Kreuzzüge Kreuzzug Byzanz Konstantinopel - crusade against Byzanz
Doge Dandolo verkündet Kreuzzug Im Markusdom kommt Rührung auf, nachdem die Republik Venedig und französische Adlige einen Vertrag geschhlossen hatten. Gemälde im Dogenpalast
Peter Milger

Der Kreuzzug gegen Byzanz

Genau genommen müsste der Titel lauten: Kreuzzug gegen das oströmische Reich. Die lateinischen Chronisten nannten die Bürger Ostroms in der Regel Griechen, sie selbst sahen sich und bezeichneten sich als Rhomäer, also Römer. Als Kaiser Konstantin die Provinzstadt Byzanz zum Regierungssitz erhob, hat er sie in Konstantinopolis umbenannt. Die Rhomäer hätten sich dagegen gewehrt, ihr Reich mit den Namen einer Provinzstadt in Zusammenhang zu bringen. Sie können sich nicht mehr wehren. Die westliche Geschichtsschreibung benutzt die Bezeichnungen Byzanz und Byzantiner, weil sie den Anspruch Ostroms, die Nachfolge des antiken Roms angetreten zu haben, nicht billigt.

Die Könige sind beschäftigt

Im September 1197 starb Kaiser Heinrich Vl. in Sizilien bei der Vorbereitung eines Kreuzzuges. Friedrich, der spätere Kaiser Friedrich II., war erst drei Jahre alt. In Deutschland begann daraufhin der Kampf zwischen Otto IV. und Heinrichs Bru­der, Philipp von Schwaben, um die Königskrone. Papst Innozenz III. rief kurz nach seinem Amtsantritt im August 1198 zum Kreuz­zug auf und machte damit klar, wem die Oberherrschaft um Westreich zukäme. Er wendete sich nicht an die Könige, sondern direkt an den Klerus, den Adel und an die italienischen Seehandelsstädte. Der geplante Feldzug sollte also wie der von 1096 ein Unternehmen der Kirche sein. Das war allerdings leichter gesagt, als getan. Die meisten Berufkrieger waren bei den vorangegangenen Expeditionen aus den Schatullen der Könige bezahlt worden. Über vergleichbare Mittel konnte der Papst aber nicht verfügen und er hat sich dann, wie seine Vorgänger auch, nicht an der Finanzierung beteiligt. Überhaupt bestätigt keine Quelle, dass die vom Kirchenpersonal für die Finanzierung von Kreuzzügen eingesammelten Gelder Teilnehmern auch zu gute kamen. Innozenz setzte nun notgedrungen auf Kämpfer, die um des Glaubens Willen ins Feld ziehen würden.

Kreuzfahrt statt Rebellion

In Europa hatten Prediger mit Erfolg den unte­ren Ständen über die Seligkeit der Armut und die Laster der Reichen gepredigt. Die Kirche musste aber auf der Hut sein. Viele Zweifelnde wurden zwar wieder gläubig, aber sie wurden auch rebellisch. Bei gelegentlichen Zusammenrottun­gen kam es zu Übergriffen auf den Besitz der an­geprangerten Reichen. In Frankreich hatte ein Prediger namens Fulko von Neuilly gegen die materielle und sexuelle Begehrlichkeit gewet­tert. Der Chronist Gottfried von Villehardouin:

Der Ruf des heiligen Manns war so verbreitet, dass er bis zu Papst Innozenz drang. Der Papst sandte eine Bot­schaft nach Frankreich und beauftragte den ehrwürdigen Mann, in seinem Namen den Kreuzzug zu predigen.

Die Predigt von der Sündhaftigkeit eines ausschweifenden Lebenswandels wird nun mit einer Aufforderung zum Handeln verbunden: Buße tun durch die Teilnahme an einem Kreuzzug. Aber die von solchen Predigten in Bewegung gesetzten Armen kamen für eine Kreuzfahrt gar nicht in Frage. Nach den Misserfolgen der Landexpeditionen dachte niemand mehr daran, Pilgerscharen zu Fuß nach Jerusalem aufbre­chen zu lassen. Eine Schiffspassage war aber für die meisten Zuhörer des Predigers Fulko von Neuilly unbezahlbar. Einige Jahre später enden Volkskreuzzüge (die sogenannten Kinderkreuz­züge) kläglich in Genua, weil dort keine Schiffe für den Transport der Kreuzfahrer zur Verfügung standen. Die Teilnehmer hatten geglaubt, das Meer würde sich vor ihnen auftun.

Steuer für Kreuzug

Die vom Papst veranlasste Kreuzzugspredigt bewegte zwar die Zuhörer, aber ein schlagkräftiges Kreuzheer findet sich nicht ein. Papst Innozenz stellt fest, dass es ohne Geld nicht geht und erhebt trotz einiger Proteste eine Sondersteuer auf kirchliche Einkommen. Bedeutende Summen gehen offenbar nicht ein, denn der Papst sieht davon ab, ein eigenes Kreuzheer aufzustellen. Der Kreuzzug, der als der vierte in die Geschichte eingehen wird, kommt aber doch noch in Gang. Der Chronist dieser Unternehmung, Gottfried von Villehardouin, Marschall der Champagne, war von Anfang an dabei. Er schildert das Zustande­kommen eines historischen Treffens:

Der Papst entsandte einen seiner Kardinäle, den Herrn Peter von Capua, der schon das Kreuz genommen hatte, um in seinem Namen die Vergebung so zu verkünden: „Alle, die das Kreuz nehmen und ein Jahr lang im Dienst Gottes in der Armee bleiben, werden die Vergebung aller Sünden erlangen, die sie gebeichtet haben." Die Ver­gebung war so großzügig, dass die Herzen der Menschen tief bewegt waren und viele das Kreuz, nahmen... Anfang Advent (1199) fand im Schloss Ecry in der Champagne ein Turnier statt. Bei dieser Gelegenheit geschah es durch Gottes Gnade, dass Theobald, Graf dei Champagne zusammen mit Ludwig von Blois das Kreuz nahmen ... Mit diesen beiden großen französi­schen Baronen nahmen Simon von Montfort und Rei­nald von Montmirail das Kreuz. Es machte überall ei­nen großen Eindruck, dass so große Herren das Kreuz ge­nommen hatten.

Mehrere Bischöfe und Grafen nehmen in de nächsten Monaten das Kreuz, darunter Graf Balduin von Flandern und Hennegau. Aber das Unternehmen kommt nur langsam in Gang. Gott­fried von Villehardouin:

Danach hielten die Barone in Soissons eine Konferenz ab, um den Termin des Aufbruchs und den Reiseweg festzulegen. Aber dies mal konnten sie sich nicht einigen, denn es schienen ihnen nicht genügend Leute das Kreuz genommen zu haben. Zwei Monate des Jahres (1201) waren verstrichen, da versammelten sie sich zu einer weiteren Konferenz in Compiègne. Dabei waren alle Grafen und Barone anwesend, die das Kreuz genommen hatten und viele verschiedene Ansichten wurden geäußert. Am Ende wurde beschlossen, die besten Gesandten, die sie finden könnten, auszuwählen. Mit allen Vollmachten versehen, sollten sie alles vorbereiten, als wären sie die Herren.

Land erobern - Venedig stellt Schiffe für Kreuzzug

Zu den sechs Gesandten gehörte auch Gottfried von Villehardouin. Sie reisten mit Blankovollmachten nach Venedig, um über die Anmietung von Schiffen zu verhandeln. Der Doge Heinrich von Dandolo empfing sie freundlich und bat um eine Woche Bedenkzeit. Dann machte er de Gesandtschaft folgenden Vorschlag:

Wir werden Transportschiffe für viertausendfünfhundert Pferde und neuntausend Knappen und weiter Schiffe für die Versorgung von viertausendfünfhundert Rittern und zwanzigtausend Fußsoldaten bauen. Wir werden in diesen Vertrag den Proviant für die Mannschaft und das Futter für die Pferde für neun Monate einschließen. Das werden wir für euch tun und nicht weniger, wenn ihr für ein Pferd fünf Mark und für eine Mann zwei Mark bezahlt ... Die Gesamtkosten betragen 85.000 Mark. Aber wir werden noch mehr tun. Wir werden aus Liebe zu Gott fünfzig Kriegsschiffe stellen, ohne dass es die Barone etwas kostet. Die Bedingung ist, dass während unseres Bündnisses das eroberte Land und das erbeutete Geld geteilt werden.

Tränen im Markusdom

Die Gesandtschaft beschließt, die Bedingungen anzunehmen. Bei einer Messe im Markusdom beten laut Gottfried von Villehardouin zehntausend Gläubige für das Gelingen der Kreuzfahrt. Der Chronist schildert, was dann geschieht:

Die Gesandten knieten tränenüberströmt vor der versammelten Menge nieder. Der Doge und alle Anwesenden brachen in Tränen des Mitleids aus, streckten die Hände zum Himmel und schrieen mit einer Stimme: „Wir stimmen zu, wir stimmen zu.« Es entstand ein Tu­mult und ein Lärmen, als würde die Welt einstürzen."

Am nächsten Tag wurden die Verträge aufgesetzt. Das Reiseziel - Kairo - bleibt geheim. Venedig unterhielt lebhafte Handelbeziehungen mit den ägyptischen Feinden Gottes. Der Chronist:

Es wurde beschlossen, nach Kairo zu gehen, weil man von dort aus die Türken besser vernichten könne. Öffentlich wurde erklärt, es ginge nach Palästina.

Beider Übergabe der Verträge fließen laut Gott­fried von Villehardouin wieder die Tränen. Die Gesandten leihen sich fünftausend Mark in Sil­ber, um die Anzahlung zu leisten und kehren nach Frankreich zurück. Kurz darauf stürzt der Tod des Grafen der Champagne die Unterneh­mung in die nächste Krise. Eine Delegation der Barone fragt den Herzog von Burgund, ob er die Führung übernehmen wolle. Der Herzog winkt ab, und nach ihm ebenso der Graf von Bar le­ Duc. Bei einem Treffen in Soissons im Juni 1201 einigen sich die Barone nach heftigen Debatten auf den nächsten Kandidaten, den Marquis Boni­faz von Montferrat. Erneut fließen Tränen - diesmal in der Kirche von Soissons. Gottfried von Villehardouin:

In Tränen fielen sie alle vor ihm nieder. Nun kniete auch er vor ihnen und sagte, er wäre dazu bereit... So übernahm er das Kommando und gleich darauf ging er in Begleitung des Bischofs von Soissons und des ehr­würdigen Herrn Fulko (der Prediger) ... in die Kirche, wo sie ihm das Kreuz auf die Schulter hefteten.

Kreuzfahrer in Venedig machen Sorgen

Der Termin für die Abreise war auf den April 1202 festgelegt worden. Die Venezianer haben die Flotte ausgerüstet und müssen mit einiger Sorge feststellen, dass die Kreuzfahrer verspätet eintreffen. Vorsichtshalber weist der Doge ihnen Quartiere auf der Insel Niccolo di Lido an. Die Burgunder und Südfranzosen haben ihre Pläne geändert. Gottfried von Villehardouin:

Sie vermieden es, nach Venedig zukommen, wegen der Gefahren, die es dort gab und begaben sich nach Mar­seille. Sie wurden deswegen verurteilt. Ihr Verhalten führte später eingroßes Unglück herbei ...
In Venedig trafen Nachrichten ein, dass viele Kreuzfahrer nach ande­ren Häfen unterwegs wären. Das bereitete den Baronen große Sorgen, weil sie so ihr Versprechen gegenüber den Venezianern nicht einhalten konnten und nicht zahlen konnten, was sie schuldig waren.

Abweichler hatten offensichtlich Angst, in Venedig den Kassierern des Dogen zu begegnen. Als einzelne Trupps auf dem Weg nach Apulien gesichtet werden, versuchen ausschwärmende Botschafter, sie davon abzuhalten. Der Graf Ludwig von Blois kann schließlich überredet werden, mit dem Hauptkorps zu reisen.

Kreuzfahrer knapp bei Kasse

Die Anführer hatten mit mehr als 30.000 Mann gerechnet, aber höchstens 10.000 finden sich tatsächlich in Venedig ein. Die Barone fangen an, das Geld für die Schiffspassage einzusammeln. Viele Pilger sind aber zahlungsunfähig, weil sie ihre Barschaft schon bei der Anreise verbraucht haben. Beim Kassensturz stellen die Anführer fest, dass weniger als die Hälfte der geforderten Summe eingegangen ist. Einige Idealisten machen den Vorschlag, die mitreisenden Vermögenden könnten von ihrem Geld etwas drauflegen. Gottfried von Villehardouin:

Dieser Vorschlag stieß auf lebhaften Widerspruch der Mehrheit der Barone und der anderen Anwesenden. Sie sagten: „Wir haben für die Passage bezahlt, und wenn die Venezianer uns mitnehmen, sind wir bereit, wenn nicht, schlagen wir einen anderen Weg ein."

Einige Anführer greifen ihr Vermögen an. Der Chronist:

Ihr hättet sehen sollen, wie viel Gold- und Silbergeschirr in den Palast des Dogen getragen wurde ... Aber fehlten noch immer vierunddreißigtausend Mark.

Der Doge Dandolo ist bereit, die Schulden stunden. Die geforderte Gegenleistung ist delikat: Die Kreuzfahrer sollen die katholische Stadt Zara (heute Zadar, Jugoslawien) für Venedig erobern. Zara war rund fünfzehn Jahren vorher von Venedig abgefallen und untersteht jetzt dem König von Ungarn. Einige Kreuzfahrer erheben Bedenken, aber sie werden überstimmt. Im Markusdom nimmt der Doge Dandolo das Kreuz und lässt sich durch Zuruf der Menge zum Anführer des venezianischen Kontingents erheben. Und wieder fließen die Tränen. Heinrich Dandolo ist zwar neunzig Jahre alt und blind, aber wird sich den anderen Anführern in jedem Punkt als überlegen erweisen. Als die Nachricht vom Tod des Predigers Fulko von Neuilly eintrifft, ist die Armee laut Gottfried von Villehardouin tief bewegt. Die Stimmung hebt sich wieder, als ein deutsches Kontingent unter Bischof von Halberstadt, Berthold von Katzenellenbogen, und Heinrich von Ulmen die Anzahl der zahlenden Passagiere erhöht.

Kreuzfahrer erobern das römisch-katholische Zara (Zadar)

Die Belagerung von Zara beginnt am 11. No­vember 1202. Der Abt von Vaux-de-Cernay und Simon von Montfort sprechen sich gegen einen Angriff auf die christliche Stadt aus. Der Abt soll gesagt haben:

Meine Herren, im Namen des Papstes von Rom verbiete ich den Angriff auf diese Stadt. Ihre Bewohner sind Christen, und ihr tragt das Kreuz.

Die Republik Venedig pflegt ihre Geschäfte souverän abzuwickeln. Der Doge lässt sich also nicht auf moralische Argumente ein, sondern fährt die Barone an:

Ihr habt mir versprochen, bei der Eroberung der Stadt Beistand zu leisten, und ich fordere euch nun auf, euer Wort zu halten.

So der zweite lateinische Chronist des Kreuzzuges, Robert von Clari, der als einfacher Ritter teilgenommen hat. Nach Robert konnten die Bewohner von Zara sogar einen Schutzbrief des Papstes vorweisen.

Die Bewohner von Zara wussten sehr gut, dass die Ve­nezianer sie hassten. Sie besorgten sich einen Brief aus Rom. Er besagte, dass jeder exkommuniziert werden sollte, der Krieg gegen Zara führen würde. Der Brief wurde dem Dogen und den Pilgern vorgelesen... Der Doge sagte nun, die Exkommunikation würde ihn auf keinen Fall daran hindern, an der Stadt Rache zu üben.

Nach drei Tagen kapitulieren die Verteidiger von Zara. Die Stadt wird geplündert und je zur Hälfte zwischen den Baronen und den Venezia­nern aufgeteilt.

Die Glaubenskämpfer kreuzen die Klingen

Bei der Sichtung der Beute gibt es Schwierigkeiten bei der Bestimmung der jeweiligen Hälften. Gottfried von Villehardouin:

Bestimmte Franzosen und Venezianer kämpften Mann gegen Mann, und überall in der Stadt lief man zu den Waffen. Bald gab es kaum noch eine Straße, in der nicht die Schwerter und Lanzen, Pfeile und Bolzen krachten. Auf beiden Seiten wurden viele Leute getötet oder verwundet.

Die Gefechte ziehen sich über mehrere Stunden hin und nur mit Mühe können die Anführer die kämpfenden Parteien trennen. Gottfried von Villehardouin meint, das Heer sei nur knapp der Vernichtung entgangen. Die Kreuzfahrer blei­ben den Winter über in Zara.

Der Papst gibt seinen Segen

Papst Innozenz exkommuniziert das ganze Kreuzheer, weil es eine christliche Stadt erobert hatte. Die Venezianer reagieren gelassen, aber die Franzosen senden eine Delegation nach Rom. Robert von Clari:

Sie entsandten den Bischof von Soissons und meinen Herrn, Robert von Boves, nach Rom. Der Papst gab ihnen Briefe, durch die alle Pilger und die Venezianer die Absolution erhielten.

Gottfried von Villehardouin:

Die Gesandten ... überbrachten dem Papst ihre Bot­schaft. Sie sagten zum Papst: „Die Barone flehen um Gnadewegen der Eroberung von Zara, denn sie handel­ten wie Menschen, die keine andere Wahl hatten, wegen des Fehlverhaltens derer, die zu anderen Häfen gingen, und weil sie das Heer anders nicht zusammenhalten konnten ..." Der Papst sagte den Gesandten, dass er wohl wüsste, wie sie durch die Schuld anderer zu diesen Hand­lungen gezwungen worden waren und er habe Mitge­fühl mit ihnen. Der Papst sandte eine Grußbotschaft an die Kreuzfahrer, in der er sie segnete und als seinen Söh­nen die Absolution erteilte.

Von einer zügigen Kreuzfahrt nach Palästina kann nun nicht mehr die Rede sein. Während der Wintermonate verlassen viele Kreuzfahrer Zara an Bord von Handelsschiffen. Die einen versuchen, direkt nach Akkon zu reisen, die an­deren kehren heim. Gottfried von Villehardouin wirft ihnen vor, sie hätten die gute Sache verra­ten. Dabei beschreibt er selbst, wie die Anführer die gute Sache, nämlich den Angriff auf Ägypten, weiter verzögern. Da er militärisch gesehen äußerst riskant ist, kann den Baronen eine Alternative nur recht sein. Für den Dogen Dandolo kommen feindselige Handlungen gegen die Ägypter erst recht nicht in Frage, da die Repu­blik Venedig beim Handel mit ihnen hohe Gewin­ne erzielt. Es ist also für alle Anführer plausibel, an einem anderen Rad zu drehen. An einem richtig großen.

Die Eroberung von Zara und Konstantiopel hat die Gemüter der Zeizgenossen bewegt. Mosaiken in Ravenna, 13. Jahrundert
Große Politik kommt ins Spiel

Der Doge kann jetzt behaupten, die Vorräte in den Schiffen reichten für eine Landeoperation in Ägypten nicht mehr aus. Und wo kann man den Proviant ergänzen? In Konstantinopel, sagt der Doge. Er und die Mehrheit der Anführer sind aber nicht gewillt, auf den Märkten zu bezahlen. Ein Rechtsgrund für einen Angriff auf Konstantinopel wird Ende des Jahres 1202 gefunden, als in Zara Gesandte eintreffen. Sie kommen im Auftrag von König Philipp von Schwaben und von Alex­ios IV. Angelos. Alexios ist der Sohn des gestürz­ten oströmischen Kaisers Isaak II. Der gegen­wärtige Kaiser in Konstantinopel, Alexios III., hatte seinen Bruder Isaak vom Thron gestürzt, geblendet und in ein Gefängnis geworfen. Irene, die Gemahlin von König Philipp, ist die Tochter des entmachteten Isaaks. Die Gesandtschaft schlägt vor, das Kreuzheer solle sich nach Konstantinopel begeben und Isaak wieder zu Amt und Würden verhelfen. Diese Option hatten laut Gottfried von Villehardouin einige Anführer des Kreuzheeres schon in Venedig ins Auge gefasst.

Feindliches Vorgehen gegen Konstantinopel früh geplant

Der junge Alexios hatte sich nach seiner Flucht aus Konstantinopel in Verona aufgehalten. Gottfried von Villehardouin:

Alexios ... traf viele Pilger und andere Leute, die auf dem Weg waren, sich dem Heer anzuschließen. Die wenigen, die ihm bei der Flucht geholfen hatten, und noch bei ihm waren sagten zu ihm: „Herr, ganz in unserer Nähe, in Venedig, befindet sich ein Heer, das aus Personen von hohem Stand und den tapfersten Rittern der Welt besteht, und die unterwegs nach Palästina sind. Erbitte ihr Mitgefühl für euch und euren Vater, die so ungerecht enterbt wurden" ... Alexios erwiderte, er wolle den Ratschlag befolgen. So bestimmte er Boten und schickte sie zum Marquis von Montferrat, der das Heer kommandierte und zu den anderen Baronen. Als die Barone die Boten angehört hatten, waren sie sehr verwundert und sagten zu ihnen: „Wir verstehen gut was ihr gesagt habt. Unsere Boten werden mit Alexios König Philipp aufsuchen. Wenn Alexios uns bei der Wiedereroberung Palästinas hilft, werden wir ihm helfen, sein Land zurückzugewinnen. Denn wir wissen, dass es ihm und sei­nem Vater zu unrecht genommen wurde." So wurden Boten nach Deutschland geschickt, sowohl zum Prinzen von Konstantinopel als auch zum König Philipp.

Gottfried von Villehardouin war einer der Anführer der Kreuzfahrer und hat sicher an wichti­gen Besprechungen teilgenommen. Es gibt also einen Anlass, an seinen Ausführungen zu zwei­feln. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde also Konstantinopel zumindest als Station des Kreuz­zuges schon sehr früh in die Planung aufgenom­men. Die Gesandten des jungen Alexios sind also nach Gottfried von Villehardouin Ende 1202 nicht zufällig nach Zara gereist. Der Chronist Robert von Clari bestätigt diese Annahme:

Der Doge von Venedig bemerkte, dass die Pilger unruhig waren. Er sagte zu ihnen: „Griechenland ist ein sehr reiches Land, wo es alles im Überfluss gibt. Wenn wir eine angemessene Gelegenheit finden, um dorthin zu gehen und um in diesem Land ausreichend Proviant aufzunehmen, wäre das ein guter Ratschlag. Dann könnten wir weiter über das Meerfahren." Der Marquis erhob sich und sagte: „ Ich war im letzten Juli in Deutschland. Dort sah ich einen jungen Mann, der der Bruder der Königin war. Dieser junge Mann war der Sohn des Kaisers Isaak von Konstantinopel, dem sein eigener Bruder das Reich durch Verrat weggenommen hatte. Wer auch immer diesen jungen Mann bei sich hat, kann einfach nach Konstantinopel gehen, um Proviant und andere Sachen zu erlangen, denn der junge Man ist der rechtliche Erbe.

Verschwörung gegen Ostrom?

Es ist nicht belegt, dass König Philipp von Schwaben und der Doge von Venedig von Anfang an den Plan gefasst hatten, Konstantinopel zu erobern. Diese These ist zwar aufgestellt worden, war aber nicht zu beweisen. Sehr gut belegt ist aber das frühe Interesse des Marquis von Montferrat, den jungen Alexios ins Spiel zu bringen. Venedig hatte durchaus Grün­de, gegen Ostrom vorzugehen. Die venezianische Kolonie in Konstantinopel war nämlich mehrfach angegriffen worden. Als Botschafter war Hein­rich Dandolo bei einem Tumult an den Augen verletzt worden. Keine seiner Handlungen lässt erkennen, dass er wirklich Venedigs Handelspartner Ägypten angreifen wollte. Die Barone ließen verlauten, zunächst gegen Konstantinopel vorgehen zu wollen, dann gegen Ägypten.

Alexios verspricht Ungeuerliches - aus der Sicht Ostroms

Die Gesandtschaft aus Deutschland fordert die Kreuzfahrer also Ende des Jahres 1202 in Zara auf, den Kaiserthron in Konstantinopel für den gestürzten Isaak zurückzugewinnen. Alexios lässt durch die Gesandten erklären, zu welchen Gegenleistungen er bereit sei. Nach Gottfried von Villehardouin lägt Alexios ausrichten:

Wenn ihr ihn mit Gottes wieder in sein Erbe einsetzt, wird er das oströmische Reich wieder der Autorität Roms unterstellen, von der es so lange entfremdet war. Da er weiß, dass ihr euer ganzen Geld für diese Heerfahrt ausgegeben habt und arm seid, wird er euch zweihunderttausend Mark in Silber und Proviant für alle in der Armee gebeben. Er wird selbst mit euch nach Ägypten ziehen, mit zehntausend Mann ... und er wird solange er lebt in Palästina fünfhundert Ritter unterhal­ten, die das Land verteidigen sollen.

Schon die Zusage, Ostrom dem römischen Stuhl zu unterwerfen, war natürlich Hochverrat. Alexios wäre sofort wie sein Vater geblendet worden, hätte er in Konstantinopel die Bürger von seiner Zusage unterrichtet. Der oströmische Chronist Niketas Choniates macht deutlich, was die Rhomäer von diesen Versprechungen halten mussten:

Diese gewissenlosen und schlauen, geschäftstüchtigen Männer bearbeiteten Alexios, der seinem Alter und noch mehr seinem Verstande nach ein Kind war, und beschwatzten ihn, ihnen eidlich zuzusichern, was er un­möglich erfüllen konnte. Sie forderten ein Meer von Geld und der Kindskopf nickte dazu, sie forderten auch noch rhomäische Waffenhilfe und fünfzig dreirudrige Schiffe zum Kampf gegen die Sara­zenen, und was noch ärger und empörender ist: Abfall vom Glauben und Annahme der lateinischen Lehrmei­nungen, Erneuerung der Vorrechte des Papstes und Ab­schaffung und Umgestaltung alten rhomäischen Her­kommens, und auch dazu verpflichtete er sich.

Die Anführer ziehen sich zur Beratung zurück. Gottfried von Villehardouin:

Es sprachen der Abt von Vaux-de-Cernay vom Orden der Zisterzienser und die Partei, die das Heer auflösen wollte. Sie sagten, sie wären nicht bereit, gegen Christen zu marschieren und dass sie dafür ihre Heimat nicht ver­lassen hätten sondern nach Syrien ziehen wollten.

Die Befürworter bringen vor, dass Palästina nur über Konstantinopel zu erreichen sei. Am Ende unterzeichnen der Doge von Venedig der Marquis von Montferrat, der Graf von Flandern, der Graf von Blois, der Graf von Saint-Pol und neun weitere Adlige den Vertrag mit den Bevollmächtigten von Alexios. Von nun an kann man tatsächlich von einem Komplott sprechen. Die gestellten Forderungen konnte kein Kaiser in Konstantinopel auch nur vorschlagen, ohne sofort abgesetzt zu werden. Das von den Anführen beschlossene Vorgehen musste zu Kampfhandlungen führen, und bei einer Niederlage der oströmischen Truppen war der vorliegenden Geisteshaltung nach selbstverständlich, in Ostrom eine lateinische Herrschaft zu etablieren.

Zara wird zerstört

Am 6. April 1203 gehen Im April gehen die milites Christi an Bord. Gottfried von Villehardouin:

Am Ostermontag waren alle Schiffe beladen und die Truppen lagerten in der Nähe des Hafens. Inzwischen zerstörten die Venezianer die Stadt mit ihren Mauern und Türmen.

Simon von Montfort, der Abt von Vaux-de-Cer­nay und einigte andere Barone verlassen das Heer. Der größte Teil der Flotte bricht nach Kor­fu auf. Der Marquis und der Doge warten, bis Alexios eintrifft. Gottfried von Villehardouin:

Bevor der Doge und der Marquis von Montferrat von Zara aufbrachen, kam Alexios, der Sohn des Kaisers Isaak von Konstantinopel, in der Stadt an. Der König Philipp von Deutschland hatte ihn geschickt.

Der Marquis von Montferrat ist ein Gefolgs­mann des deutschen Königs. Gottfried von Ville­hardouin merkt an, der König habe Alexios der Obhut des Marquis übergeben. König Philipp hat demnach den Plan befürwortet, gewaltsam gegen Ostrom vorzugehen. Der Papst ist dage­gen, aber als sein Brief in Zara eintrifft, sind der Doge und der Marquis mit ihrem Schützling Alexios ebenfalls nach Korfu aufgebrochen.

Das Kreuzheer auf Korfu - und wieder fließen die Tränen

Anfang Mai ankert die Flotte vor Korfu. Laut Gottfried von Villehardouin hat der Marquis sein Zelt direkt neben dem von Alexios auf gestellt. Einige Barone lehnen sich erneut gegen die Umlenkung des Kreuzzuges auf. Der Marquis von Montferrat und Balduin von Flandern begeben sich mit ihren Anhängern in das Lager der Ab­trünnigen. Gottfried von Villehardouin

Der Marquis ... und die Barone warfen sich vor die Füße der anderen Partei, weinten bitterlich und sagten: „Wir stehen nicht auf bevor ihr versprecht, euch nicht von uns zu trennen." Als die anderen das hörten waren sie voller Mitleid und weinten sehr, als sie ihre Herren, ihre Eltern und ihre Freunde zu ihren Füßen liegen sahen.

Die andere Partei erklärt sich bereit, zum Heer zurückzukehren, nachdem ihr für Ende Sep­tember Schiffe für die Überfahrt nach Palästina zu­gesichert worden waren. Am 25. Mai stechen die Kreuzfahrer in See.

Den Bekreuzten gehen die Augen über

Einen Monat später ankert die Flotte im Marma­rameer vor der St.-Stephans-Abtei, etwa zehn Kilometer von Konstantinopel entfernt. Bei einer Besprechung in der Kirche empfiehlt der Doge, sich auf den Inseln mit Proviant zu versor­gen und das Festland zu meiden. Am nächsten Tag segelt die Flotte an den Seemauern von Kon­stantinopel vorbei. Gottfried von Villehardouin beschreibt das Erstaunen seiner Begleiter:

Alle, die Konstantinopel noch nie gesehen hatten, starr­ten die Stadt an, weil sie nicht glauben konnten, dass es auf der Welt eine so reiche Stadt geben könne. Sie sahen die vielen Türme und hohen Mauern, welche die Stadt umgaben, die reichen Paläste und die hohen Kirchen ... Diese Stadt war größer als alle anderen. Und wisst, dass keiner so beherzt war, dass er nicht am ganzen Leib gezit­tert hätte.

Kriegszustand von Anfang an

Ohne Verhandlungen oder Kriegserklärung be­ginnt der Angriff. Gottfried von Villehardouin:

Die Flotte segelte so dicht an den Mauern und Türmen entlang, dass sie auf viele ihrer Schiffe schossen. Auf den Mauern und Türmen waren so viele Leute, als gäbe es auf der Welt keine anderen mehr.

In Chalcedon, auf der kleinasiatischen Seite des Bosporus beziehen die Anführer Quartier in ei­nem kaiserlichen Palast. Auch die Mannschaften gehen an Land und verteilen sich entlang der Küste. Vornehm beschreibt Gottfried von Ville­hardouin die Plünderung der Umgebung:

Die Franzosen blieben neun Tage lang. Wer etwas brauchte, nahm sich Lebensmittel, und so machten es alle im Heer.

Ein oströmisches Aufgebot versucht die Plünderungen zu verhindern, wird aber in die Flucht geschlagen. Die kaiserliche Armee besteht fast nur noch aus ausländischen Söldnern. Eini­germaßen zuverlässig ist nur die Waräger-Gar­de, eine Elitetruppe, die aus Engländern und Dä­nen besteht. Eine offene Feldschlacht kann Kai­ser Alexios III. nicht riskieren. Seine Hofhaltung war extrem verschwenderisch, er hatte mehr Geld für die Pflege seiner Gärten ausgegeben als für die Armee. Die Kriegsschiffe vermodern hinter der Kette, die das Goldene Horn absperrt. Aber solange die Mauern intakt sind, haben hat seine Truppe gute Chancen, die Stadt zu halten. Germanen, Araber und Slawen waren an diesen Mauern gescheitert.

Ultimatum der Kreuzfahrer

Durch einen Gesandten bietet Kaiser Alexios Geld und Proviant für die Weiterreise an. Damit wäre der offizielle Zweck des Umwegs über Kon­stantinopel erreicht gewesen. Aber die Anführer bestehen auf ihrer Maximalforderung: Alexios soll den Thron abtreten. Am nächsten Tag zeigen die Anführer den jungen Alexios an Bord eines Schiffes den Bewohnern von Konstantinopel. Aber keiner von ihnen erklärt sich bereit, den jungen Mann als Kaiser anzuerkennen. Gottfried von Villehardouin vermutet, die Leute hätten aus Angst vor Kaiser Alexios geschwie­gen. Tatsächlich war es längst offensichtlich, dass der junge Alexios gegen die Interessen der Stadt handelte. Robert von Clari sieht sich im Gegen­satz zu Gottfried nicht verpflichtet, ständig die Handlungen der Kreuzfahrer zu rechtfertigen. Er notiert:

Die in der Stadt antworteten, dass sie ihn (Alexios) au keinen Fall als ihren Herrn anerkennen würden, und sie wüssten auch nicht, wer er überhaupt sei.

Fromme Worte vor dem ersten Angriff

Am nächsten Morgen versammeln sich die An­führer nach der Messe auf freiem Feld und teilen die Heeresgruppen ein. Der Tag für den Angriff wird festgelegt und die Bischöfe halten die übli­che Feldpredigt. Am Morgen des 5.Juli 1203 setzt das Heer über den Bosporus und geht vor den Mauern von Galata an Land. Robert von Clari:

Die Transportschiffe waren so gebaut, dass sie Klappen hatten, die leicht zu öffnen waren. Es wurden Brücken heruntergelassen und die Ritter konnten zu Pferd an Land gehen.

Konstantinopel mit seinen Land- und See­mauern liegt auf der anderen Seite des Goldenen Horns. Die Bucht ist durch eine Kette abgesperrt. Die Einheimischen hielten sie für unüberwindlich und hatten daher die Seemauern am Goldenen Horn vernachlässigt. Der erste Angriff richtet sich gegen den Turm, an dem die Sperrkette be­festigt ist. Gottfried von Villehardouin:

Unsere Barone erkannten, dass nur die Eroberung des Turms und die Zerstörung der Kette sie vor Tod und Misshandlung bewahren konnten.

Niketas Choniates:

Die einen begannen vom Land her und die anderen vom Meer aus die Burg zu stürmen, an dem gewöhnlich eine schwere Eisenkette befestigt ist, wenn ein Angriff feindlicher Schiffe bevorsteht. Da musste man mit ansehen, wie die einen von der rhomäischen Besatzung nach kurzer Gegenwehr davonliefen und andere erschlagen oder gefangen wurden ... Bald darauf brach die Kette und die ganze feindliche Flotte strömte herein. Ein Teil unse­rer Schiffe wurde sofort erobert die anderen liefen am Strand auf und wurden versenkt ... Das Unglück war so vielfältig, dass niemand es ganz fassen konnte.

Gottfried von Villehardouin:

So wurde die Festung von Galata genommen und der Zugang zum Hafen von Konstantinopel mit Waffen­gewalt gewonnen. Unsere Truppen waren froh und lob­ten Gott, den Herrn. Die Bewohner der Stadt hingegen waren betrübt.

Der Kampf war schaurig

Der Doge schlägt vor, als nächstes die niedrigen Seemauern am Goldenen Horn anzugreifen. Die Barone fürchten, die Venezianer könnten allein in die Stadt eindringen. Sie bereiten daher einen Angriff auf die Landmauern vor und schlagen ihr Lager in der Nähe des kaiserlichen Blachernen-Palastes auf. Während die Venezianer ihre Schiffe für den Angriff rüsten, befestigen die Franzosen ihr Lager. Durch tägliche Ausfälle versuchen die oströmischen Söldner, die Vorbereitungen zu stören. Aber bei den Gefechten behalten die Lateiner die Oberhand. Am 17. Juli greifen die Landtruppen die Mauern vor dem Kaiserpalast an. Die Kämpfe finden im Norden statt, wo die Landmauern auf das Goldene Horn stoßen. Gottfried von Villehardouin:

Die Franzosen legten zwei Sturmleitern an einen
Wehrturm dicht am Meer. Die Mauern hier waren von vielen Engländern und Dänen besetzt und der Angriff heftig und hart. Zwei Rittern und zwei Sergeanten gelang es, die Sturmleitern zu erklimmen und die Mauer zu besetzen. Etwa fünfzehn Männer kletterten hinterher und kämpften Mann gegen Mann mit Schwertern gegen Streitäxte. Die Verteidiger fassten Mut und trieben unsere Männer zurück, sodass sie zwei aus unserer Nation ergreifen konnten. Diese Gefangenen wurden vor Kaiser Alexios gebracht, der darüber hocherfreut war. Das war der Ausgang des Angriffs von Seiten der Franzosen. Viele wurden verwundet und verkrüppelt. Die Barone waren äußerst besorgt.

In der oströmischen Armee waren nur die Waräger mit Streitäxten bewaffnet. Auch die Pisaner beteiligen sich an der Verteidigung der Stadt, da eine Eroberung Konstantinopels durch Venedig für Pisa nicht akzeptabel ist. Niketas Choniates:

Der Kampf war schaurig und an allen Orten jammervoll ... Die Lateiner hatten einen Zugang ins Innere der Stadt gewonnen, wenn sie auch von den Pisanern, die den Rhomäern beistanden, und von den ausländischen Axtträgern aufs tapferste zurückgeschlagen wurden und die meisten von ihnen verwundet zurückweichen mussten.

Auch die Venezianer greifen in der Nähe des Kaiserpalastes an. Niketas Choniates:

Die Lateiner in den Schiffen fuhren an die Mauern her­an, ließen durch kleine Kähne die Anker der Schiffe aufs Festland werfen, erklommen die Leitern, stürzten sich auf die Rhomäer, die auf den Türmen standen, und schlugen sie leicht in die Flucht. Die Lateiner waren im Vorteil und schossen und schlugen von oben herab... Die Leitern der Schiffe ragten weit über die Stadtmauer hin­aus, so hoch waren sie mit Seilen hinaufgezogen worden.

Gottfried von Villehardouin:

Die Venezianer näherten sich dem Küstenstreifen, der vor den Mauern und Türmen lag. Man konnte sehen, wie ihre Schleudern, Armbrüste und Bogen auf den Schiffen ihre Geschosse versendeten. Die Gegenwehr der Verteidiger war sehr heftig. Die Leitern auf den Schiffen kamen so nahe heran, dass die Lanzen und Schwerter aufeinander prallten. Der Tumult war so groß, das es schien, als würden das Meer und die Erde einstürzen. Aber die Galeeren wagten es nicht, sich dem Land zu nähern ... Der Doge von Venedig, der ein alter Mann war und nichts sehen konnte, stand in Waffen im Bug seiner Galeere hinter der Fahne von St. Markus. Er schrie seine Leute an, sie sollten ihn an Land setzen, oder er würde ihnen antun, was sie verdienten. Sie brachten die Galeere an Land und sprangen heraus.

Kreuzzfahrer erobern Konstaninopel Kreuzfahrer erobern Konstantinopel
Venedig brüstet sich mit der Unternehmung - Gemälde im Dogenpalast