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Papst Martin V.: Wir verbieten den ... Predigern, dass sie die Christen gegen die Juden in Bewegung setzten. Damit gesteht er ein, dass es vorkam Die Miniatur setzt den Zusammenhang ins Bild. Erst wird gepredigt, dann gemetzelt. Der Papst übersah, dass die Prediger aus den Konzilsakten antijüdische Canones zitieren konnten. Diese Erlasse hatten den Rang von Gesetzen. Sie entrechteten die Juden, führten zur Diskriminierung und Ausgrenzung. Und zwar sichtbar für alle, so dass die Hemmschwelle, Juden zu berauben und zu töten, sehr niedrig war.
Die Stigmatisierung der Juden durch Erlasse (Canones) der Konzilien bis 1431 und eine Übersicht über Judenpogrome bis dahin


1. DIE AKTEN DER KONZILIEN

Elvira 306

16. Ehen zwischen Juden und Christen sind verboten, Eltern, die dagegen verstoßen, werden 5 Jahre ausgeschlossen (von der Kommunion). 50. Wenn Kleriker oder Gläubige mit Juden speisen, werden sie von der Kommunion ausgeschlossen und bedürfen der Besserung.

Nicäa 325

Kaiser Konstantin I. in einem Brief nach dem Konzil Ostern betreffend. (Eusebius, Vita Const., Lib. iii., 18-20)

Es ist unwürdig, den Bräuchen der Juden zu folgen, die ihre Hände mit dem schrecklichten Verbrechen besudelt haben ... Die nach dem Tod unseres Erlösers nicht vom Verstand geleitet werden, sondern von wilder Gewalt ... Es ist unsere Pflicht, nichts mit den Mördern unseres Herrn gemein zu haben ... Wir wollen, liebe Brüder, die abscheuliche Gesellschaft der Juden meiden.

Barcelona 540

30. Von Gründonnerstag an dürfen Juden 4 Tage lang nicht unter Christen erscheinen. (Macon 581 u. a.)

Clermont 535

8. Juden dürfen nicht zu Richtern über eine christliche Bevölkerung bestellt werden.
(Toledo 598, Reims 624, Toledo 633 u. a.)

Orleans 541

31. Wenn ein Jude ... zum jüdischen Aberglauben verleitet ... oder eine christliche Sklavin sich beigesellt ... so soll er mit dem Verlust all seiner Sklaven bestraft werden.

Macon 581

15. Kein Christ darf bei Strafe der Exkommunikation an Mahlzeiten der Juden teilnehmen. (Mainz 888, Narbonne 1050) 16. Kein Christ soll von nun an bei Juden Sklave sein. (Toledo 598, Reims 624, Toledo 633 u. a.)

Toldeo 598

14. Kein Jude darf eine Christin zur Frau oder Konkubine haben.

Toledo 633

85. Wer Juden gegen Bezahlung schützt, wird exkommuniziert.

Toldeo 638

3. Befürwortung des königlichen Edikts, nachdem alle Juden Spanien verlassen müssen. Jeder König muss bei Thronbesteigung beeiden, den jüdischen Glauben nicht zu dulden.

(Um nicht auswandern zu müssen, haben sich viele Juden taufen lassen, sich aber bemüht, heimlich gemäß ihrer Tradition zu leben.)

Toldeo 681

Vom Westgotenkönig Ervig gegen die getauften Juden erlassenen Gesetze werden gebilligt. Sie dürfen die Trinität nicht schmähen, müssen ihre Söhne taufen lassen, dürfen nicht Pascha oder andere Feste feiern, dürfen keine Beschneidungen vornehmen, Christen nicht vom Glauben abbringen, nicht am Sonntag arbeiten, bei Speisen keine Unterschiede machen, keine Verwandte heiraten ...

Toldeo 693

8. Weil die Juden die Taufe nur zum Schein angenommen haben und diese damit befleckt, werden sie zugunsten des Fiskus ihres Vermögens beraubt und versklavt.

(Nach der Niederlage der katholischen Westgoten 712 konnten die Juden auf der iberischen Halbinsel unter muslimischer Herrschaft ihren Glauben wieder offen ausüben.)

Paris 846

Sämtliche die Juden betreffenden Canones und Dekrete werden bestätigt.

Lateran (3) 1179

26. Juden und Sarazenen dürfen durchaus keine christlichen Sklaven haben. Wer mit Juden oder Sarazenen zusammenwohnt, wird exkommuniziert. Das Zeugnis von Christen gegen Juden muss angenommen werden.

Lateran (4) 1215

68. Juden und Sarazenen ... müssen sich in der Öffentlichkeit von anderen Personen durch ihre Kleidung unterscheiden (um Irrtümer bei der Partnerwahl zu vermeiden).

69. Wir erneuern ... den betreffenden Canon des Konzils von Toledo. Wir verbieten, dass Juden in öffentliche Ämter berufen werden ... Zuwiderhandelnde ... werden angemessen bestraft ... Berufenen Amtsträgern ist es untersagt, mit Christen Geschäfte zu machen ...

Noyon 1233

17. Die Juden müssen auf ihren Kleidern besondere Zeichen tragen, woran man sie erkennt und von ihren Gütern den Kirchenzehnten zahlen.

Beziers 1246

37. Die Juden müssen übermäßige Zinsen wieder erstatten. Weigern sie sich, wird jeder Christ, der noch mit ihnen verkehrt, exkommuniziert. 38. Juden dürfen keine christlichen Sklaven oder Ammen haben und keinem Amte vorstehen 39. Auf ihren Kleidern müssen sie auf der Brust ein kreisrundes Zeichen tragen. Von Gründonnerstag bis Ostermorgen dürfen sie ihre Häuser nicht verlassen. Während dieser Zeit müssen sie von Prälaten gegen Übergriffes seitens der Christen geschützt werden. 42. Jede jüdische Familie muss an Ostern 6 Denare an den Pfarrer bezahlen. 43. Christen dürfen keinen Juden als Arzt gebrauchen.

Albi 1254

63. Kein Richter darf Christen zwingen, jüdischen oder anderen Wucherern den Zins zu bezahlen. 64. Die Juden dürfen keine runden Mäntel tragen wie die Kleriker. Ihre Mäntel müssen lange Ärmel haben. 65. Auf der Brust müssen sie am Kleid einen kreisförmigen Lappen von der Breite eines Fingers tragen und der Höhe eines Spanns.

Wien 1267

15. Da der Übermut der Juden sehr gestiegen ist ... erneuern wir die alten Statuten der Päpste ... und verordnen, dass die Juden sich von Christen in ihrer Kleidung unterscheiden müssen und den gehörnten Hut ... den sie verwegen abgelegt haben ... wieder tragen. Jeder Jude, der ohne dieses Zeichen ausgeht, muss vom Landesherren mit einer Geldstrafe belegt werden. 16. (Müssen Kirchenzehnten zahlen, dürfen keine Christen anstellen, Ämter bekleiden. 17. Wird ein Jude bei einem Unzuchtsvergehen mit einer Christin ertappt, so muss er im strengen Kerker gehalten werden, bis er 10 Mark Buße bezahlt hat ... die Christin ist aus der Stadt zu peitschen, ohne Hoffnung auf Wiederkehr. 18 ( Nicht mit Juden essen oder feiern) Auch dürfen Christen kein Fleisch und Speisen bei Juden kaufen, damit letztere nicht etwa Christen vergiften, die sie für ihre Feinde halten. 19. (Maßnahmen gegen Wucherzinsen, bei welchen Gelegenheiten Juden das Haus nicht verlassen dürfen und Fernster und Türen geschlossen halten müssen). Die Juden dürfen nicht mit einfachen Leuten über den katholischen Glauben disputieren ... auch keinen Christen zum Judaismus verlocken oder beschneiden. Sie dürfen keine neuen Synagogen bauen und haben sie es schon getan, müssen sie entfernt werden ...

Prag 1349

50. Bei Juden kommt der schreckliche Gräuel vor, dass sie die Milch einer christlichen Amme, wenn sie kommuniziert hat, die nächsten drei Tage in die Kloake gießen und erst dann das Judenkind wieder davon trinken lassen . Weiter: Wie Wien 1267, 19.

Basel 1431-45 (Reformkonzil)

Juden dürfen keine Christen anstellen, Christen dürfen nicht an Festen von Juden teilnehmen und nicht viel mit ihnen reden. Juden sollen keine öffentliche Ämter erhalten oder akademische Grade erlangen. Sie sollen keine Landgüter pachten ... Sie müssen unter Androhung schwerer Strafen solche Kleider tragen, mit denen sie deutlich von Christen unterschieden werden können. Um Kontakte zu vermeiden, ist zu bewirken, dass sie in Städten und Ortschaften in Bezirken wohnen, die von Christen entfernt sind.

2. DIE POGROME

Judenpogrome im deutschsprachlichen Raum bis 1421. Übersicht.
1. Kreuzzug, 1096: Gemeinden in Köln, Worms, Speyer, Neuß, Xanten, Trier, Metz, Verdun, Regensburg und Prag wurden zum Teil vollständig ausgelöscht. Die Predigt über die Feinde Gottes, die Kreuzzugspropaganda erinnerte die Leute an das kirchliche Verdikt: Die Juden haben den Herrn ermordet. Die Pogrome wurden von Kreuzfahrern und Mitbürgern begangen. Sie sollen gerufen habe: Was sollen wir in das ferne Jerusalem ziehen, die Feinde Gottes sind doch unter uns. Laut Augenzeugen wurde die Beute auf großen Karren abtransportiert.

13. Jahrhundert. Meist nachträglich mit Ritualmorden begründet, wurden etwa die Juden in Erfurt (1221), Fulda (1235) und München (1285) ausgeplündert und umgebracht. Zwischen 1283 und 1288 hatten die Juden des Rheinlandes unter Übergriffen zu leiden. 1298. Rintfleischpogrome. Verdikt Hostienschändung. An die 150 Gemeinden wurden in Franken, Bayern und Württemberg enteignet und ausgelöscht, so in Rothenburg, Nördlingen, Bamberg, Würzburg, Nürnberg, Dinkelsbühl .... Das Motiv war durchgehend Bereicherung, genauer: Die Bürger brachten die Juden lieber um, als ihre Kredite bei ihnen zu bedienen. Als Rechtfertigung wurde meist hinterher behauptet, die Juden hätten geweihte Hostien malträtiert oder mit ihnen gehandelt.

1336 bis 1338: Armleder-Massaker zwischen Thüringen und dem Bodensee.


Während der großen Pest wurden vor allem im Jahr 1349 fast alle Gemeinden vernichtet. So in, nur deutschsprachlicher Raum, Mainz, Frankfurt, Augsburg, Hanau, Würzburg , Basel, Straßburg, Köln, Erfurt, Nürnberg, Straßburg ... Verdikt diesmal: Brunnenvergiftung. Die Pogrome hörten erst auf, als nichts mehr zu holen war und in Ermanglung von Juden. Die Juden in Wien waren 1349 von ihrem Landesherrn beschützt worden. 1421 nicht mehr. 200 Kinder, Männer und Frauen wurden verbrannt, ihre Habe konfisziert.

Papst Martin V. versuchte zu intervenieren. In seiner Bulle zum Schutz der Juden heißt es:

Wir verbieten den ... Predigern, dass sie die Christen gegen die Juden in Bewegung setzten.

Gemeint ist die Verbreitung der Gerüchte, die Juden hätten die Brunnen vergiftet. Das impliziert, die Leute hätten die Gerüchte geglaubt. Wie konnten sie, die Juden tranken aus den gleichen Brunnen, sie starben wie anderen. Das Motiv der angreifenden Bürger war vor allem Habgier. Der Papst oder ein Konzil hätte die Plünderung von Juden verbieten müssen. Mit schwerer Strafandrohung, Kirchenbann etc.