk aus Persien hat die Länder der Christen bis zu den Grenzen des oströmischen Reiches mehr und mehr besetzt und sie in siebenfältigem Kampf besiegt, wobei viele getötet oder gefangen wurden, Kirchen zerstört worden sind und das Reich Gottes verwüstet wurde.

Entweder hat Robert die Einleitung von Fulcher übernommen oder einen Text benutzt, der auch Fulcher vorlag. In beiden Fällen wäre zu konstatieren, das Robert zu Übertreibungen neigt. Der Papst weiter bei Robert:

Sie wandeln Altäre um, die sie mit ihren Abscheulichkeiten befleckt haben, beschneiden die Christen, und verspritzten das Blut der Beschneidung über die Altäre oder gießen es in die Taufbecken

Das Ansehen Urbans bedarf der Fürsprache Er war, nach allem was wir wissen, ein kluger Mann. Ihm zu unterstellen, er hätte so was gesagt, ist nicht gerade freundlich. Ein ihm vorliegender Bericht mit diesen Details der Gräueltaten hätte ihn schon wegen der damit verbundenen Anstrengungen stutzig machen müssen. Moderne Historiker ziehen es vor, ihrem Publikum diesen Text vorzuenthalten, trotz seiner Verbreitung und Langzeitwirkung. Unvorstellbar: Einer der Großen des Abendlandes hält eine derart detailbesessene Hetzrede und beliefert das Abendland höchst persönlich mit dem Bild vom muslimischen Untermenschen? Muss man nicht zitieren. Die Studenten des Fachbereichs können sich ja den Text besorgen, wenn die unbedingt wollen. Der Skandal wäre geringer, wenn man Urban davon freisprechen würde, diese Rede tatsächlich gehalten zu haben. Aber damit wäre natürlich die Glaubwürdigkeit Roberts erledigt, und damit auch die unverzichtbare Gott-will-es-Szene. Entweder wurden keine Nachforschungen nach Vorlagen angestellt, die Robert benutzt haben könnte, oder das Resultat missfiel. Die oben zitierten Sätze stehen nämlich fast wörtlich im sogenannten Alexios-Brief.

Denn sie beschneiden die Knaben und jungen Männer der Christen über den christlichen Taufbecken, gießen das Blut der Beschneidung aus Missachtung gegenüber Christus in dieselben Taufbecken ...

Weiter Roberts Urban:

Und denen, die sie mit einem schmählichen Tod bestrafen wollen, schlitzen sie den Bauch auf, reißen ihnen bei lebendigem Leib den Kopf ab, binden sie an einen Pfahl und treiben sie so unter Schlägen umher, bis sie, mit heraushängenden Eingeweiden, zu Boden gestreckt zusammenbrechen. Einige binden sie an einen Pfahl und beschießen sie mit Pfeilen; einige lassen den Hals ausstrecken, bedrängen sie mit blankem Schwert und probieren, ob sie ihn mit einen Streich durchhauen können.

Robert war sicher in der Lage, solche Scheußlichkeiten selbst zu ersinnen. Musste er aber nicht. Im Namen der Kirchenoberen des Erzbistums Magdeburg und mehrerer Adliger wurde um 1108 ein Aufruf zu einem Feldzug gegen die Slawen verfasst.

Oft brechen sie in unser Gebiet ein, rauben, morden, zerstören schonungslos und bedrängen uns mit ausgesuchten Foltern: die einen enthaupten sie und opfern ihre Köpfe den Dämonen. Anderen reißen sie die Eingeweide heraus, binden die abgeschnittenen Hände und Füße zusammen und verhöhnen unseren Christus: Wo ist deren Gott? Andere lassen sie gefesselt mit noch größeren Qualen ein Leben fristen, das elender ist als jeder Tod, weil sie lebendig mit ansehen müssen, wie sie durch das Abschneiden der einzelnen Glieder zu Tode gequält werden und wie ihnen schließlich der aufgeschnittene Bauch erbärmlich ausgeweidet wird.

Die im Alexios-Brief ausgebreiteten Obszönitäten erspart Robert seinen Lesern:

Was soll ich sagen über die gotteslästerliche Schändung der Frauen, worüber zu sprechen ärger ist als zu schweigen? Das Reich der Griechen ist von ihnen schon so verstümmelt und zu ihren Gebräuchen überführt worden, dass es in nicht zwei Monaten durchwandert werden kann.

Hass & Habgier & Seelenheil

In den Aufruf-Texten wird inzwischen unverblümt dazu aufgefordert, sich zu bereichern. Urban laut Robert:

Entreißt jenes Land dem gottlosen Volk und unterwerft es Euch, jenes Land ... darin Milch und Honig fließen. Jerusalem ist der Nabel Welt, ein Land fruchtbarer als alle anderen, gleichsam ein zweites Paradies der Lustbarkeiten.

Aufruf gegen die Slawen:

Die Heiden hier sind übel, ihr Land aber ist höchst ergiebig an Fleisch, an Honig, an Mehl an Vögeln. Und wenn es sorgfältig bebaut wird, wird ein solcher Überfluss an allem Wachstum aus der Erde sein, dass kein Land mit ihm verglichen werden kann.

Aus dem Handbuch für Prediger? Zentraler Versand von Textbausteinen für Aufruf-Schreiber? Unwahrscheinlich. Aber eine gewisse Standardisierung ist offensichtlich eingetreten. Tendenz: Radikalisierung. Das Motiv der Befreiung der Ostchristen in Anatolien lässt Robert weg, sie galten ja inzwischen als Feinde.

Das heilbringende Jerusalem

Feindbildpflege. Angelehnt an den Alexios-Brief sagt Roberts Papst noch:

Anregen soll Euch vor allem das Heilige Grab des Herrn, unseres Retters, das von unreinen Völkern besetzt gehalten wird, und die Heiligen Stätten, die entehrt und besudelt werden mit deren Unreinheiten.

Marketing. Die Vertreibung der unreinen Völker vom Heiligen Grab stand um 1110 nicht mehr an, sondern seine Verteidigung. Grund genug, weiter für die Kreuznahme zu werben.

Jerusalem ist der Nabel Welt, ein Land fruchtbarer als alle anderen, gleichsam ein zweites Paradies der Lustbarkeiten ... Sie ist deshalb die königliche Stadt, in der Mitte des Erdkreises gelegen, nun von ihren Feinden besetzt gehalten und von Menschen, die Gott nicht kennen, und sie dient nun heidnischen Zeremonien ... Begebt Euch auf diesen Weg zur Vergebung Eurer Sünden, dann ist Euch der unvergänglicher Ruhm des Himmelreiches gewiss.

Die hohe Produktivität der Kopisten zeugt von dem Bemühen der Kirche, eine Kreuznahme-Stimmung aufrecht zu erhalten. Sie förderte die Bereitschaft zum Kirchebesuch, Geld zu spenden und in die Feudalstaaten im Nahen Osten überzusiedeln. Vor allem das Königreich Jerusalem war ständig in militärische Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn verwickelt und daher wie der Staat Israel auf Nachschub aus dem Westen angewiesen. Robert übertreibt und kompiliert ganz offensichtlich, um etwas zu propagieren und nicht, um einen Beitrag zur Geschichtsschreibung zu leisten. Womit sich die Frage stellt, was Historiker betreiben, die seinen Bericht übernehmen, ohne seine Zuverlässigkeit zu erörtern. An Robert Geschick als Werber gibt es keinen Zweifel. Am Ende verklärt Robert das Unternehmen Ostkolonisierung, in dem er auch der Anfang verklärt: Das Konzil zu Clermont.

Gottes Wille


Jetzt kommt die Szene, mit der Robert es geschafft hat, in jedem Lexikon und sonst wo zitiert zu werden.

Als der Papst Urban in dieser urbanen Predigt dieses und mehr dieser Art gesagt hatte, da vereinte die Begeisterung alle Anwesenden als sie ausriefen: Gott will! Gott will. Als der ehrwürdige römische Bischof das hörte, wandte er die Augen zum Himmel, dankte Gott, gebot mit der Hand Schweigen und sprach:

...obwohl nämlich Eure Stimme zahlreich klang, hatte sie doch einen gemeinsamen Ursprung. Deshalb sage ich Euch, dass Gott, der sie Euren Herzen eingegeben hatte, sie aus Euch herausbrachte. Es sei also dieser Ruf für Euch im Krieg ein Schlachtruf, denn dieses Wort ist von Gott eingesetzt. Wenn Ihr im Angriff mit Gewalt gegen den Feind stürmt, sei für alle auf der Seite Gottes dies der einzige, Ruf: „Gott will! Gott will!"

Fulcher von Chartres lässt den Papst sagen: Christus befiehlt es. Dass Robert weiter geht, hat gute Gründe. 1101 wurden drei Expeditionscorps unterwegs völlig aufgerieben, und die Kolonien schwebten ständig in der Gefahr, überrannt zu werden. Für den Fall des Scheiterns menschlicher Vorhaben ist es christlicher Brauch darauf hinzuweisen, gewaltet habe letztlich der Wille Gottes. Und das kling auch heute noch gut: Es war ein Desaster, aber ein von Gott gewolltes.

Stoffkreuze, Nadel und Faden zur Hand

Wer sich entschlossen hat, diese heilige Pilgerschaft anzutreten und Gott gelobt sich als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen, der trage das Zeichen des Herrn an seiner Stirn oder Brust vor sich her.

In der späteren Poetik wurden die Kreuze rot, seiden und auf der Stelle zugeschnitten und aufgenäht. Dabei bleibt offen, ab auch Damen dabei waren, die den Entflammten mit Nadel und Faden zu Hand gingen. Für die Verwandlung der Szenerie in eine Schneider-Werkstatt ist Baudri von Deuil verantwortlich, der seine Papstrede wie Robert um 1100 komponierte.

Als der apostolische Herr dieses und anderes mehr den Anwesenden gehörig bekannt gemacht hatte, brachen die einen in Tränen aus, andere zitterten oder redeten darüber. Sofort nähten alle das Zeichen des heiligen Kreuzes auf ihre Oberkleider.

Die Gründe für die anhaltende Werbe-Kampagne

In der Praxis der nächsten Feldzüge wird die Kreuznahme zunehmend mit einem Gelübde verbunden. Die Ablösung des Eides konnte durch eine geldliche Buße erfolgen. Die neue Finanzquelle mündete in das exzessive Ablasswesen, das Luther und Adel zum Eingreifen veranlasste. Es gab also nach der Eroberung Jerusalems hinreichende Gründe für eine Fortsetzung und Verschärfung der Propaganda. Die Papstreden und der Alexios-Brief dürften den Predigern als Vorlagen gedient haben. Roberts Chronik wurde eine Art Bestseller. Im 15. Jahrhundert lagen dann auch für den deutschen Laien Übersetzungen vor:

... und das blüt der besnydunge daz gießent sie uff die elter ... und die sie wollent schemelich doten, den durchgrabent sie den nabel ... waz soll ich sagen von der bosen süntlichen notzogünge der fraüwen? Ist da von besßer geswigen dann geredt ...

Das Rührstück hat Bestand

Wenn die Ausschmückungen erst mal losgetreten sind, ist kein Kraut mehr gegen sie gewachsen. Im Widerspruch zu den Darstellungen von Fulcher, Lambert und Bernold und trotz der dürftigen frühen Resonanz des Konzils hat sich die abendländische Geschichtsschreibung für die Inszenierungen von Robert und Baudri entschieden und sogar weiter ausgemalt. Baudri und die anderen Kollegen müssen übrigens gerade eingeschlafen sein, als das Robertsche deus vult aufbrauste. Es kommt jedenfalls bei ihnen nicht vor. Die Verfasser der Nachschlagewerke braucht es nicht zu kümmern, weil sie sich auf die Elite der Feldzugshistoriker berufen können. Siehe oben Steven Runciman. Auch an Hans Eberhard Mayers Geschichte der Kreuzzüge (Stuttgart 1985) kommt kein Student der Materie vorbei. Und liest dann auf Seite 14:

Der Erfolg dieser Ansprache muss außerordentlich gewesen sein. Deus lo volt, Gott will es, so brach der Ruf aus der Masse hervor. Der Bischof Adhemar von Le Puy, ohne Zweifel schon seit längerem in die päpstlichen Pläne eingeweiht, nahm als erster das Kreuz, und viele der Versammelten taten es ihm nach. Gewänder mussten zu Stoffkreuzen zerschnitten werden, die die Einzelnen sich bei der Kreuznahme in Nachfolge Christi (Matth. 10, 38) auf die Schulter hefteten.

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(8) Exkurs: Der Schlachtruf

War Papst Urban ein Rohling?

Laut Fulcher von Chartres sagte Papst Urban Christus befiehlt es. Wenn es so war, hat er das Unternehmen gemeint und sich etwas dabei gedacht. Oder der kenntnisreiche Fulcher hat verantwortungsbewusst überlegt, was Urban gesagt haben könnte: Christus hat Petrus eingesetzt und die Päpste sind die Nachfolger Petri. Konnte ein theologisch gebildeter Papst Christus übergehen? Eher nicht. Konnte er gar Gott will es zum Schlachtruf zu deklarieren? Urban wusste wie jedermann, dass die von ihm Entsandten beim Sturm auf Städte Frauen und Kinder nicht verschonen würden. Alle Kriegführenden nahmen die Bräuche hin, im Lichte diverser Worte Jesu hatte also eine ziemliche Verrohung um sich gegriffen. Als deren Gipfel musste es erscheinen, jemandem das Schwert in den Leib zu rennen und dabei zu rufen Gott will es. Urban kann freigesprochen werden. Robert der Mönch brauchte weder sein Gedächtnis zu bemühen, noch seine Phantasie. Er hat das Deus vult, Deus vult gelesen. Und zwar in der Gesta Francorum, die er im Auftrag seines Abtes bearbeitete.

Als der kriegsstarke Bohemund Amalfi belagerte, hörte er von der Ankunft unzählbarer christlicher Völker aus Frankreich, die auf dem Weg zum heiligen Grab waren, bereit gegen die Heiden zu kämpfen. Er erkundigte sich vorsichtig, welche Waffen sie mit sich führten, welches Zeichen sie trugen und wie ihr Schlachtruf lautete. Man sagte ihm: Sie sind gut bewaffnet, sie tragen das Zeichen des Kreuzes Christi auf dem rechten Arm oder zwischen den Schultern und in der Schlacht rufen sie mit einer Stimme: Deus vult, Deus vult.

Die bekreuzten Herren waren unterwegs zu Einschiffung, hatten also noch keine Schlacht geschlagen. Wer sich das Deus vult ausgedacht, bleibt offen.

Der Schlachtruf in der Gesta Francorum

Haben die christlichen Streiter je versucht, bei ihren Feinden im Getümmel mit der Mitteilung Gott will es Eindruck zu schinden? Der Autor der Gesta lässt die milites Christi oder peregrini unterwegs in Anatolien in mehreren Schlachten stumm zu Werke gehen. Ebenso bei etlichen Gefechten vor Antiochia, der zweitgrößten Stadt Ostroms. Nach mehrmonatiger Belagerung können einige Mannen durch Verrat drei Türme der Stadt kampflos einnehmen.

Dann riefen sie freudig mit einer Stimme Deus vult und wir antworteten mit den gleichen Worten.

Kein Schlachtruf, ein sondern eher ein Dankeschön. Der Vortrupp öffnet die Tore von innen.

Alle kamen angerannt so schnell sie konnten, drangen durch die Tore in die Stadt ein und töteten alle Sarazenen und die Türken, die sie vorfanden ... Alle Straßen der Stadt lagen voller Leichen, so dass es vor Verwesungsgeruch nicht auszuhalten war. Man konnte in den engen Gassen nicht gehen, ohne auf Leichen zu treten.

Dass auch viele orientalische Christen den Siegern im Weg lagen, hat der Autor entweder nicht bemerkt oder er hielt es nicht für bemerkenswert. Selbst in der Gesta wird der angeblich offizielle Schlachtruf also nicht als solcher benutzt

Die Schlachtrufe bei den anderen Augezeugen

Fulcher von Chartres hatte die Hauptarmee vor dem Sturm auf Antiochia verlassen, um dem Anführer Balduin bei der Konsolidierung der ersten lateinischen Kolonie, der Grafschaft Edessa, behilflich zu sein. Für die Ereignisse um Antiochia benutzt er daher die Gesta, aber das Deus vult gefällt ihm offenbar nicht.

In der vereinbarten Nacht ermöglichte der Türke 20 unsrer Männer mit Strickleitern die Mauer zu ersteigen ... Die Franken riefen mit lauter Stimme Deus hoc vult, Deus hoc vult.

Das wollte Fulcher gut christlich wohl nicht für jede Kriegshandlung gelten lassen. Jedenfalls schränkte er ein:

... das war unser Schlachtruf, wenn wir zu guten Taten schritten.

Mit dem Gemetzel in Antiochia hatten sich die Pilger gute Taten betreffend offenbar verausgabt. Bei allen Chronisten produzieren die Pilger in Jerusalem dann ganze Leichenberge ohne Worte. Als sie es dann mit einer großen ägyptischen Armee zu tun bekommen, rufen sie laut Fulcher mit angebrachter Demut nur um Hilfe:

Sie stürzten sich auf die feindlichen Kohorten und schrieen Gott hilf (adiuva Deus).

Raimund von Aguilers teilt eine Reihe von Schlachtrufen mit. Beim ersten Mal geht es pikanter Weise gegen Ostchristen in der Stadt Roussa bei Konstantinopel. Der Anführer ist der Graf Raimund von Toulouse und St. Gilles.

Bald darauf erreichten wir Roussa. In dieser Stadt strapazierte die offene Ablehnung der Bürger die uns eigene Langmut, so dass wir zu den Waffen griffen, die äußeren Mauern niederrissen, große Beute machten und die Stadt durch Übergabe einnahmen. Dann zogen wir weiter, nachdem wir unsere Fahne über der Stadt aufgezogen hatten und riefen Tolosa, den Schlachtruf unseres Grafen.

Gefecht vor der Einnahme der Stadt Antiochia. Raimund:

Von 150 Mann zu Fuß begleitet, kniete der edele Ritter Isoard von Ganges nieder, erflehte den Beistand Gottes und feuerte seine Genossen mit den Ruf an: Vorwärts christliche Krieger (eia milites Christi). Darauf stürzten sie sich auf die Türken.

Ein Schlachtruf wirkt tödlich. Es geht gegen 30.000 Sarraceni. Raimund:

In unserer Not stießen wir unseren Schlachtruf aus: Gott hilf, Gott hilf uns (Deus adjuva, Deus adjuva). Fast hundert unserer verwirten Feinde blieben vor Schreck tot liegen.

Gestaltungsfreiheit beim Gegner-Erschrecken. Die Krieger Christi waren offensichtlich nicht auf einen Schlachtruf festgelegt, und schon gar nicht auf deus vult.

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Judenpogrom und Kreuzpredigt
Ein Mönch namnes Radulf wirbt 1147 in mehrern Städten für die Kreuzzahme und forderte dabei zur Vernichtung der Ungläubigen auf. Der Würzbuger Maler Martin Seger bebilderte um 1550 die Bischofschronik des Lorenz Fries. Seger macht den Zusammenhang zwischen Predigt und Juden-Pogrom sozusagen übersichtlich. Fol. 100v.
(9) Feindbild, Kreuzzug und Judenpogrom

Hasspredigt

Wie schon dargelegt, konnten die Prediger nicht damit rechnen, dass die Angesprochenen aus schierem Mitleid mit den ihnen gar nicht bekannten Ostchristen dazu bereit waren, Geld zu spenden oder sich in Marsch zu setzen. Aber jeder Gläubige kannte die Erzählungen vom Leiden Jesu und den Heiligen Stätten. Damit konnte man um 1095 die Gemüter entflammen:. Mit einfachen Worten, die jeder verstand. Albert von Aachen:

Ein Priester, Peter mit Namen, hat als erster zu diesem Zug aufgefordert ... und als Prediger mit allen Künsten das Volk dafür gewonnen.

Jesus laut Albert von Aachen in der Peter-Erzählung.

Peter, du liebstes meiner Erdenkinder ... entflamme die Herzen der Gläubigen, Jerusalem und die heiligen Stätten zu säubern und den Dienst in den Heiligtümern wiederherzustellen ...

Der Chronist Frutolf von Michelsberg:

Im Jahr des Herrn 1096 ... Ihre Leidenschaften waren aufgewühlt durch zahlreiche Botschaften über die Bedrängnis des Heiligen Grabes und die Verwüstung aller derjenigen Kirchen, die das wilde Volk der Türken vor einigen Jahren seiner Herrschaft unterworfen und durch unerhörte Beschwernisse allmählich zerstört hatte.

Das Volk der Türken sollte also die heiligen Stätten verunreinigt haben. Nun kannte das Volk aber die Erzählung von einem noch größeren Verbrechen, das andere begangen hatten. Nämlich die Erzählung, die da lautet, die Juden haben Jesus ans Kreuz geschlagen

Juden waren nicht rechtlos

Ab dem 7.Jahrhundert häufen sich kirchliche Dekrete zwecks Ausgrenzung der Juden. Beispiele: Christen durften keine Jüdinnen heiraten und nicht an den Mahlzeiten der Juden teilnehmen. Juden durften nach Gründonnerstag vier Tage lang nicht unter Christen erscheinen etc. Aber die Juden waren nicht vollkommen rechtlos, weder nach kirchlichem noch nach feudalem Recht. Niemand durfte ungestraft Juden töten oder bestehlen. Das Konzil von Toledo verbot im Jahr 633 die Zwangstaufe. Kurz: Die Institutionen, vor allem die kaiserlichen, beschützen die jüdischen Gemeinden. Das half ihnen aber nicht, wenn sie es mit aufgebrachten Mengen zu tun bekamen. Dass Gemütserrungen zu Pogromen führen können, lehrte schon damals die Erfahrung. Kaiser Heinrich IV. hatte seine kirchlichen und weltlichen Gefolgsleute vorsorglich beauftragt, die Juden zu schützen. Herzog Gottfried von Bouillon, Anführer der reichszugehörigen Pilger, sicherte den Gemeinden von Köln und Mainz gegen Zahlung von tausend Silbermark zu, sie zu beschützen. Das konnte er gar nicht.

Feinde Gottes rechtlos

Laut Albert von Aachen beriefen sich die Täter sich auf ihren mit dem Feldzug verbundenen Auftrag.

Darauf, ich weiß nicht ob nach Gottes Ratschluss oder aus irgendeiner Verirrung des Geistes, erhoben sie sich in einem Anfall von Grausamkeit gegen das jüdische Volk, das zerstreut in verschiedenen Städten wohnte, und richteten unter ihm ein höchst grausames Blutbad an, und zwar vor allem im lothringischen Reich, und versicherten, dies sei der Anfang ihres Zuges und ihres Gelöbnisses gegen die Feinde des christlichen Glaubens.

Aufrufe zu Feldzügen im Namen des Kreuzes, also letztendlich Gottes, gehören von nun ab zum politischen Instrumentarium der Kirche. Schon beim ersten Feldzug kommt es zur Praxis, die Gegner nicht als Geschöpfe Gottes oder wie wir heute schlicht sagen Menschen anzusehen. Diese Sicht war insofern zweckmäßig, als sie die umstandslose Enteignung und Tötung dieser Feinde Gottes erlaubte. Die Kirche hat sich dann nicht von dieser Vorstellung distanziert, sondern sie in einem Ideengebäude verankert, das Gesellschaftswissenschaftler heute als Kreuzzugs-Ideologie bezeichnen.

Feindbild übertragen

Ob Prediger dazu aufgerufen haben, die jüdischen Gemeinen anzugreifen, wissen wir nicht. Sofern das rechtliche Konstrukt, das Leben und Eigentum der Juden schützte, von christlichen Mitbürgern respektiert wurde, genügte offensichtlich die Predigt von den Feinden Gottes entsprechende Hemmschwellen abzubauen. Der jüdische Chronist Solomon bar Simson:

Es geschah, dass sie durch Städte zogen, in denen Juden wohnten. Sie sprachen zueinander: Seht an, wir sind auf einer langen Reise zum Grab, um uns an den Anhängern des Islams zu rächen, obwohl doch mitten unter uns die Juden sind, deren Vorväter ihn ermordeten und kreuzigten, ohne einen Grund zu haben. Lasst uns zuerst an ihnen Rache nehmen und sie unter den Völkern ausrotten, so dass der Name Israels aus der Erinnerung schwindet, oder lasst sie unseren Glauben annehmen.

Propaganda? In seiner Schrift De vita sua beschreibt auch der christliche Chronist Guibert von Nogent diesen Mechanismus:

In Rouen hoben die Bekreuzten eines Tages an untereinander zu klagen: Wir wollen die Feinde Gottes im Orient angreifen, wofür weite Landstriche zu durchmessen sind, wo hier vor unseren Augen doch die Juden sind, das gottesfeindlichste Volk unter allen. Das ist die verkehrte Reihenfolge der Arbeit, sagten sie. Auf diese Worte hin ergreifen sie die Waffen und treiben sie, ich weiß nicht ob mit List oder Gewalt, in eine Kirche und überantworten sie ohne Ansehen von Geschlecht oder Alter ihren Schwertern. Nur wer sich der Taufe unterwirft, entgeht dem drohenden Schwertstreich.

Aussicht auf Beute

Waren sie aufgebrochen, um die besudelten Kirchen zu reinigen oder christlichen Brüdern zu helfen? Die Augenzeugen berichten von keiner einzigen Tat in dieser Richtung, weder unterwegs noch am Ziel. Laut der Schilderung des Chronisten Fulcher von Chartres waren die innergesellschaftlichen Umgangsformen so roh, dass der Zwang zu Selbstbehauptung selbstloses Handeln ausschloss. Aufrichtige Empörung schließt rationale und eigennützige Erwägungen ja nicht aus. Eine Pilgerfahrt verhieß Seelenheil und Heilung körperlicher Gebrechen, ein Feldzug eröffnete die Aussicht auf Beute. Und zwar auch unterwegs. Der Pilgerzug des Peter von Amiens erreichte Anfang April 1096 die Stadt Trier. Peter garantierte den Schutz der jüdischen Gemeinde, verlangte dafür aber die Versorgung seiner Leute. Solomon bar Simson kommentiert die Erpressung:

Als er hierher kam, verloschen unsere Seelen, brachen unsere Herzen, wir begannen zu zittern und unser Fest verwandelte sich in Trauer ... Wir versorgten den Priester Peter und er zog weiter.

Die Juden von Trier konnten sich also loskaufen. Aber ihre düsteren Ahnungen sollten sich kurz darauf bestätigen.

Allgemeine Bereicherung

Am 3. Mai 1096 rückte ein Haufen Bekreuzter unter Graf Emich von Leiningen in Speyer ein, um die jüdische Gemeinde anzugreifen. Wie in anderen Städten stellte auch hier der Bischof die Juden gegen Bezahlung unter seinen Schutz. Trotzdem wurden elf Mitglieder der Gemeinde umgebracht, weil sie die Taufe ablehnten Auch in Worms versuchte der Bischof die Juden zu schützen. Doch seine Waffenknechte waren machtlos: Solomon bar Simson:

Der Feind riss ihnen die Kleider vom Leibe, trieb sie zusammen und brachte sie um. Nur wenige, die sich mit profanem Wasser taufen ließen, wurden geschont ... Sie nahmen die Thora-Rolle, traten sie in den Schmutz und verbrannten sie. Wer im Hause blieb, wurde von diesen Wölfen umgebracht, Männer, Frauen, Kinder und Alte. Sie rissen die Treppen ab, zerstörten die Häuser, raubten und plünderten. Der Feind verschlang die Kinder Israels mit offenem Maul ... In zwei Tagen wurden ungefähr achthundert erschlagen und nackt verscharrt.

Emichs Haufe zog weiter und stand am 25. Mai vor Mainz. Die Obrigkeit hatte angeordnet, die Tore zu schließen. Solomon bar Simson über die Ereignisse in Mainz:

Als der Bösewicht auf seinem Weg nach Jerusalem in Mainz ankam, gingen die Älteren der Gemeinde zu ihrem Bischof, Ruthard, und gaben ihm 300 Mark in Silber ... Der Bischof und der Stadtobere stimmten dem Ansinnen der Juden zu und sagten: Wir werden mit euch sterben oder mit euch am Leben bleiben.

Die Juden finden Zuflucht im Palast des Bischofs. Einige Bürger, wohl selbst scharf auf die Habe der Juden, öffneten die Stadttore. Der Chronist:

Die Juden bewaffneten sich im inneren Hof des Bischofs und drangen zum Tor vor, um gegen die Irrgläubigen und Bürger zu kämpfen. Beide Seiten kämpften am Tor, aber durch ihre Angriffswut überwältigte sie der Feind und eroberte das Tor ... die Leute des Bischofs, die versprochen hatten, zu helfen, flohen als erste ... der Bischof selbst floh in die Kirche, weil sie ihn töten wollten, da er zugunsten der Juden gesprochen hatte. Die Frauen gürteten ihre Lenden mit Stärke und schlachteten ihre Söhne und Töchter und dann sich selbst. Viele Männer nahmen ihre Kraft zusammen und schlachteten ihre Frauen und Kinder und Säuglinge. Die sanfteste und zarteste Frau schlachtete das Kind ihrer Freude. Sie alle erhoben sich, Männer wie Frauen, und schlachteten sich gegenseitig.

Übertrieben, weil voreingenommen? Albert von Aachen:

Der Bischof nun, der geistliche Oberhirt der Stadt, nahm eine ganz unerhörte Menge Geldes aus den Händen der Juden entgegen und legte es in sorgsame Verwahrung. Die Juden selbst versammelte er, zum Schutze vor dem Grafen Emicho und seinem Gefolge, im geräumigsten Saale seines Hauses und dort blieben sie auch in sicherer und wohlbefestigter Unterkunft heil und unverletzt. Aber Emicho und seine ganze Schar hielten Rat und bei Sonnenaufgang griffen sie mit Pfeilen und Lanzen die Juden im bischöflichen Saale an, brachen Riegel und Türen auf, überfielen die Juden, ungefähr 7oo an der Zahl, die vergebens dem Ansturm von so vielen Tausenden Widerstand zu leisten suchten, trieben sie heraus und machten sie alle nieder. Auf gleiche Weise schlachteten sie auch die Weiber ab. Und auch die zarten Kinder beiderlei Geschlechts ließen sie über die Klinge springen. Die Juden aber, da sie nun sahen, wie die Christen sich gegen sie und ihre Kinder erhoben und kein Alter verschonten, ergriffen nun gegen sich selbst und gegen die eigenen Glaubensbrüder die Waffen, gegen die eigenen Kinder und Weiber, Mütter und Schwestern und töteten sich in gegenseitigem Morden. Mütter schnitten, was zu erzählen schon Sünde ist, mit dem Messer ihren saugenden Kindern die Gurgel ab, andere durchbohrten sie. Denn sie wollten alle lieber von eigenen Händen als durch die Waffen der Unbeschnittenen fallen.

Auch in Köln nehmen Mitbürger die Gelegenheit wahr. Albert von Aachen:

Dieses Judenmorden wurde zuerst in Köln von den Bürgern verübt: unvermutet fielen sie über eine kleine Zahl von Juden her und machten die meisten von diesen mit schweren Verwundungen nieder, zerstörten ihre Häuser und Synagogen und verteilten unter sich das meiste von dem erbeuteten Geld. Als die andern Juden solche Grausamkeit sahen, machten sie sich, ungefähr 200, in der Stille der Nacht auf die Flucht und suchten zu Schiff nach Neuß zu entkommen. Aber die Pilger und die mit dem Kreuz Gezeichneten, als sie davon erfuhren, ließen auch nicht einen von den Fliehenden am Leben, sondern richteten unter ihnen das gleiche Morden an und raubten ihnen all ihre Habe.

Reichlich Gepäck

Albert von Aachen bedauert die Pogrome:

So grausam also wurden die Juden hingemordet .... und nun setzten, beladen mit der jüdischen Beute, Emich ... und diese ganze unerträgliche Gesellschaft von Männern und Weibern ihre Fahrt nach Jerusalem fort ...

Frutolf von Michelsberg hält zwar die Juden für Feinde der Kirche, überlässt aber das Urteil über die Vorgänge keinem Geringeren als Gott. Dass Habgier eine Rolle spielte, lässt er durchblicken.

In den Städten, die sie durchzogen, vernichteten sie die verruchten Überreste der Juden als die in Wahrheit inneren Feinde der Kirche entweder völlig oder zwangen sie, in der Taufe Zuflucht zu suchen, die meisten von ihnen kehrten jedoch später, wie die Hunde zum Erbrochenen, wieder zum früheren Glauben zurück. Ob dies nach dem Urteil Gottes geschah oder ob ihm das gefiel, muss ihm selbst überlassen bleiben. Seitdem führten die meisten Teilnehmer reiches Gepäck mit sich ...

Ekkehard von Aura sieht dagegen christlichen Eifer am Werk:

Auch machte sich damals der kriegerische Emicho auf, ein Graf im Rheinland ..., und riss nun die Führung über fast 12 000 Bekreuzte an sich. Sie wurden durch die Städte an Rhein, Main und Donau geführt, und wo sie das verdammenswerte Volk der Juden antrafen. Da diente ihnen der christliche Eifer dazu, es entweder völlig zu vernichten oder es in den Schoß der Kirche zu treiben.

Die plündernden und mordenden Bekreuzten hatten keinen Grund, sich mit Taufen aufzuhalten. Gegenüber Getauften entfiel der Vorwand, sie hätten es mit Rechtslosen zu tun. Offenbar griff in einigen Städten die Geistlichkeit zum Mittel der Zwangstaufe, um die Juden vor dem Schlimmsten zu bewahren. So etwa in Regensburg. Solomon bar Simson:

Die Bürger der Stadt trieben sie zum Fluss. Dann machten die Feinde ein schlimmes Zeichen über dem Wasser, waagrecht und senkrecht und befleckten sie alle gleichzeitig im Fluss, denn es waren sehr viele. Sie kehrten zum Herrn zurück, sobald der Feind weitergezogen war.

Aufrufe zu Kreuzzügen und die damit einsetzende Propaganda werden immer wieder Judenpogrome auslösen. Quasi automatisch.

Ein Verbrechen, für den Kaiser

Eine Stellungnahme von Papst Urban ist nicht überliefert. Dass sein Aufruf zum Feldzug dem Landfrieden gedient habe, kann man so nicht sagen. Kaiser Heinrich IV. hat nach seiner Rückkunft aus Italien die Übertretung seiner Erlasse geahndet. Frutolf:

Im Jahr des Herrn 1098. In Mainz ließ der Kaiser eine gerichtliche Untersuchung über das Vermögen der getöteten Juden anstellen. Von den am Raub beteiligten wurden auch einige aus der Verwandtschaft des Erzbischofs beschuldigt. Als der Kaiser nach ihnen forschte, sind sie jedoch nicht vor ihm erschienen. Da der Bischof ihre Sache nicht verteidigen konnte, verließ er verbittert die Stadt.

Der Kaiser hat den zwangsgetauften Juden dann erlaubt, zu ihrem Glauben zurückzukehren, obwohl Urbans Nachfolger Paschalis Protest einlegte.

Grabeskirche sauber und einträglich

Der Chronist Ekkehard von Aura behauptet, er habe die Verunstaltung von Kirchen mit eigenen Augen gesehen

Die Türken ... eroberten zunächst Nikäa, einst fester Turm des katholischen Glaubens ... und verschonten keinen Christen, keine Kirche, kein Kloster, ja nicht einmal die Bilder der Heiligen. Wir sahen nämlich ... in den zur Hälfte zerstörten Kirchen jenes Gebietes die Bilder selbst unseres Erlösers und seiner glorreichen Mutter oder anderer Auserwählter ... die Beschädigung an Nasen und Augen, Händen und Füssen ...

Ekkehard lügt, er hat nach eigenen Angaben - allerdings an anderer Stelle seiner Chronik - keinen Fuß auf jenes Gebiet gesetzt. Im Rahmen der Feldzüge des Jahres 1101 reiste Ekkehard von Aura nämlich über die Landroute nach Konstantinopel und von dort weiter per Schiff nach Jaffa in Palästina. Hier mussten die Pilger ausharren bis ein Entsatzheer die ägyptischen Truppen vor der Stadt vertreiben konnte. Ekkehard löste in Jerusalem sein Gelübde ein, bewunderte in der Grabeskirche die Lampen, die vom Himmel her angezündet wurden und kehrte nach Jaffa zurück.

Nachdem wir uns am 2., September in Joppe (Jaffa) eingeschifft hatten, gelangten wir in der Karwoche nach Rom.

Ekkehard kann also keine Kirchen in Anatolien gesehen haben. In Jerusalem hat er welche gesehen, erwähnt aber keine Beschädigungen. Nachdem die Sieger im Jahr 1099 in der völlig intakten Grabeskirche ihrem Herrn Jesus gedankt hatten, bleibt ihm nichts anderes übrig als zu konstatieren:

Das Grab des Herren blieb wegen der Steuererhebung verschont.

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kreuzzuege
Mittelalter Kreuzzüege
Links: Gemetzel in der al-Aqsamoschee. Nach der Niedermetzelung aller Bewohner Jerusalems begeben sich die Kreuzritter in die unbeschädigte Grabeskirche, um Gott zu danken. Miniaturen um 1490. (Bildnachachweis 8 und 9)
(10) Robuste Walfahrt

Es war vorhersehbar

Die Chronisten verschweigen nicht, dass die Bekreuzten unterwegs auf der Balkanroute entlang der Donau ihren römisch-katholischen und orthodoxen Mitbrüdern übel mitgespielt haben. Ihre Erklärung läuft darauf hinaus, dass es nicht anders kommen konnte. Ekkehard von Aura:

Der Feind, der immer wacht, wenn andere schlafen, zögerte keinen Augenblick, unter die gute Saat Unkraut zu säen, falsche Propheten zu erwecken und unter die Heere des Herrn falsche Brüder und ehrlose Weiber zu mischen, unter dem Schein der Frömmigkeit. So wurden durch die Heuchelei und Lügen der einen und durch die abscheuliche Befleckung der anderen die Herden der Christen beschmutzt.

Als sei das nicht vorhersehbar gewesen. Papst Urban II. hat die Entwicklung zu einem Massenaufbruch offenbar mit einiger Sorge beobachtet . Jedenfalls versuchte er im Herbst 1096, den Teilnehmerkreis einzuschränken. Brief an die Bologneser vom 19. September 1095.

Wir erlauben weder Klerikern noch Mönchen ohne die Genehmigung ihres Bischofs oder Abtes dorthin zu gehen. Weiterhin möge es den Bischöfen angelegen sein, ihre Pfarrkinder nicht ohne Rat und Fürsorge der Geistlichen ziehen zu lassen. Bei verheirateten jungen Männern ist dafür Sorge zu tragen, dass sie die Reise nicht leichtfertig antreten, ohne an ihre Ehefrauen zu denken.

Das Personal, das dem Ruf der Kirche und der Prediger gefolgt war, beschreibt Albert von Aachen so:

Und als all diese Gruppen aus den verschiedenen Reichen und Städten sich zusammengefunden hatten, begannen sie ein ganz maßloses Schmausen, denn sie hatten sich nicht von Unberufenen freigehalten, von Sündern und Unzüchtigen. Und mit den Weibern und Mädchen, die zu gleichem leichtfertigen Tun ausgezogen waren, war ein beständiges Ergötzen. Und im höchsten Übermut war überall ein Rühmen und Prahlen über die Aussichten dieses Zuges.

Offenbar hatten es die Propagandisten versäumt, auf die Dauer und Gefahren der Reise hinzuweisen und die Kampfkraft des Volkes der Türken zu würdigen. Guibert von Nogent:

Die Armen beschlugen ihre Ochsen mit Eisen, spannten sie vor zweirädrige Karren, luden darauf ihre winzigen Vorräte und kleinen Kinder und zogen sie so hinter sich her. Sobald die Kleinen eine Burg oder eine Stadt sahen, fragten sie, ob das Jerusalem sei ...

Der Chronist Wilhelm von Tyrus erläutert die Motive:

Da trennte sich der Mann vom Weib und das Weib vom Mann, der Vater vom Sohn und der Sohn vom Vater, da war kein Band der Liebe, das diesen Eifer behindert hätte. Sogar Mönche kamen aus ihren Klöstern ... Doch waren nicht alle durch die Liebe zu Gott zu ihrem Entschluss gekommen ... Viele schlossen sich an, um ihre Freunde nicht zu verlassen, oder um nicht als träge zu gelten, oder aus Leichtsinn, oder damit die Gläubiger, bei denen sie schwer verschuldet waren, das Nachsehen hätten ...Verschieden waren also die Beweggründe, aber alles eilte herbei.

Laut Albert von Aachen hatte sich eine Abteilung der Christenheit in Bewegung gesetzt, die für sie repräsentativ war.

Peter der Einsiedler ... bewegte Bischöfe, Äbte, Kleriker und Mönche, die vornehmsten Weltlichen, die Fürsten verschiedener Reiche und endlich die ganze Menge des Volkes, Keusche und Unkeusche, Ehebrecher, Mörder, Diebe, Meineidige, Räuber; die ganze Christenheit, ja selbst das weibliche Geschlecht, eilte froh, vom Geist der Buße getrieben, zur Teilnahme an diesem Zug.

Der Fremde, der Feind

Die Verheißung irdischen und himmlischen Reichtums hatte sie veranlasst, eine Reise in die Fremde anzutreten. Ein klares Bild von der Dauer, den Unwegsamkeiten und den zu bewältigenden Strapazen ließ der allgemeine Bildungsstand nicht zu. Ein paar Tagesreisen hinter Regensburg dürften auch die Einfältigsten gemerkt haben, das keins der ausgelobten Güter in greifbarer Nähe lag. Von einer frohen Heilserwartung unterwegs ist bei keinem Chronisten die Rede, dafür aber von Übergriffen auf die Güter der angetroffenen Fremden. Das Rechtsempfinden, das die Reisenden den Berichten zufolge unterwegs an den Tag legten, lässt sich auf die Formel bringen: Wer als Fremder das Geforderte nicht freiwillig herausgab, erwies sich damit als Feind Gottes. Das war praktisch und auch möglich, weil das vermittelte Feindbild völlig unscharf war. Die entsprechende Behandlung erfolgte, wenn der erforderliche Waffengang Erfolg versprach, wobei es allerdings zu Fehleinschätzungen seitens der Pilger kam.

Erste Zwischenfälle

Albert von Aachen: Ein Vortrupp unter einem Ritter namens Walter Sans-Avoir (Habenichts) durchquert Ungarn nach einer Vereinbarung mit dem König ohne Schwierigkeiten und erreichte Ende Mai 1096 die Grenze zum oströmischen Reichsgebiet bei Belgrad. Der Kommandant verbietet den Einkauf von Lebensmitteln.

Walter und seine Begleiter wurden zornig und raubten mit Gewalt das Vieh, das vor der Stadt weidete. Es kam zu Feindseligkeiten zwischen den Griechen, die ihre Herden zurückgewinnen wollten und den Pilgern, und man hob an, die Klingen zu kreuzen ... Nach der Niederlage und Schwächung des Heeres ließ Walter seine zerstreuten Gefährten im Stich ...

Ende Mai überquerte die von Peter von Amiens angeführte Abteilung die ungarische Grenze bei Ödenburg. Der König gewährt freien Durchzug, verbietet aber ausdrücklich das Beutemachen. Nach Albert von Aachen verläuft der Marsch friedlich, nach Guibert von Nogent kommt es zu Morden, Plünderungen und Vergewaltigungen.

Während die Ungarn als Christen ihren Brüdern alles anboten, was sie zu verkaufen hatten, konnten die Fremden ihre Leidenschaften nicht zügeln, dachten nicht an die wohltätige Gastfreundschaft der Ungarn und führten ohne Grund Krieg gegen sie ... Angetrieben von abscheulicher Wut setzten sie die öffentlichen Getreidespeicher in Brand, entführten junge Mädchen und vergewaltigten sie, schändeten die Ehen, indem sie den Männern die Frauen raubten und rissen ihren Wirten den Bart aus oder versengten ihn. Jeder lebte nach Möglichkeit von Mord und Plünderung und alle brüsteten sich mit unvorstellbarer Frechheit, sie würden mit den Türken ebenso verfahren.

Erstes Massaker

In der zweiten Junihälfte kommt das Pilgerheer in Semlin an. Hier sieht der Anführer laut Albert von Aachen die Kleider und Waffen der von beraubten Pilger an den Mauern hängen.

Jetzt, da er die Waffen und Beutestücke sah, erfuhr Peter von dem Unrecht, das seinen Brüdern angetan wurde und rief zur Rache auf. Sofort erschallen laut und kräftig die Signale der Bläser, mit flatternden Fahnen stürmt das Heer gegen die Stadt ... Das ganze Heer, Fußvolk wie Reiter, erzwang den Eingang in die Stadt.. Die meisten Bewohner konnten nicht fliehen und mussten noch vor der Pforte den Pilgern über die Klinge springen. Andere wollten sich auf dem Hügel in Sicherheit bringen, wurden aber auch hier von den nachdrängenden Pilgern niedergemacht ... Es fielen dort von den Ungarn ungefähr viertausend Mann, von den Pilgern waren, abgesehen von den Verwundeten, nur hundert erschlagen worden. Nach diesem Sieg blieb Peter mit seinen Truppen noch fünf Tage in Semlin, er reichen Beute wegen, die er dort an Getreide, Schafen und Großvieh machte, an gossen Mengen Wein und ungezählten Pferden.

Albert weiter: Als die Leichen der erschlagenen Ungarn die Donau hinab an der Stadt Belgrad vorbeitreiben, entschließt sich der byzantinische Statthalter zum Rückzug. Die Bewohner beordert er mit allem, was sie forttragen können, in die umliegenden Wälder. Die Kreuzfahrer plündern nun auch Belgrad. Als sich ein ungarisches Heer nähert, zieht die Truppe weiter und erreicht Anfang Juli die Stadt Nisch (Jugoslawien). Der byzantinische Statthalter verhandelt mit den Pilgern. Um die Bürger zu schützen, verlangt der Beamte Sicherheiten. Die Kreuzfahrer stellen daraufhin zwei Unterführer als Geiseln.

Nun wurde den Pilgern erlaubt, alles was sie brauchten zu kaufen, soviel und wo sie wollten. Ja, die Bürger schenkten jenen, die kein Geld hatten, eine Menge von Almosen

Nach dem friedlichen Abzug der Kreuzfahrer kehren allerdings hundert Schwaben zur Stadt zurück

Wegen eines erbärmlichen Streites mit einem Händler warfen sie Feuer in sieben Mühlen, die an der Brücke am Fluss standen und äscherten sie völlig ein

Die Zerstörung von Mühlen galt in Kriegszeiten als verwerflich. Albert von Aachen drückt seine Empörung aus, indem er die Bürger von Nisch sagen lässt

Peter und seine Gefährten sind falsche Christen, es sind Räuber und keine friedlichen Menschen ... Sie haben jetzt diesen Brand gelegt und danken so für die genossene Wohltat.

Erste Verluste

Albert weiter: Peter besänftigt die Stadtoberen und sichert die Vermeidung weiterer Gewaltakte zu. Aber die Pilger folgen den Anweisungen nicht. So kommt es zu weiteren Gefechten, und schließlich versucht ein größerer Haufen, die Stadt Nisch zu stürmen. Die Garnison und die Bewohner reagieren mit einem Ausfall.

Zwei Meilen weiter wurde das Heer überfallen und viele wurden erschlagen oder gefangen genommen. Und auch der Wagen Peters, mit unermesslichen Mengen von Gold und Silber, wurde erbeutet und sogleich mit den Gefangenen nach Nisch zurückgeschickt. Viele Männer waren getötet worden. Kinder wurden ihren Müttern entrissen und dazu unzählige Frauen und unverheiratete Mädchen weggeschleppt.

Laut Albert wird ein Viertel der Kreuzfahrer getötet, 10.000 von angeblich 40.000. Die Überlebenden können sich sammeln und leben von unreifem Korn, das sie von den Feldern stehlen. Ab Sofia verhindern Polizeitruppen weitere Zwischenfälle und stellten die Versorgung der Pilger sicher. Im August 1096 erblicken die Pilger Konstantinopel. Laut Albert von Aachen ließ Kaiser Alexios die vor der Stadt lagernden Pilger gut versorgen. Laut Anna Comnena rät er davon ab, vor dem Eintreffen von Verstärkungen nach Kleinasien überzusetzen. Bei beiden ist keine Rede von Zwischenfällen. Dagegen meldet der anonyme Autor der Gesta Francorum:

Diese Christen benahmen sich niederträchtig, plünderten die Stadtpaläste und zündeten sie an, stahlen das Blei von den Kirchendächern und verkauften es an die Griechen.

Begegnung mit den zu befreienden Brüdern

Am 6. August 1096 ließ Alexios die Pilger über den Bosporus auf den noch immer von Ostrom gehaltenen Küstenstreifen in Kleinasien verschiffen. Laut Anna Comnena hatte Peter von Amiens darauf bestanden. Der Anonymus:

Nachdem sie übergesetzt hatten, ließen sie von ihren Missetaten nicht ab. Sie verbrannten und verwüsteten Häuser und sogar Kirchen.

Die Kirchen gab es nach laut den Botschaften über die Bedrängnisse der christlichen Brüder gar nicht mehr. Alexios wies den Pilgern ein befestigtes Feldlager zu und ließ sie laut Albert reichlich mit Nahrungsmitteln versorgen. Entgegen der kaiserlichen Anweisung, im Lager zu bleiben, unternahmen einzelne Trupps Beutezüge in Richtung der türkisch beherrschten Stadt Nikaia. Es kommt zur ersten Begegnung mit christlichen Brüdern, die laut Propaganda vom türkischen Joch befreit werden sollten. Anna Comnena:

Die Normannen begannen in der Umgebung von Nikaia zu plündern und gingen mit äußerster Grausamkeit vor. Sie pfählten Kinder und rösteten sie auf dem Feuer. Erwachsene wurden auf alle mögliche Weisen gefoltert.

Offensichtlich konnte es Anna die Details betreffend mit den Spitzenkönnern unter ihren lateinischen Kollegen durchaus aufnehmen. Laut Albert von Aachen haben sich die Pilger nur bereichert.

Sie raubten dort Vieh, Schafe und Ziegen, die den Griechen gehörten, die türkische Untertanen waren und schleppten sie zu ihren Gefährten zurück. Als Peter dies sah und hörte, wurde es ihm traurig ums Herz, denn er wusste, dass die Strafe folgen würde.

Kriegserklärung und Niederlage


Pilger aus Germanien überwältigen die türkische Besatzung einer Burg. Albert:

Nur die griechischen Bewohner wurden verschont, alle anderen, die man in der Burg fand, wurden niedergemacht.

Die Zugreisten hatten also zu erkennen gegeben, dass sie nicht daran dachten, auf friedlicher Walfahrt gen Jerusalem zu ziehen. Der Kommandant in Nikaia ließ seine professionelle Streitmacht ausrücken, die auf dem Schlachtfeld leichtes Spiel hatte und anschließend das Lager der Pilger stürmte. Albert:

Sie verschonten nur zarte Mädchen und Nonnen, deren Gestalt oder Gesicht ihnen zu gefallen schien und bartlose junge Leute mit schönen und anmutigen Gesichtern und führten sie weg in Gefangenschaft.

Die Überlebenden zogen es nun doch vor, in Konstantinopel das Eintreffen weiterer Pilger abzuwarten.

Und so geht es weiter

13) Die Aufgebote der Fürsten in Ostrom
Lothringer unterwegs auf dem Balkan * Plünderungen und Gemetzel * Pilger versuchen Konstantinopel zu stürmen * Verschwörung gegen Ostrom? * Alexios bleibt Herr der Lage
(14) Unterwegs in Kleinasien
Kirchen in Nikaia intakt * Schlachtbeschreibungen * Pilger in Not * Ebenso die zu befreienden Griechen * Anführer brechen Eid * Pilgerkrieg um eroberte Städte
(15) Über die Unzucht und andere Sünden
Eine interkulturelle Romanze* Aufspießen keuscher als Vergewaltigen * Das Triebleben der Kreuzträger * Jesus: Es stinkt zum Himmel
(16) Edessa, die erste Kolonie
Balduin wird in Armenien sesshaft * Die neuen Herren machen sich unbeliebt * Angebliche Verschwörer grausam behandelt
(17) Die Christen im belagerten Antiochia
Zweitgrößte Stadt, fast alle Bewohner Christen * Türkische Garnison verteidigt die Stadt * Belagerung und Kämpfe ziehen sich hin * Orientalische Christen Leidtragende
(18) Die Fürsten auf der Mauer
Abweichende Lobgesänge * Wem soll die Stadt gehören? * Christus greift ein * Wer wird erster? * Viele Versionen * Bedauernswerte Historiker
(19) Kolateralschaden bei der Aneignung
Bevölkerung... getötet * Alle Muslime * Habgier und Mordlust *
Unterschiedslos * Entseelte Griechen, Syrer, Armenier
* Türkisches Entsatzheer kam zu spät

Kapitel 13-19

(20) Expedition am Scheideweg
Kerbogha mit großem Aufgebot vor Antiochia * Hungersnot der Pilger * Kein Wunder, ein Wunder * Entscheidung auf dem Schlachtfeld
(21) Die Lateinisierung Antiochias
Antiochias Christen widerspenstig * Die Güter der Kirche übernommen * Eine oströmische Provinz wird zum lateinischen Fürstentum * Vertrag mit Alexios gebrochen
(22) Die geschändeten Kirchen
Heiligenbildern Augen ausgestochen? * Originalton Alexios-Brief * Heiligenbilder mit Kot beschmiert? * Apostel Petrus Zeuge für die Schändung? * Augenzeugen bemerken nichts.
(23) Nach Jerusalem
Zunächst barfuss, dann mit Beute beschäftigt * Friedensangebot aus Ägypten abgelehnt.* Gedrängel bei der Landnahme * Propaganda: Christen in Jerusalem drangsaliert * Widerlegung
(24) Das Massaker von Jerusalem im Jahr 1099
In Blut gewatet?* Die erste Phase der Erstürmung * Völlige Aneignung vorher geplant * Gemetzel deshalb und sorgfältig * Muslime, Juden und Christen * Drittes Gemetzel am dritten Tag * Trotzdem mit Blutrausch entschuldigt * Stadt ohne Menschen * Grabeskirche intakt * Schändung weiter behauptet * Der Säuberung letzter Teil * Entsetzen in Bagdad
(25) Neuordnung ohne Befreite
(26) Patriarch Daimbert geht aufs ganze
(27) Bohemunds letzter Angriff auf Ostrom
(28) Kolonien am Tropf des Abendlandes (ähnlich Israel)
(29) Saladin, Dschihad -Parolen und Realpolitik

Kapitel 20-29

(30) Eroberung von Konstantinopel - auch ein Kreuzzug
(31) Resultat: Die Türken vor Wien
(32) Sie machen weiter: Christusritter in Afrika
(33 ) Die Ausrottung der Tainos: Kolumbus praktiziert die Kreuzzugsidee

Kapitel 30-32

Kapitel 33

Siehe auch YouTube unter "Milger". Ausschnitte aus der
Fernsehserie Die Kreuzzüge (Fernsehreihe Die Kreuzzüge, Fernsehdokumentation Die Kreuzzüge)
Historische Parallelen

Vietnam-Krieg, der sogenannte Zwischenfall im Golf von Tonkin, angeblicher Angriff mit Torpedos durch nordvietmnamesische Schnellbote auf den Zerstörer Maddox
4. August 1964. Propaganda-Vorwand für die Bombardierung Nordvietnams. Spiegel Online

2. Weltkrieg. Überfall auf den Sender Gleiwitz
, SS-Männer als Polen verkleidet liefern Propaganda-Begründung für Krieg gegen Polen.

Verlag gesucht
Kreuzzug gegen Byzanz 1202
Es war scheinheiligste aller Kreuzzüge - es ging schlicht um die Eroberung Ostroms. Die mitreisenden Bischöfe erklärten die Bewohner Konstantinoples zu Feinden Gottes, und so wurden sie auch nach der Erstürmung behandelt. Plündern, Foltern, Niedermetzeln. Dann teilten die Anführer das Reich und die Beute unter sich auf.
Kreuzzug gegen Byzanz Kreuzfahrer in Byzanz
Die Eroberung von Konstantinopel - Gemälde im Dogenpalast zu Venedig
Diebesgut aus Byzanz Kreuzfahrer plündern in Byzanz In Konstantinopel gestohlen
Die Beute - stolz präsentiert in Venedig. Am Markus-Dom außen die Quadriga, innen Altarkreuze, Kelche, Schmuck, Reliquare, Reliquien. Im Westen kam es zu einem Preisturz am Reliquienmarkt, weil heimkehrende Kreuzfahrer mit ihrer Beuteware den Markt überschwemmten.
Richard Loewenherz
Zum Thema edle Kreuzzritter:

Richard Löwenherz (Lionheart) lässt in Akkon (Palästina) mehr als 2700 Gefangene töten. Laut einem christlichen Augenzeugen darunter auch Frauen und Kinder.
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Crusades, crusades propaganda, crusaders in Jerusalem 1099, massacre of jerusalem, reports of eyewitnesses, speech of urban II., massacre of Antiochia eyewitnesses, true causes of the crusades, primary original sources of the crusades, crusade against byzanz, capture of constantinopel