Die Kolonisierung Amerikas und die Ideologie der Kreuzzüge - Geschichte der Sklavenhandels
Peter Milger - Die Propaganda der Kreuzzüge
(33) Das Zeitalter der Entdeckungen
Kolumbus als Kreuzritter Verbreitung des Christentums unter Kolumbus
Kreuzzritter. Kolumbus 1590 gesehen. Mit Kreuzfahne in der Tradition der Propaganda für Kreuzzüge. Das Schwert konnte noch eingeräumt werden, der wegbereitende Wissenschaftler ist eine moderne Legende. Klombus schreibt fromme Briefe - und läßt zwei Drittel der Bevölkerung in der Kolonie verhungern oder niedermetzeln. Der Krone teilt Kolumbus mit, mit dem in der Kolonie erbeuteten Gold wolle er einen Kreuzzug nach Jerusalem finanzieren. (Stiche Theodor de Bry 1590)
Lieber tot als Sklave
Manche sind so verzweifelt, dass sie freiwillig aus dem Leben gehen. Andere zeugen keine Kinder mehr. Man sagt auch, manche nähmen Mittel, um die Frucht des Leibes abzutreiben, weil sie wissen, dass sie nur Sklaven der Christen werden ... Die Zahl der unglücklichen Einwohner Hispaniolas ist stark zurückgegangen. Viele berichten, es waren einst eine Million und zweihunderttausend. Ich schrecke zurück, den heutigen Stand anzugeben.

Pietro Martire, ein Freund von Kolumbus. Theodor de Bry, Americae 1590)
Christusritter als Vorhut der Kolonisierung

1418 gewährte Papst Martin V. mit der Bulla Rex regnum der portugiesischen Krone das Recht zum Kreuzzug und zu Eroberungen an der Atlantikküste Afrika.

Bis 1434 endete die Welt der Christenheit in Westafrika am Kap Bojador. Der portugiesische Chronist Gomes Eanes Zurara:

Die Seefahrer sagten, dahinter lebt keine menschliche Rasse ... Die Strömungen sind schrecklich, kein Schiff würde je zurückkehren ... Niemand würde dort hinsegeln, ohne sichere Aussicht auf Profit.

1434 umsegelte Gil Eannes das Kap Bojador zum ersten Mal im Auftrag des portugiesischen Ordens der Christusritter. Die See blieb ruhig, es gab Spuren einer menschlichen Rasse. Aber die christlichen Seefahrer waren ungünstig angezogen, die Objekte ihrer Begierde rannten schneller als sie. Resultat immerhin: Das Meer auch ist jenseits des Kaps Bojador befahrbar. Der Auftraggeber war es zufrieden.

Infant Dom Henrique o Navigador, Christusritter für Portugal

Heinrich der Seefahrer. Klingt gut. Forscher, Entdecker, ein Mann des Fortschritts. Bahnbrecher desselben. Sohn von König Johann von Portugal, mehrere Ämter. Das wichtigste: Er war Großmeister des Ordens der Christusritter und damit für die afrikanischen Angelegenheiten verantwortlich. Und das kam so: Der französische König enteignete 1312 mit Billigung des Papstes den Templerorden und löste ihn auf. Das lohnte sich, denn der Orden hatte sich zu einem finanzstarken multinationalem Großunternehmen entwickelt. Die portugiesische Krone übertrug das Eigentum der Templer dem neu gestifteten Orden der Christusritter. Die Herren sollten nicht im Gebet verharren, sondern die Heiden auf der iberischen Halbinsel und in Nordafrika bekämpfen.

Nackter Mann erste Beute

Anatam Goncalvez ist 1441 mit 21 Mann Besatzung jenseits de Kaps unterwegs, und zu neunt beim Landgang. Zunächst nur Fußspuren, aber dann, auf dem Rückweg zum Schiff, kommt es zu einer historischen Gefangennahme. Der Chronist Zurara:

Sie sahen einen nackten Mann, mit zwei Speeren, und als unsere Männer ihm folgten, spürten sie ihre Müdigkeit.

Der Mann wehrt sich, wird verwundet und schließlich gefangengenommen. Zurara lobt den Anführer der Portugiesen:

Wir haben den jungen Nobelmann für diese kühne Tat zu ehren, denn es war die erste Beute bei der Eroberung von Guinea.

Nachdem ein weiteres Schiff eingetroffen ist, begeben sich 20 Mann auf die Suche nach einer Ansiedlung.

Sie kamen zu einem Ort, an dem die Eingeborenen in zwei Lagern verstreut umherlagen ... Unsere Männer riefen mit hohen Stimmen "Portugal" und "Santiago", wodurch der Feind erschrak und in Unordnung floh ... Nur die Männer machten Anstalten, sich zu verteidigen ... 4 wurden getötet und zehn gefangengenommen, Männer, Frauen und Knaben.

Versklavung ist Bekehrung ist Befreiung

Die Gefangenen wurden nach Portugal gebracht. Zurara, Augenzeuge und ebenfalls zum Orden der Christusritter gehörig, notiert:

Ich erblickte die Ankunft der Schiffe, mit der Neuigkeit des Gewinns dieser Sklaven vor dem Angesicht Heinrichs mit Freude ...

Heinrich hatte viel Geld in den Bau der Schiffe, ihre Ausrüstung und für die Bezahlung der Mannschaften investiert. Nun zeichnen sich Gewinne ab. Zurara spricht von der allgemeinen Genugtuung über diesen Umstand und fügt hinzu:

Aber Gewinn der Gefangenen war der größere. Obwohl ihre Körper in eine gewisse Unterwerfung gebracht wurden, war das wenig im Vergleich mit dem Gewinn für ihre Seelen, die nun im Besitz der ewigen Freiheit waren.

Bezahlt aus dem Schatz der Kirche

Indem Heinrich die Sklavenjagd zur heiligen Sache erklärt, kann er die Kirche an den Kosten beteiligen. Zurara:

Heinrich sah die Notwendigkeit, weitere Schiffe zu bemannen, um mit diesen Ungläubigen zu kämpfen ... So sandte er Boten zum Papst, um den Heiligen Vater um eine Beteiligung an dem Schatz der Heiligen Kirche zu bitten.

Der Schatz der Kirche war nicht aus Gold, dafür aber unermesslich. Er bestand aus den Verdiensten Jesu und den unverbrauchten guten Taten der Heiligen. Das Ablasswesen hatte Fortschritte gemacht, durch die Einführung eines Plageorts zu Reinigung der Seele, das sogenannte Fegefeuer. Der Sünder konnte den Aufenthalt durch Freikauf verkürzen, es gab Tarife für Tage, Wochen, Jahre. Das ganze war ein Handel. Vor Gott - so die Imagination - hinterlegte die Kirche Anteile aus dem Himmelschatz im Gegenwert des Straferlasses.

Sklavenjagd als Kreuzzug

Heinrichs Boten fanden Gehör. Papst Eugen erließt am 15. Januar 1443 eine weitere bulla Rex regnum, in der den Teilnehmern die Kreuzzugsprivilegien und Sündenvergebung garantiert werden. Richteten sich die bisherigen Kreuzzüge gegen die nordafrikanischen sararcenos, also Muslime, ging es nun gegen:

Saracenos et alios infideles...

Also gegen alle Ungläubigen. Jetzt sind alle dran, die die Christen ständig verhöhnen, alle Bewohner Afrikas haben nun das Recht auf ihr Land, ihr Eigentum und an ihren Körper verloren. Auf Schnörkel wie Rettung ihrer Seelen wurde verzichtet. Trotzdem stellt Zurara nach Besichtigung der Gefangenen fest:

Es schien eine bestialische, barbarische, verräterische Rasse zu sein ... diese Schwarzen waren keine Muslime, sondern Wilde, also noch geeigneter für den Pfad der Erlösung ...

Subjektiv mag Zurara das Motiv der Seelenrettung ernst genommen haben. Objektiv kommt ihm als Chronist des Ordens die Rolle zu, die Unternehmung zu rechtfertigen. 1443 werden in Lagos zum ersten Mal Menschen versteigert. Azurara notiert:

Die Häuser füllten sich mit männlichen und weiblichen Sklaven ... Die Bürger von Lagos waren die ersten, die den Infanten um eine Lizenz baten, um in die Sklavenländer zu gehen ... der Infant hatte das königliche Recht, den 5. Teil der Beute einzuziehen ...

Der Orden der Christusritter kam natürlich als direkter Betreiber des Sklavenhandels nicht in Frage. Daher wurde der geschäftliche Teil der Afrikaunternehmung der Companhia de Lagos übertragen. Heinrich gedachte die Fangrate zu erhöhen und schickte beim nächsten mal gleich sechs bewaffnete Karavellen los. Zurara:

Der Infant befahl, dass die Schiffe seine Fahne zu führen hätten, mit dem Kreuz des Christusordens.

Seelenrettung ohne Erbarmen

Auf der Insel Naar vor der afrikanischen Küste überfallen die Portugiesen die erste größere Siedlung. Zurara:

Sie riefen "St. George" und "Portugal" und griffen sofort an. Sie töteten und fingen soviel sie konnten. Man sah, wie Mütter auf der Flucht ihre Kinder verließen und Männer ihre Frauen. Viele ertränkten sich. Andere versteckten ihre Kinder unter Seegras, wo unsere Leute sie später fanden ... Wir fingen 165 Männer, Frauen und Kinder, neben denen die ertranken und getötet wurden ...

Die Fracht wurde 1444 in Lagos gelöscht. 235 Gefangene. Zurara:

Welch herrlicher Anblick, wie sie auf dem Platz aufgestellt wurden. Einige waren recht weiß, gut gebaut und ansehnlich. Andere waren wie Mulatten, andere schwarz wie Äthiopier und hässlich ... Einige senkten den Kopf und weinten, einige schauten zum Himmel auf und klagten ihren Schmerz ... Es war nötig, Väter von ihren Söhnen zu trennen, Männer von Frauen, Brüder von Brüdern. Die Mütter drückten ihre Kinder an sich und legten sich flach auf den Boden. Man schlug sie, aber das kümmerte sie nicht ...

46 Sklaven fielen an Heinrich. Über die anderen teilt Zurara mit:

Nach der Verteilung nahm jeder seinen Anteil mit, andere verkauften ihre Gefangenen.

Der von Zurara beobachte Menschenschacher markiert den Beginn des überseeischen Sklavenhandels und der partiellen Entvölkerung engtlang der Küsten Westafrikas. Zurara sieht er die Rechtslage ohne jede Sentimentalität.

Ich sah sie in ihren Ketten, ein jammervoller Anblick ... ihre Schreie hätten mein Mitleid erregt, aber es waren Schreie von jenen, die außerhalb unseres Gesetzes standen.

Das hohe Lied des Kolonialismus

Die Rechtfertigungskünste des Chronisten sind wegweisend. Zurara:

Er (Heinrich) gedachte mit großer Freude der Errettung dieser Seelen, die vorher verloren waren ... Sie kamen bereitwillig zum christlichen Gesetz und wurden den einheimischen Knechten gleichgestellt ... Sie trugen nie Ketten und wurden gut behandelt ... Vorher waren ihre Seelen und Körper verdammt. Ihre Seelen, weil sie Heiden waren ... ihre Körper, weil sie wie Tiere lebten, ohne Brot und Wein, ohne Kleider, ohne Häuser ...

Zurara erfindet die Beschönigungsparole des Kolonialismus: Die Verbreitung des Glaubens rettet die Seelen, die Verbreitung der Zivilisation rettet die Körper. Getauft wurden nur diejenigen, die in Haushalten dienen mussten, weil Heiden da nichts zu suchen hatten. Schön hatten sie es dort auch nicht alle:

Manche Gefangenen waren so geartet, dass sie es nicht aushielten und starben. Aber sie starben als Christen.

Klingt, als hätten sie dafür dankbar sein Müssen.

Neuer Markt erforderlich

Das Abendland war wegen der vorherrschenden Leibeigenschaft als Absatzmarkt für Sklaven nicht sonderlich geeignet. Die einheimischen Knechte waren zu billig. Das Geschäft kam erst Richtig in Schwung, als in den spanischen Kolonien die indigenen Arbeitskräfte durch Verschleiß knapp wurden. Kolumbus hatte rechtzeitig Amerika entdeckt. Vorher war er nach eigenen Angaben mehrfach entlang der afrikanischen Küste unterwegs, also mit der Praxis des Menschfangs vertraut. Auch mit den Rechtfertigungen. Verbreitung des Christentums und so weiter.

Um um 1470: West-Expansion zwangsläufig

Im Nahen Osten waren die Kreuzzüge kläglich gescheitert, dem Osmanischen Reich war militärisch nicht beizukommen. Indessen segelten die Portugiesen problemlos auf dem Atlantik bis zu den Azoren. Auf allen Karten waren im Atlantik große Inseln und Inselgruppen eingezeichnet. In Portugal und England gab es Planungen für Westexpeditionen. In Spanien auch, aber die Krone führte einen kostspieligen Krieg gegen das muslimische Granada. Nach dessen Fall war genug Geld da. Wie weiter? Der Papst hatte Afrika als Lehen an Portugal vergeben. Blieben nur gewisse Inseln und Festländer im Westen. Da war doch dieser Kolumbus, der seit Jahren vorsprach und behauptete, entsprechende Pläne der Portugiesen zu kennen. Also investieren. Das Geschwader unter Kolumbus segelte Anfang 1492 August ab. Sein Auftrag: gewisse Inseln und Festländer zu entdecken und zu erobern. Nicht das Zeitalter der Welterforschung war angebrochen, sonndern das der Welteroberung. Scharf kalkulierende Kaufleute beteiligten sich an der Finanzierung, erfahrene Schiffseigner und Piloten ermöglichten die Unternehmung. Kein Abenteuer aus Wissbegierde, sondern ein Joint Venture. Alle Bedingungen waren gegeben. Ohne Kolumbus hätten die Menschen auf der anderen Seite des Atlantiks allenfalls ein paar Jahre länger nach ihren Gesetzen leben können.

Über Kolumbus


(34) Kolumbus praktiziert die Kreuzzugsidee

Landnahme mit Kreuz

Am Morgen des 13. Oktober 1492 machen die Bewohner der Karibikinsel Guanahani eine Furcht erregende Entdeckung. Drei mit Tuchen behangene Rieseneinbäume nähern sich der Küste. Schlimmer noch, es kommen ebenfalls mit Tuchen behangene Wesen an Land, rammen ein Kreuz in den Sand und praktizierten fremdartige Rituale. Die Einheimischen wissen noch nicht, dass sie nun Indios heißen und ihnen ihre Insel gerade abhanden gekommen ist. Kolumbus schreibt an die spanischen Hoheiten:

Sie sind sehr fügsam und ohne Harm, verfügen über keine Waffen, töten niemand, berauben niemand seiner Freiheit.

Da waren die Ankömmlinge doch eine ganz andere Sorte Mensch. Kolumbus:

Wenn Euere Hoheiten befehlen, können wir sie alle nach Kastilien bringen oder sie als Gefangene auf dieser Insel halten.

Von wegen bekehren

Die Insel Guanahani war 20 Jahre später menschenleer. Sklavenfänger hatten sie entvölkert. Kolumbus, der angeblich vom Forschergeist beseelte, dieser Bahnbrecher der Moderne, greift angesichts seiner Beute auf herkömmliches Gedankengut zurück:

Ich erhoffe von Gott, dass Eure Hoheiten sich mit Eifer entschließen, so große Völker zur Kirche zu bringen und sie zu bekehren, so wie sie jene zerstört haben, die sich nicht zum Vater, zum Sohn und zum heiligen Geist bekennen wollten.

Kolumbus machte keine Anstalten, irgendjemanden zu bekehren. Mit einem Bekehrten kann man nicht machen, was man will. Weil, als Christ hat er ja Rechte. Kolumbus stellt auch gleich klar, dass die Völker in jedem Fall ihr Land und ihre Güter verloren haben:

Wenn man einmal angefangen hat, wird eine Vielzahl von Völkern zu unserem heiligen Glauben bekehrt und werden große Gebiete und Reichtümer erlangt ... denn ohne Zweifel gibt es in diesen Ländern große Mengen von Gold.

Nachdem er einige Indios zu Gefangenen gemacht hat, begibt sich der große Entdecker auf die Suche nach Gold und Gewürzen, und zwar vergeblich. Er muss seine Hoheiten vertrösten. Innerhalb von drei Jahren werde man so viele Goldminen gefunden haben ...

... dass die Könige nach drei Jahren imstande wären, das heilige Grab in Jerusalem zu erobern.

Da werden selbst die Hoheiten geschmunzelt haben.

Entdecken und Erobern

Der Auftrag der Krone war so klar wie das Dekret von Clermont:

In Erwägung, dass Sie, Christoval Colón, aufbrechen werden, um auf unseren Befehl mit unseren Schiffen und unseren Leuten bestimmte Inseln und Festland im ozeanischen Meer zu entdecken und zu gewinnen, ... ist es unser Wunsch und Wille, dass Sie, der besagte Don Christophe Colomb, nachdem Sie die besagten Inseln und Festland im ozeanischen Meer entdeckt und erobert haben, oder eine von ihnen, unser Admiral der besagten Inseln und Festland sind, die Sie entdeckt und erobert haben, und dass Sie unser Admiral und Vizekönig und Gouverneur sind, und dass Sie sich danach Don Christophe Colomb titulieren dürfen, und so auch Ihre Söhne und Nachfolger ...

Gemetzel mit Bluthunden und Gottes Hilfe

Während der ersten Expedition hatte Kolumbus allerhand Tand verteilt und so einen eher freundschaftlichen Besuch vorgetäuscht. Bei der zweiten brachte er Siedler und reichlich milites Christi mit. Jetzt wurden die Friedfertigen gewahr, dass sie kein Land mehr hatten, dafür aber einen Gouverneur und Vizekönig. Sie setzten sich zur Wehr, ohne die geringste Chance zu haben. Fernando, der älteste Sohn von Kolumbus:

Der Admiral hatte zweihundert Christen, zwanzig Pferde und ebenso viele Bluthunde bei sich ... die Unsrigen verfolgten die Indios, erschlugen sehr viele und richteten ein solches Gemetzel an, dass sie mit Gottes Hilfe den Sieg davontrugen.

Entvölkerung

Der Kolonialherren schleppten das Elend ein, das noch immer anhaltende Elend. Die erste Meldung erfolgte um 1510. Der Chronist und Gelehrte am Hof ihrer Hoheiten, Pietro Martire:

Einzelne Indios hat man auf Española an Müllhaufen und Gräben aufgefunden, als sie nach stinkenden Kadavern von Eseln und Hunden suchten, um etwas Essbares zu finden ...

Der Augenzeuge
Michele de Cuneo über den ersten Sklaventransport:

Da die Karavellen nach Spanien zurückkehren sollten, wurden in der Siedlung 1600 Indios zusammengebracht. Die Besten, 550 Seelen, wurden auf die Karavellen gebracht. Aus den übrigen durfte sich jeder seine Leute nach Belieben aussuchen ... Von den besagten Indios starben 200 und die Leichen warfen wir ins Meer.

Die Indios, die dachten, sie hießen Tainos, konnten Gold nur in geringen Mengen aus den Flüssen waschen. Kolumbus ging es nicht schnell genug. Sein Sohn Fernando:

Wo sich Gold befand ... musste jede Person ab 14 Jahre eine großes Glöckchen mit Goldpulver abliefern, alle anderen 25 Pfund Baumwolle. Wer seinen Tribut zahlte, erhielt eine Münze, die er am Hals tragen musste. Jeder Indio, der keine Münze hatte, wurde bestraft.

Pietro Martire schildert die Folgen:

Die Menschen hatten kaum noch Kraft, ihren Lebensunterhalt in den Waldgebieten zu suchen ... Dem Admiral war gemeldet worden, dass durch eine Hungersnot schon mehr als 50.000 umgekommen seien ....

Fernando Kolumbus bestätigt das Sterben auf seine Art:

Gott wollte die Indios bestrafen, und suchte sie mit einem solchen Mangel an Nahrung und einer solchen Vielfalt von Plagen heim, dass er ihre Anzahl um zwei Drittel reduzierte.

Kolumbus in einem Brief an die Krone:

Die Berge waren sehr stark bevölkert, als ich ankam. Nun haben sie sich etwas entvölkert, weil die Eingeborenen mit mir in Krieg gerieten, und unser Gott mir stets den Sieg verlieh.

Verhungert, niedergemetzelt, geschändet. Pietro Martire:

Die Schiffsbesatzungen ... waren zum größten Teil undiszipliniert ... und verübten jede mögliche Gewalttat ... So raubten und schändeten sie vor den Augen der Eltern, Brüder und Männer die Frauen, gingen auf Diebstahl und versetzten die Einwohner in größte Unruhe.

Verteidigung der Menschenwürde durch Selbstmord

Pietro Martire:

Sie begannen, jede Hoffnung auf Befreiung aufzugeben. Traurig fragten sie sich, ob die Christen die Insel jemals wieder verlassen würden .... Manche sind so verzweifelt, dass sie freiwillig aus dem Leben gehen. Andere zeugen keine Kinder mehr. Man sagt auch, manche nähmen Mittel, um die Frucht des Leibes abzutreiben, weil sie wissen, dass sie nur Sklaven der Christen werden ...

Während das Elend der Tainos mit ihnen selbst verschwand, näherte sich schon das nächste, angelandet auf überfüllten Schiffen. Menschen aus Afrika, ungetaufte.

Tainos ausgerottet

Sie waren zu zart besaitet, für das Leben in einer Kolonie einfach nicht geeignet. Martire sagt es durch die Blume:

Diese einfachen Wilden waren früher kaum an Arbeit gewöhnt, jetzt gehen viele wegen der Anstrengungen beim Graben des Goldes zugrunde.

Und zieht Bilanz:

Die Zahl der unglücklichen Einwohner Españolas ist stark zurückgegangen. Viele berichten, es waren einst eine Million und zweihunderttausend. Ich schrecke zurück, den heutigen Stand anzugeben. Lassen wir das beiseite.

Endstand: Keine Überlebende in der Kolonie Española. Lassen wir das ....

Kolumbus wird in der Kathedrale von Sevilla wie ein Heiliger präsentiert. Wohl wegen der effektifen Verbreitung des Christentum. Selig gesprochen werden sollte er auch schon, aber dazu hat es dann doch nicht gereicht. Schließlich lebte er mit der Mutter seines Sohns Diego in wilder Ehe. Und dass er ein Heilwunder vollbracht habe, war eben doch schwer nachzuweisen.