Literatur & Quellen Kreuzzüge
König Richard Löwenherz in Akkon: herzlos
Christliche Chronisten mit Klartext
Augenzeugen und zeitgenössische Historikrer halten in der Regel grausame Vorgehensweisen der Kreuzfahrer für legitim, sie sind in diesem Punkt also zuverlässige Berichterstatter. Für sie war Ritterlichkeit noch keine lobenswerte Haltung, sie hatten also keinen Grund für Beschönigungen. Beispiel: Richard Löwenherz. Der englische König, der späteren Legende nach edler Ritter, lässt die muslimische Besatzung Akkons inklusive Frauen und Kinder niedermachen. (Auf der Miniatur von 1490 schaut er dabei zu.) Richard begründet das Massaker rein pekuniär: Saladin sei mit dem Lösegeld in Verzug gewesen. Der bekreuzte Augenzeuge Ambroise sieht ein ähnliches unchristliches Motiv für das Blutbad:

Sie wurden alle abgeschlachtet
die nach der Christen Blut getrachtet
Die Rache konnten sie geniesen
Der Schöpfer sei dafür gepriesen
Richard Löwenherz lässt Gefangene niedermetzeln
Richrad Löwenherz - Biographie - Hier
Bibiliothèque Nationale Ms. Fr. 5594 Fol. 213. Miniatur aus: Sébastien Mamerot, les passages faits Outremer par les Francais contre les Turcs et autres Sarrasins et Maures outremarins. Um 1490.
Herangezogene und zitierte & zugängliche Quellen und Quellensammlungen.

ALBERT VON AACHEN
Hefele, Herman: Albert von Aachen, Geschichte des ersten Kreuzzugs, Jena 1923.

ROBERT DER MÖNCH
Haupt, Barbara: Historia Hierosolymitana, Wiesbaden 1972.

FRUTOLF UND EKKEHARD
Schmale, Franz-Josef und Schmale-Ott, Irene: Frutolfs und Ekkehards Chroniken und die Anonyme Kaiserchronik, Darmstadt 1972.

WILHELM VON TYRUS
Kausler, E. und R., Geschichte der Kreuzzüge und des Königreichs Jerusalem, Stuttgart 1840.

IBN AL-ATIR, IMAD AD-DIN
Gabrieli, Francesco: Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht, München 1975.

IMAD AD-DIN, IBN AL-KADISI
Übersetzung einer Kompilation des arabischen Chronisten Abu Sama:

E. P. Goergens: Arabische Quellenbeiträge zu Geschichte der Kreuzzüge. Band 1. Zur Geschichte Salah ad-Dins, Berlin 1879. Nachdruck Hildesheim 1975.

OTTO VON FREISING
Schmidt, Adolf u. Schmale, Franz-Josef: Die Taten Friedrichs oder richtiger Cronica, Darmstadt 1986.

KREUZZUGSBRIEF
Schmale, Franz-Josef: Italische Quellen über die Taten Kaiser Friedrichs 1. in Italien und der Brief über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs 1., Darmstadt 1986.

NIKETAS CHONIATES
Grabler, Franz: Abenteurer auf dem Kaiserthron, Graz 1958.
Grabler, Franz: Die Kreuzfahrer erobern Konstantinopel, Graz 1958.

Hefele, Carl Joseph von: Conziliengeschichte, Freiburg 1886.

Platner, Karl: Die Kölner Königschronik, Leipzig 1896.

Englisch

GESTA FRANCORUM
­Hill, Rosalind: The Deeds of the Franks and the other Pilgrims to Jerusalem, London 1962.

RAIMUND VON AGUILERS
Hill, John Hugh und Hill, Laurita L.: Historia Francorum qui ceperunt Iherusalem, Philadelphia 1968.

FULCHER VON CHARTRES
Ryan, Frances Rita: A History of the Expedition to Jerusalem, 1095-1127, Tennessee 1969.

SOLOMON BAR SIMSON
Eidelberg, Shlomo: The Jews and the Crusaders,the Hebrew Chronicles of the First and Second Crusades, Wisconsin 1977.

ANNA COMNENA
Sewer, E. R. A.: The Alexiad of Anna Comnena, Middlesex 1969.

IBN AL-QUALANISI
Gibb, H. A. R.: The Damascus Chronicle of the Crusades, London 1932.

RICHARD VON DEVIZES
Appleby, JohnT.:TheChronicle of Richard of Devizes of the Time of King Richard the First, Londort 1963.

AMBROISE
Hubert, Merton Jerome und La Monte, Lohn L.: The Crusade of Richard Lion-Heart, New York 1941.

ROBERT VON CLARI
Stone, Edward Noble: Thre old French Chronicles of the Crusades. The History of them that took Constantinopel, Seattle 1939.

GOTTFRIED VON VILLEHARDOUIN
Shaw, M. R. B.: Chronicles of the Crusades, New York 1963.

Brundage, James A.: The Crusades, a Documentary Survey, Milwaukee 1962.

Französisch

KAMAL AD-DIN
Röhricht, Reinhold: Beiträge zur Geschichte der Kreuzzüge, Berlin 1874. Neudruck Aalen 1967.

ERNOUL
Morgan, Margaret Ruth: La Continuation de Guillaume de Tyr (1181-1197), Paris 1982.

PIERRE VON VAUX-DE-CERNAY
Guébin, Pascal und Maisonneuve, Henri. Histoire Albigeoise, Paris 1951.

WILHELM VON TUDÈLE
Martin-Chabot, Eugène: La Chanson de la Croisade Albigeoise, Paris 1976.

Lateinisch

FULCHER VON CHARTRES
Hagenmeyer, Heinrich: Fulcheri Carnotensis -Historia Hierosolymitana, Heidelberg 1913. (Mit ausführlichen Erläuterungen.)

ODO VON DEUIL
Waquet, Henri: Eudes de Deuil -La Croisade de Louis VII, Paris 1949.

BERNHARD VON CLAIRVAUX
Leclercq J. und Rochais H. M.: Sancti Bernardi opera, Rom 1974-77.

WÜRZBURGER ANNALEN
Pertz, G. H.: Annales Herbipolenses, in: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores XVI. Hannover 1859.

ROGER VON HOVEDEN
Stubbs William: Chronica - Magistri Rogeri de Houedene, London 1868.

ANSBERT
Chroust, Anton: Historia de expeditione Friderici imperatoris, Berlin 1928. (Der sogenannte Ansbert.)

RADULFUS NIGER
Schmugge, Ludwig: Radulfus Niger - De re militari et triplici via peregrinationis ierosolimitane, Berlin 1976.

Hagenmeyer, Heinrich: Die Kreuzzugsbriefe aus den Jahren 1088 - 1100, Innsbruck 1901.

Zitiert werden ebenfalls:

Munro, Dana C.: The Children's Crusade. In: American Historical Review, Band XIX.
Prawer, Joshua: Die Welt der Kreuzfahrer, Wiesbaden 1974.
Eickhoff, Ekkehard: Friedrich Barbarossa im Orient, Tübingen 1977.

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Zur Sekundärliteratur

Das Verzeichnis der Einzeldarstellungen im thematischen Umfeld der Kreuzzüge würde ein Buch füllen. Die Autoren kompilieren gewöhnlich die oft widersprüchlichen Berichte von Augenzeugen und zeitnahen Historikern, ohne darauf hinzuweisen, dass ihr Material im hohen Maß tendenziös ist. Gesamtdarstellungen sind wegen der Fülle des Stoffes selten versucht worden. Als Standard­werke der Fachliteratur gelten:

Runciman, Steven: A History of the Crusades, 3 Bände. Cambridge 1951.
Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 1965.

Beide meinen, ohne Zitate auskommen zu können. Der Leser soll ihrer Kompilation und Interpretation vertrauen, sprich, ihrer Autorität. Ich bevorzuge eine demokratischere Vorgehensweise.Sprich: Lass die Quellen sprechen. An Hand der Zitate kann sich der Leser selbst über die Erzählweise und Glaubwürdigkeit der Augenzeugen und zeitnahen Historiker ein Urteil bilden. Natürlich kann man sich dabei vertun, und meine Auswahl ist sicher nicht unbedingt treffsicher. Peter Milger.
Näheres zu den Augenzeugen (Chronisten) und Historikern des Ersten Kreuzzugs

Drei Chroniken sind überliefert, die von Teilnehmern am ersten Feldzug der Feudalherren nach Palästina verfasst wurden.

Der Autor der GESTA FRANCORUM
beschreibt seine Teilnahme an Kämpfen, nennt aber seinen Namen nicht. Latein hat er sicher als Kleriker gelernt, wechselte dann aber offensichtlich zum Kriegshandwerk über. Er steht dem normannischen Anführer Bohemund nahe. Der Anonymus beendete die Niederschrift der Chronik um 1100. Ein Chronist namens Peter Tudebode hat überwiegend die Gesta Francorum abgeschrieben - oder umgekehrt der Anonymus bei Tudebode? Tudebode behauptet, Augenzeuge zu sein und bringt auch einige Nachrichten exklusiv.

RAIMUND VON AGUILERS
Kleriker aus Frankreich, steht dem Anführer der Südfranzosen, Raimund von Toulouse, nahe. Er hat die Niederschrift um 1100 beendet.

FULCHER VON CHARTRES
Ebenfalls Kleriker aus Frankreich, politisch weit besser informiert als seine Kollegen, steht der Reformpolitik von Papst Urban II. nahe. Er nahm am Konzil zu Clermont teil und zitiert einige Dekrete. Beginnt mit der Niederschrift um 1101.

Die folgenden zeitgenössischen Chronisten haben an keiner Kreuzfahrt teilgenommen, aber Berichte von Augenzeugen benutzt.

ALBERT VON AACHEN
Der Kleriker bedauert, an der Teilnahme verhindert worden zu sein. Er stammt aus der Umgebung von Aachen, also dem Reich. Er benutzt die GESTA FRANCORUM, mündliche Berichte von Teilnehmern und verschollene schriftliche Augenzeugenberichte. Dazu gehört auch eine Chronik, die ein Begleiter des Herzogs Gottfried von Bouillon geschrieben haben dürfte. Der Herzog war Gefolgsmann des Kaisers und Albert hebt seine Rolle hervor. Über den Kreuzzug der Armen (auch Volkskreuzzug, April 1096) macht allein Albert von Aachen detaillierte Mitteilungen. Er beginnt mit der Arbeit an seiner Kompilation um 1101. Das Abschlachten von Frauen und Kinderen sieht er kritisch, verurteilt es aber nicht im Klartext.

ROBERT DER MÖNCH
Kleriker aus der Gegend um Reims in Frankreich. Er erhält um 1106 von seinem Abt den Auftrag, die GESTA zu ergänzen, weil der Aufruf in Clermont zu kurz gekommen sei. Die Chronisten, die sich wie Robert erst um 1106 ans Werk machen, unterstreichen die Rolle der Kirche. Das gilt auch für die französischen Kleriker:

GUIBERT VON NOGENT und BALDRICH VON DOL, die ihre Kompilationen in den folgenden Jahren anfertigen.

Aus oströmischer Sicht liegt der Bericht einer sehr gebildeten Frau vor, die in ihrer Jugend den Durchzug der Kreuzheere in Konstantinopel erlebte.

ANNA COMNENA

Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios, zuletzt genannt, weil sie erst nach den Herren, um 1118, mit der Niederschrift ihrer Chronik beginnt.

Über den ersten Kreuzzug ist kein Augenzeugenbericht aus muslimischer Sicht überliefert. Hier liegen nur Kompilationen vor, etwa von dem arabischen Chronisten Ibn al-Atir