Konzil Clermont
Kreuzzugspredigt - das Feindbild vom unmenschlichen Heiden
Hate Speech und Fake News sind wahrlich nichts Neues
Robertus Monachus (Robert der Mönch, Robert von Reims)
Rede
die Papst Urban II. auf dem Konzil in Clermont gehalten haben soll
Kreuzzugspropaganda
Miniatur in einer Chronik Roberts, 14.Jh. Muslime scheissen in einer Kirche
HAUPSEITE
Das Konzil in Clermont
Die Fakten & die Verklärung
Aufruf laut Fulcher von Chartres
Vier Versionen der Rede als PDF
Robert bearbeitet um 1110 auf Anraten seines Abts die Gesta Francorum, eine Chronik eines süditalienischen Augenzeugen des Kreuzzugs. Behauptet, am Konzil teilgenommen zu haben. Typische Kreuzzugspredigt, Werbung für weitere Kreuzzüge und Spenden. Roberts Papst Urban spricht lateinisch. Er bezichtig auf einer Massenkundgebung die Heiden unmenschlicher Taten und verspricht Landgewinn sowie Seelenheil. Dann ruft er zum Feldzug auf, worauf, so Robert, das Volk DEUS LE VULT gerufen habe. Der Text vermittelt einzigartig, was und wie in den Kirchen in den nächten Jahrzehnten nach Aufrufen zum Kreuzzug gepredigt wurde.
Nur in Roberts Version. Rede im Freien, Adressat die Bevölkerung, obwohl nur Kleriker Latein verstanden.

Nachdem die kirchlichen Angelegenheiten erledigt waren, begab sich der Papst auf eine sehr breite Straße heraus, weil keine Kirche die Menge der Leute fassen konnte. Er sprach mit wohlklingenden Worten zu den Anwesenden.

Adressat Franken, Lob der Tapferkeit und Treue zur Kirche

Volk der Franken nördlich der Berge, wie aus Euren zahlreichen Taten ersichtlich von Gott auserwählt und von ihm über alle erhoben durch die Lage des Landes, den rechten Glauben, sowie der Verehrung der heiligen Kirche An Euch richtet sich unsere Rede, und Euch gilt unsere Mahnung. Ihr sollt wissen, welch traurige Gründe uns zu Euch geführt haben und welche Gefahren Euch und allen Gläubigen drohen.

Ausführliche Schilderung von Gräueltaten, die an den Ostchristen in Anatolien begangen worden seien sollen. Das unterstellte Vorgehen:

Aus den Gebieten Jerusalems und aus der Stadt Konstantinopel erreichen uns wie schon so oft schlimme Nachrichten. Ein Volk aus dem Reich der Perser (gens regnum persarum), ein fremdes Volk, ein Volk, das Gott gar nicht kennt, „ein Geschlecht, dessen Herz nicht fest war, und dessen Geist sich nicht treu an Gott hielt", ist in die Länder jener Christen eingedrungen, hat sie mit Schwert, Raub und Brand verwüstet. Dieses Volk hat die Gefangenen teils in sein eigenes Land entführt, teils auch in elendem Morden niedergemetzelt und die Kirchen Gottes entweder von Grund auf zerstört oder zur Feier ihres eignen Kultes in Besitz genommen.

Was Robert Papst Urban in den Mund legt, hat er teilweise aus einer zwecks Werbung für weitere Kreuzzüge verfassten Hetzschrift fast wörtlich übernommen. Dieser Text ist in Form eines Hilfeersuchens verfasst, gerichtet an den Herzog von Flandern, unterschrieben von Kaiser Alexios. Die Historiker sind sich selten einig, dass der Kaiser nicht der Autor seinen kann. Laut diesem Text bietet Alexios Kriegern aus dem Westen als Lohn oströmische Frauen und Reliquienschätze des Reichs an. Völlig undenkbar. Robert:

Sie wandeln Altäre um, die sie mit ihren Abscheulichkeiten befleckt haben, beschneiden die Christen, und verspritzten das Blut der Beschneidung über die Altäre oder gießen es in die Taufbecken.

Aus dem angeblichen Schreiben des Kaisers:

Denn sie beschneiden die Knaben und jungen Männer der Christen über den christlichen Taufbecken, gießen das Blut der Beschneidung aus Missachtung gegenüber Chri­stus in dieselben Taufbecken und zwingen sie, ihr Wasser darüber abzuschlagen. (Nam pueros iuuenes Christianorum et circumcisionis sanguinem in despectum Christi fundunt in eisdem babtisteriis et desuper eos mingere compellunt).

Weiter Robert, aus dem Gräueltaten-Katalog. Hohe Schule der populistischen Volkverhetzung.

Und denen, die sie mit einem schmählichen Tod bestrafen wollen, schlitzen sie den Bauch auf, reißen ihnen bei lebendigem Leib den Kopf ab, binden sic an einen Pfahl und treiben sie so unter Schlägen umher, bis sie, mit heraushängenden Eingeweiden, zu Boden gestreckt zusammenbrechen. Einige binden sie an einen Pfahl und beschießen sie mit Pfeilen; einige lassen den Hals ausstrecken, bedrängen sie mit blankem Schwert und probieren, ob sie ihn mit einen Streich durchhauen können. Was soll ich sagen über die gotteslästerliche Schändung der Frauen, worüber zu sprechen ärger ist als zu schweigen? Das Reich der Griechen ist von ihnen schon so verstümmelt und zu ihren Gebräuchen überführt worden, dass es in nicht zwei Monaten durchwandert werden kann.

Weiter Lob der Franken, das liegt Robert sehr am Herzen. Im Gegensatz zu Fulcher von Chartres bringt er Jerusalem ins Spiel und die Mär von der Schändung der Grabeskirche. Das ist glatt gelogen, denn in der von ihm bearbeitet Chronik steht, dass die Bekreuzten sie 1099 unversehrt vorfanden.

Wem anderen wenn nicht Euch kommt die Aufgabe zu, ihnen das wieder zu entreißen und Rache zu üben. Auch hat Gott vor allen Völkern hervorragendem Waffenruhm, Seelenstärke, körperlicher Tüchtigkeit und Kraft verliehen, um die geschwollen Kämme eurer Widersacher niederzudrücken. Die Taten Eurer Ahnen sollen Euch zu mannhafter Tat anspornen, die Redlichkeit und Größe des großen Königs Karl und seinen Sohnes Ludwig und Eurer anderen Könige, die die Reiche der Heiden zerstörten und zu ihnen die Grenzen der Hei­ligen Kirche ausdehnten. Annregen soll Euch vor allem das Heilige Grab des Herrn, unseres Retters, das von unreinen Völkern besetzt gehalten wird, und die Heiligen Stätten, die entehrt und besudelt werden mit deren Unreinheiten.

Roberts Papst ist familienfeindlich.

Oh tapfere Kämpfer und Nachkommen unbesiegter Eltern, schlagt nicht aus der Art, sondern gedenkt der Tapferkeit Eurer Vorfahren. Wenn Euch die Liebe zu Kindern und Eltern und Ehefrauen zurückhält, ruft Euch in Erinnerung, was der Herr im Evangelium spricht: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer verlässt sein Haus, Vater und Mutter, Frau, Kinder und Äcker um meines Namens willen, der wird es vielfältig empfangen Lind das ewige Leben erben." Kein Besitz halte Euch zurück, keine Sorge, um das Hauswesen
.

In seinen Briefen zuverlässig überlieferten nimmt Papst Urban aber eine gegensätzliche Position ein. Dann kommt eine sachliche Stelle, angelehnt an die Redeversion des Chronisten Fulcher von Chartres. Ein ganz normaler Krieg um irdisch Gut.

Das Land, in dem Ihr lebt, ist von den Küsten des Meeres und von Gebirgen eingeschlossen. Es ist durch Eure große Zahl beengt, überfließt nicht von Reichtum und ernährt kaum die, die es bestellen. Daher kommt es, dass Ihr Euch gegenseitig angreift und streitet, Kriege führt und Euch häufig gegen­seitig verwundet und tötet. Daher sollen der Hass unter Euch weichen, die Streitigkeiten zur Ruhe kommen, die Kriege aufhören und die Konflikte abflauen. Schlagt den Weg zum Heiligen Grab ein, entreißt jenes Land dem gottlosen Volk und unter­werft es Euch, jenes Land, das den Kindern Israels von Gott zu ei­gen gegeben worden ist, wie die Schrift sagt: „darin Milch und Honig fließen".

Keine brüderliche Hilfe für Ostchristen, Nur Jerusalem bedarf des Beistands. Paradies versprochen.

Jerusalem ist der Nabel Welt, ein Land fruchtbarer als alle anderen, gleichsam ein zweites Paradies der Lustbarkeiten. Diese Stadt erleuchtete der Retter des Menschengeschlechts mit seiner Ankunft, schmückte sie mit seinem Aufenthalt, heiligte sie durch sein Leiden, befreite sie durch den Tod, zeichnete sie durch sein Grab aus. Sie ist deshalb die königliche Stadt, in der Mitte des Erdkreises gelegen, nun von ihren Feinden besetzt gehalten und von Menschen, die Gott nicht kennen, und sie dient nun heidnischen Zeremonien. Sie klagt deshalb und will befreit werden und lässt nicht ab zu bitten, dass Ihr zur Hilfe eilt. Von Euch nämlich vor allen Völkern fordert sie Hilfe, denn Ihr seid von Gott vor allen Völkern, wie ich schon gesagt habe, mit hervorragendem Waffenruhm ausgezeichnet. Begebt Euch auf diesen Weg zur Vergebung Eurer Sünden, dann ist Euch der unvergänglicher Ruhm des Himmelreiches gewiss.

Visionär. Robert lässt auf einer Massenkundgebung den Totalen Krieg ausrufen. (Für Gläubige ist in einem Krieg, den Gott will ein, ein Krieg, in dem alles erlaubt ist. Also ein totaler, radikaler Krieg).

Als der Papst Urban in dieser urbanen Predigt dieses und mehr dieser Art gesagt hatte, da vereinte die Begeisterung alle Anwesenden als sie ausriefen: "Gott will es! Gott will es (deus le vult)." Als der ehrwürdige römische Bischof das hörte, wandte er die Augen zum Himmel, dankte Gott, gebot mit der Hand Schweigen und sprach: Liebe Brüder, heute ist uns offenbar geworden, was der Herr im Evangelium spricht. „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Wenn nicht Gott der Herr Eurem Geist beigestanden hätte, so hättet Ihr nicht alle mit einer Stimme gesprochen. Obwohl nämlich Eure Stimme zahlreich klang, hatte sie doch einen gemeinsamen Ursprung. Deshalb sage ich Euch, dass Gott, der sie Euren Herzen eingegeben hatte, sie aus Euch herausbrachte. Es sei also dieser Ruf für Euch im Krieg ein Schlachtruf, denn dieses Wort ist von Gott eingesetzt. Wenn Ihr im Angriff mit Gewalt gegen den Feind stürmt, sei für alle auf der Seite Gottes dies der einzige, Ruf: „Gott will es! Gott will es!"

Der Schluss ist wieder sachlich und lehnt sich an päpstliche Bestimmungen an, die nach dem Konzil erlassen wurden.

Wir verlangen nicht, und raten nicht dazu, dass Alte und Kranke und wenig zum Führen der Waffen wenig geeignete diesen Weg beginnen. Auch Frauen ohne ihre Männer oder ihre Brüder oder ohne rechtmäßige Vertreter sollen keinesfalls losziehen. Solche Leute sind nämlich mehr Hindernis als Hilfe, mehr Last als Nutzen. Die Reicheren sollen die Mittellosen unterstützen, und je nach ihren Möglichkeiten für den Krieg Gerüstete mit sich bringen. Priester oder Kleriker jeden Ranges dürfen ohne Erlaubnis ihrer Bischöfe nicht loszuziehen, denn ohne sie die Reise für sie nutzlos. Nicht einmal den Laien steht es zu, ohne den Segen des Priesters aufzubrechen.Wer sich entschlossen hat, diese heilige Pilgerschaft anzutreten und Gott gelobt sich als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer zu darzubringen, der trage das Zeichen des Herrn an seiner Stirn oder Brust vor sich her. Wer aber dann nach Erfüllung des Gelübdes zurückgehen will, nehme es hinten zwischen die Schultern, denn die so in zweifacher Weise handeln, gehorchen dem Befehl Gottes, den er selbst im Evangelium ausgab. „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert".


Ostrom 1071: Türkische Landnahme, die Fakten

Im August erlitt eine Söldnerarmee Ostroms in Anatolien bei Manzikert eine Niederlage gegen die türkischen Seldschuken. Da innere Machtkämpfe das Reich zusätzlich schwächten, gelang es den Türken unter Sultan Arp Arslan, Anatolien bis auf einige Küstenstriche schrittweise zu besetzten. Diese Türkische Landnahme - ursprünglich wahrscheinlich nicht beabsichtigt - verlief weitgehend unblutig. Die Schonung der christlichen Bevölkerung entsprach der pragmatischen Einsicht, dass Tote nichts wert waren, nichts erwirtschaften und keine Steuern zahlen. Muslimische Herrscher pflegten ihre christlichen Untertanen als Volk des Buches (Bibel) anzusehen. Sie durften ihre Religion ausüben und sich selbst verwalten. Auch nach der Besetzung bildeten Christen in Anatolien die Mehrheit.