Kreuzzüge - Kreuzzug Propaganda of the crusades - Massaker in Jerusalem - Massacre at Jerusalem
Das himmlische Jerusalem Kreuzfahrer eignen sich Jerusalem an
Die Verheissung: Das himmlische Jerusalem und die Einlösung im Jahr 1099: Kreuzritter plündern und metzeln eine Woche lang in Jerusalem. Dann waren alle Bewohner der Stadt tot, Muslime, Juden und orientalische Christen. Die Chronisten bekunden rationale Beweggründe für das Gemetzel in der zweiten Phase: Es ging um die umstandslose Aneigung aller Häuser und Güter. Das Dekret des Konzils von Clermont und die Beschlussfassungen der Anführer, die zu diesen Maßnahmen führten, werden von der abendländischen Geschichtsschreibung notorisch unterschlagen. Miniaturen 14. und 15. Jh.
Peter Milger: Die Kreuzzüge - Krieg im Namen Gottes

DAS MASSAKER IN JERUSALEM


Blutrausch, Wahn oder ethnische Säuberung zwecks totaler Aneignung?
Rat der Kreuzfahrer beschließt Massenmord
Dem Beschluss des Konzils von Clermont folgend, beschloss des Rat der Anführer vor dem Sturm auf Jerusalem, sich alle Häuser und Güter in der Stadt anzueignen. Chronik 15. Jahrhundert.
Bildnachweis
al-Asqa-Moschee Kreuzzuege Gemetzel in der al-Aqsa-Moschee 1099
Alle Bewohner der Stadt, die in die al-Aqsa-Moschee geflohen waren, wurden umgebracht. Drei Tage nach der Erstürmung, beschloss der Rat, auch alle Gefangenen über die Klinge springen zu lassen. Miniatur 14. Jahrhundert.

ANEIGNUNG BESCHLOSSEN

Auf dem Konzil von Clermont (1095) wurden zwei Dekrete erlassen, die den geplanten Feldzug in den Nahem Osten betrafen. Das eine sichert den Teilnehmern den Erlass von kirchlichen Bußstrafen zu und wird der einschlägigen Literatur auch erwähnt. Das zweite regelt die Aneignung von eroberten Territorien. Es wird unterschlagen, wohl weil es die These von den im Grunde frommen Anliegen widerlegt.

Auf dem Konzil zu Clermont... wurde mit einmütigem Beifall dekretiert, dass jede Stadt jenseits des Meeres, die den Heiden entrissen werden kann, für immer ohne Widerspruch behalten werden soll.

Fulcher von Chartres. Er war wahrscheinlich Augenzeuge, mit Sicherheit waren ihm die Dekrete zugänglich)

Die abendländische Geschichtsschreibung räumt durchweg ein, dass bei der Eroberung Jerusalems durch Kreuzfahrer sämtliche Bewohner umgebracht wurden. Die Berichte der Chronisten lassen keine andere Lesart zu. Das Gemetzel wird ebenso einhellig verurteilt und ebenso einhellig auf ein wahnhaftes Verhalten der Kreuzfahrer zurückgeführt.

ERSTE PHASE - BLUTRAUSCH DENKBAR

Der jahrelange qualvolle Marsch, die erbitterten Kämpfe und die von den Predigern verbreiteten Gräuelmärchen über die "Gottesfeinde" in der Stadt könnten zu einem Aggressionsstau bei den Kreuzfahrern geführt haben. Die Berichte belegen aber, dass es auch in der ersten Phase der Eroberung Jerusalems zu kalkulierten Vorgehensweisen kam. Die zitierten Chronisten waren Augenzeugen, benutzen Aufzeichnungen von Augenzeugen oder sprachen kurz nach dem Massaker mit Augenzeugen.

Albert von Aachen:

"Und da soll an einem Tor ein ganz fürchterliches Drängen und Drücken der Einsstürmenden gewesen sein... Durch die Bresche, die der Widder geschlagen hatte, drangen mehrere tausend Männer und Weiber in die Stadt ein. Sie scharten sich alle zusammen und liefen mit großem Geschrei zu dem Palast, brachten ihren vorausgeeilten Brüdern Hilfe und metzelten im ganzen weiten Hause die Sarazenen in grausamen Morden nieder. So ungeheuer viel Blut wurde dort vergossen, dass ganze Bäche über die Fliesen der königlichen Halle rannen und die Pilger bis zu den Knöcheln im roten Blut wateten."

Wilhelm von Tyrus:

"Schauerlich war es anzusehen, wie überall Erschlagene umher lagen und Teile von menschlichen Gliedern, und wie der Boden mit vergossenem Blut ganz bedeckt war. Und nicht nur die verstümmelten Leichname und die abgeschnittenen Köpfe waren ein furchtbarer Anblick. Den größten Schauer musste es erregen, dass die Sieger selbst vom Kopf bis zu den Füßen mit Blut bedeckt waren."

Raimund von Aguilers:

"Als sich die Unsrigen schon der Mauern und Türme bemächtigt hatten, konnte man Wunderbares erblicken. Den einen wurden, was leichter war, die Köpfe abgeschlagen, andere wurden mit Pfeilschüssen gezwungen, von den Türmen zu springen. Wieder andere wurden lange mit Feuer gequält und verbrannt. Man sah Haufen von Köpfen, Händen und Füßen in den Häusern und Gassen. Überall liefen Menschen und Pferde auf den Leichen hin und her."

Ibn al-Atir, arabischer Chronist:

"In der al-Aqsa-Moschee töteten die Franken mehr als siebzigtausend Muslims, unter ihnen viele Imame, Religionsgelehrte, Fromme und Asketen, die ihr Land verlassen hatten, um an diesem geheiligten Ort zu beten."

WER WAREN DIE OPFER? UND WER ÜBERLEBTE?

Die lateinischen Augenzeugen bezeichnen die Opfer des Gemetzels durchweg als "Heiden" oder "Sarazenen". Für sie waren Muslime, Juden und orientalische Christen gleichermaßen "Fremde".

Der arabische Chronist Ibn al-Qalanisi:

"Ein Teil der Bevölkerung floh zum Heiligtum, und eine große Menge wurde getötet. Die Juden versammelten sich in der Synagoge, und die Franken brannten sie über ihren Köpfen ab."

Nach Wilhelm von Tyrus waren vor der Ankunft der Kreuzfahrer nur die christlichen Männer im waffenfähigen Alter aus der Stadt gewiesen worden:

"Nachdem sie (die Muslims) dem (christlichen) Volke durch alle Arten von Foltern ihre Güter entrissen hatten, jagten sie bis auf die Alten und Kranken, die Frauen und die kleinen Kinder alle aus der Stadt, wo sie sich in kleinen Flecken verborgen hielten und täglich den Tod erwarteten."

Wilhelm von Tyrus nennt die Getöteten "Bürger":

"Wie nun die Stadt unterjocht und die Bürger getötet waren..."

Fulcher von Chartres:

"Was soll ich sagen? Niemand wurde am Leben gelassen. Weder Frauen noch Kinder wurden verschont."

Es waren also alle Bewohner, Juden, Muslims, und Christen, Männer, Frauen und Kinder. Aber sie starben nicht alle während der ersten Stunden.

DIE ZWEITE PHASE - ENTEIGNUNG DURCH TÖTUNG

Noch vor der Eroberung ging es bei einer Versammlung der Anführer um das Aneignungsverfahren. Raimund von Aguilers:

"Wir hielten Versammlung ab, weil die Anführer schlecht miteinander auskamen. Man sprach über Tankred, weil er Bethlehem besetzt hatte und über der Geburtskirche, die Gemeineigentum ist, seine Fahne aufgezogen hatte. Besprochen wurde auch, dass einer der Fürsten zum König gewählt werden sollte, der die Stadt regieren solle..."

Wilhelm von Tyrus teilt einen weiteren Beschluss mit:

"Sie waren vor der Eroberung der Stadt miteinander übereingekommen, dass jeder seine Erwerbungen nach Eigentumsrecht ohne Widerspruch für immer besitzen solle, wenn die Stadt im Sturm genommen sei."

DAHER UND SORGFÄLTIG

Wilhelm von Tyrus fährt fort:

"Unde urbem perlustrantes diligentius ... Daher durchstreiften sie die Stadt sorgfältig und drängten sehr ungestüm auf die Ermordung der Bürger, erbrachen die Winkel der Stadt, auch die Verstecke und geheimen Gelasse der Bürger, brachten ein Schild oder ein andere Waffe am Eingang an. Das sollte den Nahenden ein Zeichen sein, den Schritt nicht anzuhalten, sondern weiterzugehen, weil der Ort schon von anderen besetzt sei ... Das Haus aber, das einer erbrach, nahm er sich mit allem, was darin war, für immer rechtlich in Besitz."

Nach Wilhelm von Tyrus gehörte etwa ein Viertel der Häuser Christen, und die meisten waren Bürger Ostroms. Da mussten Fakten geschaffen werden, um Rechtshändel zu vermeiden. Auch Fulcher von Chartres konstatiert zwei Phasen:

"Nach dem großen Gemetzel betraten sie die Häuser und ergriffen alles, was sie vorfanden. Es geschah so, dass jeder, der zuerst ein Haus betrat, ob er reich oder arm war, nicht von einem anderen Franken bedroht wurde. Er durfte das Haus oder den Palast, oder was er fand, besetzen und besitzen, als wäre es sein eigen. So einigten sie sich gegenseitig über ihr Recht auf Besitz. Auf diese Weise wurden viele arme Leute reich"

Albert von Aachen über die zweite Phase:

"Nach dem fürchterlichen und blutigen Hinmorden der Sarazenen, von denen dort (im Tempel) zehntausend erschlagen wurden, kehrten die Christen siegreich vom Palast zur Stadt zurück und machten nun viele Scharen von Heiden, die in ihrer Todesangst versprengt durch die Gassen irrten, mit dem Schwert nieder. Weiber, die in die befestigten Häuser und Paläste geflohen waren, durchbohrten sie mit dem Schwert. Kinder, noch saugend, rissen sie an den Füßen von der Brust der Mutter oder aus den Wiegen und warfen sie an die Wand und auf die Türschwellen und brachen ihnen das Genick. Andere machten sie mit den Waffen nieder, wieder andere töteten sie mit Steinen. Kein Alter und kein Geschlecht der Heiden wurde verschont. Wer zuerst in ein Haus oder einen Palast eindrang, behielt diesen in seinem Besitz, mit allem Gerät, mit Getreide, Gerste, Wein und Öl, Geld und Kleidern und allen Besitztümern. So wurden die Pilger Herren und Besitzer der ganzen Stadt."

Wilhelm von Tyrus:

"Der übrige Teil des Heeres (die nicht im Tempel beschäftigt waren) zerstreute sich in der Stadt und zog die, welche sich in Todesangst in engen Winkeln und versteckten Gassen verborgen hatten, wie das Vieh hervor und stieß sie nieder. In Abteilungen aufgeteilt drangen andere in die Häuser ein, wo sie die Hausherren mit Weibern und Kindern und dem ganzen Gesinde herausrissen und entweder mit dem Schwert durchbohrten oder von den Dächern herabstürzten, so dass sie mit gebrochenen Genick starben."

Es kam aber auch zu Schonungen. Der Autor der Gesta:

"Als die Heiden besiegt waren, nahmen unsere Männer im Tempel viele Gefangene, sowohl Männer als auch Frauen. Sie töteten, wen sie auswählten und schonten, wen sie auswählten."

KONFERENZ BESCHLIESST ENDLÖSUNG

Nach drei Tagen gab es immer noch Überlebende, nach Albert von Aachen:

"des Geldes wegen oder aus christlichem Mitleid verschont."

Eine Konferenz der Anführer beschließt ihre vollständige Beseitigung.
Albert von Aachen zitiert eine dort gehaltene Ansprache:

"Heute ist die alte Stadt ihren eigenen Kindern wiedergegeben worden und aus der Hand des Königs von Babylon (Kairo) und vom Joch der Heiden befreit worden. Nun aber hüten wir uns wohl, dass wir sie nicht durch Habsucht und Trägheit oder Mitleid mit den Feinden wieder verlieren, indem wir die gefangenen und noch in der Stadt verbliebenen Heiden verschonen. Denn wenn wir etwa vom König von Babylon in schwerem Angriff belagert werden sollten, so würden wir bald von innen und außen bekämpft und besiegt und in ewige Verbannung und Knechtschaft weggeschleppt werden. Darum erscheint es uns als der erste und beste Rat, alle Sarazenen und Heiden, die jetzt noch gefangen gehalten sind, um vielleicht gegen Lösegeld freigelassen zu werden, unverzüglich mit dem Schwerte zu töten, damit wir nicht durch List und Betrug von ihnen Schaden nehmen."

Auch Wilhelm von Tyrus bestätigt, dass es bei dieser Konferenz um Fragen der Sicherheit ging:

"Noch ehe sie die Waffen niederlegten, traten die Fürsten zusammen und verordneten, dass jeder Turm zur größeren Sicherheit mit Waffen besetzt werde, auch dass an jedem Tor der Stadt ehrenhafte Männer als Pförtner aufgestellt werden sollten, bis durch allgemeine Übereinkunft einem die Sorge über die Stadt übertragen werde ... Sie waren nämlich mit Recht vor den Feinden ringsumher auf der Hut und fürchteten von diesen einen plötzlichen Überfall."

Albert von Aachen beschreibt die Folgen dieser Konferenz:

"Von der Hinschlachtung der übriggebliebenen Heiden: Dieser Beschluss wurde gefasst und erging am dritten Tag nach der siegreichen Eroberung als Befehl von den Fürsten an das Volk hinaus. Und siehe, alle greifen zu den Waffen und werfen sich mit fürchterlichem Morden auf das ganze heidnische Volk, das noch übrig geblieben war; die einen schleppten sie aus den Kerkern und enthaupteten sie, die anderen, die sie vorher des Geldes wegen oder aus christlichem Mitleid verschont hatten, machen sie mitten in der Stadt, in den Gassen und auf den Plätzen nieder, wo sie sie gerade finden. Auch Mädchen, Weiber, vornehme Frauen, Schwangere und Mütter mit ihren Kinder stoßen sie nieder oder werfen sie mit Steinen tot. Die Mädchen aber, die Weiber und Frauen fassen in ihrer Todesangst und vom Grauen des fürchterlichen Mordens geschüttelt, die Christen um ihr Leben flehend um den Leib, die wie besessen gegen jedes Geschlecht wüten und toben. Andere wälzen sich ihnen vor die Füße und alle flehen in jämmerlichem Weinen und Seufzen um Leben und Schonung. Fünfjährige, dreijährige Knaben, die den grausamen Tod ihrer Mütter und Väter mit ansehen mussten, verdoppeln die Klagen und das jämmerliche Geschrei. Aber umsonst rufen sie Mitleid und Erbarmen an: so sehr hat sich die Seele der Christen der Mordlust hingegeben, dass kein saugendes Knäblein oder Mädchen, kein einjähriges Kind, lebend den Händen der Schlächter entrinnt."

Auch der arabische Chronist Ibn al-Atir berichtet, die Beseitigung der Bevölkerung hätte mehrere Tage gedauert:

"Die Einwohner wurden dem Schwert überliefert, und die Franken mordeten in der Stadt eine Woche lang."

FUNDAMENTALISMUS IM ZEICHEN DES KREUZES

Es was also genau das, was man heute ethnische Säuberung nennt. Ausdrücklich unter dem Zeichen des Kreuzes.

Raimund von Aguilers:

"Nach der Eroberung der Stadt war es der Mühe Lohn, die Andacht der Pilger vor dem Grab des Herrn zu sehen, wie sie klatschten, jubilierten, und dem Herrn ein neues Lied sangen. Ihre Seelen boten sich dem siegreichen und triumphierenden Gott mit Lobgebeten, die man mit Worten nicht ausdrücken kann."

Die praktische Umsetzung der Kreuzzugsidee in Jerusalem hatte fundamentale Folgen. Das Massaker blieb in der islamischen Welt unvergessen und radikalisierte die Kampfaufrufe der islamischen Führer. Im Westen wurde es als Betriebsunfall abgelegt, das heißt verdrängt und stand so als lehrreiches Beispiel nicht zur Verfügung, wohin totalitäre Ideen führen. Nämlich zu systematischen Delikten.

DIE CHRONISTEN

Albert von Aachen schrieb seine Chronik einige Jahre später, ihm lagen die Berichte mehrerer Augenzeugen vor. Der Kleriker Fulcher von Chartres benutzte für seine Chronik Berichte von Augenzeugen, die er kurz nach der Eroberung in Jerusalem sammelte. Der Historiker Wilhelm von Tyrus verwendete 70 Jahre später in Jerusalem christliche und arabische Quellen. Der Autor der Gesta und Raimund von Aguilers waren Augenzeugen. Alle waren mit der "Idee" der bewaffneten Pilgerfahrt einverstanden.

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Kreuzfahrer bringen alle Bewohner Jerusalems um
Deus le vult - Gott will es? Klares Bild: Gemetzel in Jerusalem, Miniatur um 1450. Verklärtes Bild, Stich um 1900. Gottfried von Boullions Einzug in Jerusalem
Gottfried von Boullion ganz lieb in Jerusalem